Kerngesund & Beerenstark

Dr. med. Till-Yong Zienterra
Since 05/2026 3 Episoden

#1 Essen auf Gefühlsrezept

Emotionales Essverhalten - wenn Gefühle hungrig machen

13.05.2026 19 min Dr. med. Till-Yong Zienterra

Zusammenfassung & Show Notes

Wir essen nicht immer, weil wir Hunger haben. Manchmal essen wir, weil wir einen schlechten Tag hatten - und das hat Gründe. Ernährungsmediziner und Kinderarzt Dr. med. Till-Yong Zienterra erklärt was emotionales Essverhalten ist, welche Hormone dahinterstecken und warum strikte Diäten dabei oft das Gegenteil bewirken. 

Kerngesund und Beerenstark – Folge 1
 „Essen auf Gefühlsrezept"

Schlechter Tag, gute Tafel Schokolade – kennt ihr das? In der ersten Folge dreht sich alles um emotionales Essverhalten: Was steckt dahinter, wie läuft es körperlich ab, und was kann man im Alltag dagegen tun?

In dieser Folge:
- Was ist der Unterschied zwischen emotionalem Essen und emotionalem Essverhalten?
- Wie verbreitet ist es wirklich? (Spoiler: bis zu 60 % bei Übergewicht)
- Die drei Hungertypen: homöostatischer Hunger, hedonischer Hunger und mikrobiomgesteuerter Hunger
- Warum Stress uns auf Burger und Schokolade statt Gemüse scharf macht – und welche Hormone dahinterstecken
- Der Teufelskreis aus Emotion, Essen und Scham
- Warum strikte Diäten bei emotionalem Essverhalten den Jo-Jo-Effekt befeuern
- Erste praktische Schritte: Was hilft wirklich?

Erwähnte Studien:
Meta-Analyse zu emotionalem Essverhalten und emotionaler Dysregulation (Appetite, 2026)
 -  Mendia J, Quiles Y, Pascual A, Ruiz Á, Manchón J, Conejero S, Pizarro JJ, Alonso-Arbiol I. Uncovering the association between broad emotional dysregulation and emotional eating: A meta-analysis. Appetite. 2026 Jun 1;221:108490. https://doi.org/10.1016/j.appet.2026.108490. Epub 2026 Feb 3. PMID: 41643943. 
Paper zu Hungertypen und Regulationsmechanismen (New England Journal of Medicine, 2025)
 - Rahmoune H, Boutrid N. The Physiology of Hunger. N Engl J Med. 2025 May 1;392(17):1766-1767. https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc2502445. PMID: 40305730. 
Paper zu Adipositas und emotionaler Dysregulation (Curr Diab Rep., 2018)
-  van Strien T. Causes of Emotional Eating and Matched Treatment of Obesity. Curr Diab Rep. 2018 Apr 25;18(6):35. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5918520. PMID: 29696418; PMCID: PMC5918520. 

Nächste Folge: Interview mit einer Psychologin zum Thema Emotionsregulation und emotionales Essverhalten – eure Fragen sind herzlich willkommen! Also bitte stell Deine Fragen :)

Fragen & Feedback: Kommentar unter die Folge oder per Kontaktformular auf meiner Website.
https://ernaehrungsmedizin-zienterra.de/kontakt/

Transkript

Herzlich willkommen zu Kerngesund und Beerenstark, dem Podcast für Ernährungsmedizin, der bei Ernährungsthemen auch Kinder, Jugend und Klima im Blick behält. Ich bin Dr. Till-Yong Zienterra, Kinderarzt, Ernährungsmediziner aus Leidenschaft und veganer Ernährungsberater. Ich möchte mit Euch mein Wissen teilen und Euch spannende, sympathische ExpertInnen vorstellen, mit denen ich über relevante Ernährungsthemen spreche, um Klarheit reinzubringen – wissenschaftlich fundiert. Heute teile ich mit Euch die erste Episode des Podcasts – yes! Insofern ganz als erstes ein großes Danke, dass Du eingeschaltet hast. Wir schreiben Mai 2026, und weil ich mir habe sagen lassen, dass der Mai der – Moment, ich versuch's jetzt ganz langsam auszusprechen – Mental Health Month ist, ist das Thema dieses Monats passenderweise emotionales Essen, oder genauer, emotionales Essverhalten. Ich bin kein Psychologe und auch weder Psychiater noch Psychotherapeut. Deswegen hole ich mir in der nächsten Folge eine Psychologin als Expertin in den Podcast zum Interview. Ich möchte aber, dass sie Euch dann auch möglichst viel zu dem Thema aus der Praxis mitgibt und deswegen gibt's in dieser Folge einen Überblick zu dem Thema. Also steigen wir ein. Es ist Montag, ich bin richtig down. Heute ist mir dings blöd gekommen auf der Arbeit und es war auch mega viel zu tun. Schlaf wär mal wieder geil und das Wetter war auch Mist heute. Ich brauch jetzt Schokolade und komm mir nicht mit ein Stück, es sei denn, Du meinst mit ein Stück eine Tafel. Ist das emotionales Essen bzw. emotionales Essverhalten? Da fängt's jetzt schon an, und zwar an, spannend zu werden. Emotionales Essen, ja, schon. Also, ich esse nicht, weil ich Hunger hab, sondern weil ich irgendwas verspüre, eine Emotion. Aber ist es auch emotionales Essverhalten? Dafür kommt es jetzt drauf an, mach ich das einmal oder immer, wenn mein Tag so ist. Also passiert es regelmäßig, dauernd. Dann ist's nämlich ein Verhaltensmuster. Also, ich würde mal vermuten, viele von euch kennen eine solche oder ähnliche Situation, wie ich sie beschrieben hab, aus eurem Leben, oder? Aber dass es jetzt immer so abläuft an schlechten Tagen mit den Emotionen, würdest Du da für Dich auch noch zustimmen? Ich falle da zum Beispiel dann nicht mehr rein. Wichtig ist, dieses emotionale Essverhalten ist keine Krankheit, keine Diagnose, sondern wenn überhaupt dann ein Teilaspekt einer Diagnose. Es ist nämlich ein Bewältigungsmechanismus für eine Emotion durch Essen. Aber eine Essstörung könnte es dann theoretisch werden, wenn dieses Essverhalten eben dazu führt, dass zum Beispiel andauernd und in übergroßen Mengen gegessen wird. Das würde dann Richtung Binge-Eating gehen. Bei einer Meta-Analyse, also großer Analyse von vielen Studien, würde man bei Erwachsenen je nach Studie bei 20-45% sagen, dass emotionales Essverhalten ein Thema ist, bei Jugendlichen auch in dem Bereich, 30% der allgemeinen Bevölkerung. Spannenderweise steigt diese Prozentzahl dann aber sogar auf 60% bei Übergewicht oder Adipositas als Diagnose. Ich denke übrigens, es ist kein großer Spoiler zu erwähnen, dass Adipositas für mich eines der Herzensthemen ist, was eventuell nochmal im Podcast vorkommt. Diese Werte jetzt zeigen, finde ich schon, warum es sich lohnt, über das Thema emotionales Essverhalten nachzudenken und zu sprechen, weil es eine große Gruppe Menschen betrifft und weil es eine Assoziation, also Verbindung zu Übergewicht und Adipositas zu geben scheint. In den Ergebnissen der Meta-Analyse von 2026 in Appetite veröffentlicht, zeigt sich, dass eine positive und auch mittelmäßige Assoziation, also Verbindung zwischen emotionaler Dysregulation und emotionalem Essverhalten besteht. Das könnte jetzt bedeuten, dass Leute, die eine Schwierigkeit haben, unschöne Emotionen zu verarbeiten oder zu managen, wie Nervosität, Traurigkeit oder Aggression, dass diese Menschen eben verletzlicher sein können, Essen als Strategie zu benutzen, mit diesen Emotionen umzugehen, mit diesen negativen Emotionen umzugehen, die jetzt sozusagen zu betäuben. Also, ja, da fällt mir dann sowas wie Schokolade als Essen dann ein, und dann fühlt man sich besser. Die Schokolade, der Zucker, das schüttet dann das Belohnungssystem Dopamin, Endorphine aus und, ja, einem geht's dann kurzzeitig besser. Dann kann aber so ein kleiner Teufelskreis beginnen, weil irgendwie kurzfristig ist es dann besser, aber das Essen macht die schlechten Gefühle ja nicht auf Dauer weg. Es ist dann so auf lange Sicht gesehen, der Stressfaktor bleibt, und der Zucker hat also, ja, gar nichts gelöst irgendwie, und die Person befindet sich jetzt in einer Abwärtsspirale, und die Dysregulation der Emotionen kann dann in diesem Sinne zu Übergewicht, schlechten Gewissen, Scham und anderen negativen Gefühlen oder sogar dann Krankheiten führen. Was würde das jetzt bedeuten? Also, wir haben Menschen der Allgemeinheit, die haben jetzt einen schlechten Tag, und die kommen nach Hause und essen Schokolade, und zwar jetzt nicht einmal, sondern vielleicht immer, und dann besteht eine Verbindung zu einer emotionalen Dysregulation, also einem angelernten, ungünstigen Umgang, Emotionen zu verarbeiten, also Emotionen mit Essen zu verarbeiten, was in dem Fall jetzt eben auch dazu führen kann, dass man dann, wenn man häufig schlechte Tage hat oder sogar Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder andere psychische Erkrankungen, häufiger unter diesen negativen Emotionen leidet und dann zusätzlich noch Übergewicht bekommen könnte. In jedem Fall waren negative Emotionen und die dazugehörige Verarbeitung stärker assoziiert in dieser Metastudie als positive Emotionen. Und da kommen jetzt, ja, wir zum nächsten Punkt, dass emotionales Essverhalten natürlich auch heißen kann, emotionale Reaktionen auf positive Ereignisse. Da würde sich jetzt wieder ein neues Kapitel aufmachen, was natürlich auch wichtig ist, ja, auch dann kann man überessen, auch da kann man dann aufgrund von Freude zu viel essen. Nach der Metaanalyse spielt es aber eine geringere Rolle, ja, insofern, dass es eben dann vielleicht eine Coping-Strategie bei negativen Emotionen ist, also eine Bewältigungsstrategie. Und in dem Sinne würde ich mich dann jetzt auch auf diese Bewältigungsstrategie fokussieren und auf die negativen Emotionen und das Zugehörige nicht verarbeiten oder mit Essen verarbeiten fokussieren. Okay, um jetzt noch so ein paar Dinge vielleicht zu verstehen, wie den Jojo-Effekt oder vielleicht auch was emotionales Essen dann damit zu tun hat, ist es wichtig, nochmal die körperlichen Mechanismen zu beleuchten. Wir haben verschiedene Hungermodi. Da gibt es ein Paper, relativ neu, vom New England Journal of Medicine von 2025, da ist das ganz gut beleuchtet. Ich versuch's mal kurz zusammenzufassen. Wir haben drei Hungertypen. Wir haben den homöostatischen Hunger, wir haben den hedonic Hunger, also sowas wie hedonischer Hunger, Lust -Hunger, und wir haben einen Mikrobiom-assoziierten Hunger. Also zum Ersten, zu dem normalen Status sozusagen, wir nehmen Energie auf, wir verbrauchen Energie, wir haben den Magen, der uns sagt, okay, wir haben gegessen, der Magen ist gedehnt, wir sind satt. Und andersrum haben wir auch Hunger, weil wir haben Fettzellen, die sagen, oh, irgendwie ist jetzt weniger Fett da als vorher, oder wir haben Muskeln, die sagen, wir haben voll viel verbraucht, tu mal wieder was rein, genau, das tun wir dann auch, und dann essen wir. Und das System ist so mit Rückkopplungsschleifen im Gleichgewicht. Das ist ganz spannend, weil das kann ich bestätigen aus eigener Erfahrung, ich mach seit langer Zeit Judo, auch Wettkampf-Judo, auch sozusagen Wettkämpfe, und kämpfe da seit meiner Jugend in der gleichen Gewichtsklasse. Und seitdem hat sich einfach nichts verändert, das ist der Break-Even-Point meines Körpers. Und das funktioniert durch verschiedenste Hormone, die gehe ich jetzt nicht alle einzeln durch, aber da kommen wir dann noch zu. Die Hormone spielen dann eben auch eine wichtige Rolle bei dem Hedonic Hunger bzw. Lust-Hunger. Und das funktioniert zum Beispiel so. Wir haben Stress. Wir hatten jetzt den Scheißtag, den wir beschrieben hatten, und deswegen schüttet der Körper jetzt auch ein Hormon aus. CRH, Corticotropic Releasing Hormon. Das unterdrückt den Appetit und dementsprechend auch den Hunger, um jetzt die sogenannte Fight-of-Light -Reaction zu aktivieren, also den Flucht- oder Kampfmodus. Und das ist die kurzfristige Reaktion. Die mittelfristige folgt dann ein paar Stunden später. Und das würde bedeuten, der Körper schüttet Cortisol aus, Glucocorticoide, wie man sie nennt, und die führen jetzt eben zu einem gegenteiligen Effekt. Wir kriegen Hunger. Wir wollen Nahrungsmittel essen, die irgendwie hochkalorisch sind, ja, also die besagte Schokolade oder den Burger, Pommes, Chips, you name it. Kann auch mal ein Käsebrot sein, aber wahrscheinlich weniger das frischgekochte, aufwändige, neue Gemüsesuperessen, das uns letzte Woche unsere Freundin empfohlen hat. Oder der Kumpel. Solange wir da jetzt mehr als 10 Minuten in der Küche stehen müssen, ist das wahrscheinlich nicht das, worauf jetzt das Gehirn anspringt. Falls ja, dann seid ihr einfach krass. Ja, und Stress auf Dauer führt dann zu dauerhaft hoher Ausschüttung von Stresshormonen, Cortisol und anderen, wie Adrenalin, Noradrenalin, und das führt dann natürlich zu einem dauerhaft gesteigerten Essverhalten, bzw. kann dazu führen, und auch zu der dann folgenden Gewichtszunahme, das wäre jetzt nichts seltenes. Diese Art von Hunger ist aus meiner Sicht eine Ursache von emotionalem Essverhalten, also dem Essen aus Lust, nicht aus Nährstoffmangel, und hier können Trigger dann eben sein sowas wie Emotionen, Gewohnheiten oder Sinne, also Gerüche zum Beispiel, und ja, das führt dazu, dass unkontrollierte Essimpulse gestartet werden, wohingegen die Sättigungssignale des Magens zu ineffizient in diesem Modus jetzt sind. Und die dritte Form des Hungers ist beschrieben als mikrobiomgesteuerter Hunger, sodass sozusagen die Bakterienstämme, die vorherrschen im Darm, entweder dazu führen können, dass weniger oder mehr Hunger bei der Person gespürt wird. Und hier setzen dann zum Beispiel die verschiedenen Varianten der sogenannten Abnehmspritzen oder genauer GLP-1 -Analoge an, die dann den Appetit mindern, andererseits wirken auch andere Hormone wie Grelin, welches dann den Hunger fördert, oder andere Peptide, die die Insulinausschüttung hemmen, oder diese Hemmung eben hemmen. Also man sieht schon, das ist dann wieder sehr komplex, aber spielt eben auch eine Rolle. So, jetzt habe ich erklärt, wie emotionales Essverhalten und Hunger physiologisch abläuft. Aber wie kannst du jetzt im Alltag darauf reagieren? Die Emotionsregulation scheint eben eine große Rolle zu haben auf das emotionale Essverhalten. Sagen wir, ihr seid eine Person, die dazu neigt, die eben häufiger so ein emotionales Essverhalten zeigt, dann könnte es eben sein, dass bei euch die Emotionsverarbeitung nicht in der Balance ist. Ich habe also jetzt zum Beispiel Stress. Okay, ich esse Schokolade, ich esse einen Burger, ich bestelle mir bei einem Lieferdienst. Genau, aber der wichtigste Punkt ist jetzt vielleicht dann zu sagen, okay, ich habe Stress, Stopp, Pause, was passiert hier? Und dann zu gucken, okay, was ist jetzt los, warum habe ich Stress? Zum Beispiel habe ich heute eine Kritik von meinem Chef bekommen. Und wie gehe ich jetzt damit um? Erstmal durchatmen, bestenfalls jetzt merken, okay, irgendwie ist diese Emotion da. Ich sitze hier zu Hause, ist alles sechs Stunden her, aber diese Emotion ist da, die ist krass, die belastet mich echt doll. Okay, jetzt verspüre ich irgendwie die Lust, Schokolade zu essen. Und habe ich jetzt Hunger oder ist es nur aus der Emotion heraus, um die zu betäuben? Der Knackpunkt, ob sich überhaupt was ändern kann, hängt davon ab, dass man es bemerkt, weil ja, erst dann kann ich überhaupt auch eingreifen aktiv. Also darüber nachdenken und was anders machen. Genau darüber und auch über weiteres werde ich in der nächsten Folge im Expertengespräch mit einer Psychologin sprechen. Falls ihr bis hierhin schon Fragen habt, schreibt sie mir gern und ich gebe sie weiter an sie. So, und jetzt nochmal zurück zur Situation, vielleicht schaffst du es ja manchmal auch, erstmal mit einem Stück Schokolade anzufangen, das im Mund zergehen zu lassen und es zu schmecken und zu sagen, schön, irgendwie brauche ich das jetzt, aber das fühlt sich auch schon mal gut an und jetzt genieße ich das einfach mal bewusst. Aber wahrscheinlich bleibt die wichtigste Erkenntnis an der Stelle, es wird, da kann ich jetzt Nahrungsmittel X oder Superfood Y nennen, am Ende alles zweitrangig sein, weil die Emotionsverarbeitung der Knackpunkt ist. Ein weiteres Thema, was ich noch ansprechen wollte, ist der Jo-Jo-Effekt. Am Anfang habe ich erwähnt, dass Studien zeigen, dass bei Menschen mit Adipositas in 60% der Fälle emotionales Essverhalten vorliegt, in solchen Fällen sieht man, dass Diät halten dann sogar kontraproduktiv ist. Das trägt nämlich dann zu dem bekannten Jo -Jo-Effekt bei. Wenn ich jetzt nämlich eine strikte Diät führe und Kaloriendefizit habe und durchhalten will, um abzunehmen und das ist aber hoch und ist echt hart für mich, dann ist es so, dass ich viel mehr Stress habe und auf negative Emotionen deutlicher reagiere. Die wiederum dann meine Selbstkontrolle viel leichter beeinträchtigen, als wenn ich das nicht machen würde, diese Diät. Das heißt, ich springe dann noch viel leichter darauf an, jetzt emotional zu essen. Und dann kommt eins zum anderen, ich werde jetzt sogar noch dafür bestraft, dass ich Diät halte, weil ich viel leichter in diesen emotionalen Essteufelskreis komme. Daher ist mein Plädoyer dann auch keine strikte Diät halten, sich nichts verbieten. Sondern das Ganze nachhaltig und langfristig anzugehen. Nicht zu sagen, nee, ich esse keine Schokolade mehr, sondern zu sagen, ja, ich versuche darauf zu achten, dass ich erstmal schaue, was spüre ich da? Warum will ich die jetzt essen? Und dann ist es auch okay, wenn ich die mal esse. Vielleicht sage ich auch generell lieber, ich halte keine Diät, sondern ich esse mich satt und zwar mit gesunden Dingen. Das hilft dann zum Beispiel auch bei dem mikrobiominduzierten Hunger. Also wenn meine Darmbakterien gute Dinge zu essen haben, wie Ballaststoffe aus Hülsenfrüchten, Nüssen und komplexen Kohlenhydraten, wie Vollkornprodukten, dann werden eher die Hormone ausgeschüttet, die den Appetit mindern, also zum Beispiel das GLP-1 mit dem Second-Meal-Effekt. Das heißt, ich esse Bohnen bei einer Mahlzeit und bei der nächsten Mahlzeit esse ich weniger Kalorien, weil ich gar nicht so viel Hunger habe mehr. Meine Darmbakterien verdauen sozusagen noch. Ja, okay, es neigt sich dem Ende zu hier. Ich hoffe, ich konnte für dich ein bisschen Klarheit und Wissen über das Thema emotionales Essen reinbringen. Bestenfalls sogar was, was du mitnimmst für dich. Stell sehr gern bitte Fragen, die du schon immer mal oder zumindest jetzt mal einer Psychologin mit Erfahrung auf dem Gebiet stellen wolltest. Als Kommentar am besten unter die Folge oder schreib mir eine Mail über mein Kontaktformular. Auch wenn Fragen offen geblieben sind, dir ein Fehler aufgefallen ist, oder du einfach schönes Feedback da lassen willst, tu das sehr gern. Ich freue mich über alles von dir, außer Hateposts. Bis hoffentlich bald, wir hören uns. Euer Till-Yong Zienterra