#2 Essen als Trostpflaster: Was dahintersteckt und was hilft – mit Fabienne Lipp
Interview mit Psychologin Fabienne Lipp zum Thema emotionales Essverhalten
27.05.2026 45 min Dr. med. Till-Yong Zienterra
Zusammenfassung & Show Notes
Kennst du das? Es ist kein Hunger, aber du greifst trotzdem zur Schokolade. Nicht weil du etwas brauchst sondern, weil du gerade etwas fühlst.
In dieser Folge möchte ich, Ernährungsmediziner Dr. Till-Yong Zienterra im Interview mit der Psychologin Fabienne Lipp (M. Sc.) mit den häufigsten Missverständnissen rund ums Thema emotionales Essen aufräumen. Was passiert neurobiologisch, wenn Stress, Frust oder Langeweile uns in die Küche treiben? Wann ist es normal und wann wird es zum Problem? Und was hat das alles mit Dopamin, Cortisol und unserer Kindheit zu tun?
Das erwartet dich in dieser Folge:
· Was im Belohnungssystem des Gehirns passiert
· Wie Zucker bei Ratten im Vergleich zu Kokain wirkt
· Wie Zucker bei Ratten im Vergleich zu Kokain wirkt
· Wann emotionales Essen zur Essstörung wird
· Warum Achtsamkeit und Selbstwahrnehmung eine wichtige Rolle spielen
· Was Du tun kannst um nicht nach der Schokolade zu greifen zu Hause oder im Supermarkt
· Warum Achtsamkeit und Selbstwahrnehmung eine wichtige Rolle spielen
· Was Du tun kannst um nicht nach der Schokolade zu greifen zu Hause oder im Supermarkt
Kennst du das? Es ist kein Hunger, aber du greifst trotzdem zur Schokolade. Nicht weil du etwas brauchst sondern, weil du gerade etwas fühlst.
In dieser Folge möchte ich, Ernährungsmediziner Dr. Till-Yong Zienterra im Interview mit der Psychologin Fabienne Lipp (M. Sc.) mit den häufigsten Missverständnissen rund ums Thema emotionales Essen aufräumen. Was passiert neurobiologisch, wenn Stress, Frust oder Langeweile uns in die Küche treiben? Wann ist es normal und wann wird es zum Problem? Und was hat das alles mit Dopamin, Cortisol und unserer Kindheit zu tun?
Das erwartet dich in dieser Folge:
· Der Unterschied zwischen körperlichem und emotionalem Hunger und wie du ihn erkennst
· Welche Emotionen am häufigsten zum Griff in den Kühlschrank führen
· Was im Belohnungssystem des Gehirns passiert
· Wann emotionales Essen zur Essstörung wird
· Was Diäten damit zu tun haben (Spoiler: oft mehr als man denkt)
Frage an die Community: Gibt es für Dich ein "gesundes" Lebensmittel, was kein Snack/Süßigkeit ist, aber für Dich einen ähnlichen Effekt hat?
Ich freu mich auf Euer Feedback!
Euer Till-Yong Zienterra
Link zur Alpenklinik Santa Maria - Kinderrehaklinik für Adipositas: https://www.santa-maria.de
Link zur Website Ernährungsmedizin Dr. Zienterra: https://www.ernaehrungsmedizin-zienterra.de
Studien:
- Ratten-Studie zu Zucker und Sucht: Evidence for sugar addiction: Behavioral and neurochemical effects of intermittent, excessive sugar intake. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0149763407000589
In dieser Folge möchte ich, Ernährungsmediziner Dr. Till-Yong Zienterra im Interview mit der Psychologin Fabienne Lipp (M. Sc.) mit den häufigsten Missverständnissen rund ums Thema emotionales Essen aufräumen. Was passiert neurobiologisch, wenn Stress, Frust oder Langeweile uns in die Küche treiben? Wann ist es normal und wann wird es zum Problem? Und was hat das alles mit Dopamin, Cortisol und unserer Kindheit zu tun?
Das erwartet dich in dieser Folge:
· Der Unterschied zwischen körperlichem und emotionalem Hunger und wie du ihn erkennst
· Welche Emotionen am häufigsten zum Griff in den Kühlschrank führen
· Was im Belohnungssystem des Gehirns passiert
· Wann emotionales Essen zur Essstörung wird
· Was Diäten damit zu tun haben (Spoiler: oft mehr als man denkt)
Frage an die Community: Gibt es für Dich ein "gesundes" Lebensmittel, was kein Snack/Süßigkeit ist, aber für Dich einen ähnlichen Effekt hat?
Ich freu mich auf Euer Feedback!
Euer Till-Yong Zienterra
Link zur Alpenklinik Santa Maria - Kinderrehaklinik für Adipositas: https://www.santa-maria.de
Link zur Website Ernährungsmedizin Dr. Zienterra: https://www.ernaehrungsmedizin-zienterra.de
Studien:
- Ratten-Studie zu Zucker und Sucht: Evidence for sugar addiction: Behavioral and neurochemical effects of intermittent, excessive sugar intake. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0149763407000589
- Studie zum erwähnten Second Meal Effect: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16600933/
Transkript
Herzlich willkommen zu Kerngesund und Beerenstark, dem Podcast für Ernährungsmedizin, der
bei Ernährungsthemen auch Kinder, Jugend und Klima im Blick behält.
Ich bin Dr.
Till-Yong Zienterra, Kinderarzt, Ernährungsmediziner aus Leidenschaft und veganer
Ernährungsberater.
Ich möchte mit euch mein Wissen teilen und euch spannende, sympathische ExpertInnen
vorstellen, mit denen ich über relevante Ernährungsthemen spreche, um Klarheit
reinzubringen.
Wissenschaftlich fundiert.
So, und heute darf ich euch Fabienne Lipp vorstellen.
Fabienne, schön, dass du dabei bist bei meiner ersten Interviewfolge.
Ich bin sehr gespannt und dank dir herzlich, dass du mitmachst.
Ja, ich würde dich auch gleich mal kurz vorstellen.
Also, Fabienne ist 35 Jahre alt, du bist Österreicherin, aufgewachsen in Tirol.
Du hast Abitur in Bayern gemacht und hast danach Psychologie studiert und bist jetzt
Psychologin, nachdem du deinen Masterabschluss in Klinischer Psychologie nach Studium in
Wien absolviert hast.
Du bist zusätzlich dann zertifizierte Adipositas-Trainerin geworden und hast seit dem Jahr
2020 die Bereichsleitung Psychologie in der Alpenklinik Santa Maria Oberjoch übernommen
und machst das seitdem.
Das ist die Kinder Reha Klinik für Adipositas, Fütterstörungen und atopische Erkrankungen,
also Neurodermitis und Asthma.
Ja, da wo ich dich auch kennengelernt habe.
Ich bin da ja auch ein halbes Jahr später dann dazugekommen.
warst du schon die psychologische Leitung.
Ein gesunder Lebensstil ist dir wichtig und Nachhaltigkeit.
Du ernährst dich vegetarisch und du lebst mit deinem Partner und deinem Hund im Allgäu.
Hast du auch noch einen random Fekt über dich?
Ja, erstmal herzlichen Dank, Till-Yong, für die Vorstellung und die Einladung.
Ich freue mich sehr auf unser Gespräch.
Ein random fact über mich.
Ja, in meiner Schulzeit war ich Sängerin in einer Band mit vier Mädels.
Sehr cool.
Und ja, wir hatten einige Auftritte und haben sogar ein eigenes Album aufgenommen.
wow, okay.
Gibt's das noch zu hören?
Das gibt's auf CD tatsächlich noch.
Nice.
Genau.
Erhältlich bei mir.
Wow, okay, das ist cool.
Gut, ja, jetzt starten wir doch mal rein.
Es ist tatsächlich so, dass uns einige Fragen aus der Community erreicht haben, was ich
sehr, schön fand und die ich natürlich herzlich gerne an dich weitergebe.
Aber erst mal zu deiner alltäglichen Arbeit.
Erzähl doch mal kurz, wie sieht denn bei dir
das Therapie-Setting in der Klinik aus, machst du das mit oder ohne Eltern und ja, erzähl
doch mal von so Therapie-Stunden.
Ja, sehr gerne.
Also meine alltägliche Arbeit in der Klinik ist sehr vielseitig.
Die reicht von eben psychologischen Einzelgesprächen mit den Kindern, den Jugendlichen
oder Kindern und Eltern zusammen, über Vorträge bis hin zu Patientinnen- und
Patientenschulungen.
Das ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit, dass wir auch die
Kinder- Jugendlichen Schulen.
Da lernen sie, ja, was ist das für eine Erkrankung, die ich da habe und was hilft dem
Umgang damit.
Und vor allem auch so der Austausch unter Betroffenen sozusagen ist auch sehr wertvoll zu
sehen.
Ich bin damit nicht allein oder es gibt noch andere, die mit den gleichen Themen kämpfen,
gerade beim Thema Übergewicht, sowas wie Mobbing oder Selbstwertprobleme.
Genau.
ja, Teamsitzungen haben wir regelmäßig, interdisziplinär, wo wir uns austauschen und
unsere Konzepte anpassen.
Genau.
Also es ist sehr, sehr abwechslungsreich, würde ich sagen.
Ja, doch, das hatte ich auch so in Erinnerung.
Ähm ...
Erzählt auch noch mal ganz kurz, weil vielleicht wissen das ja auch gar nicht alle, wie
lang man denn in so einer Reha dann ist als Jugendlehrherz zum Beispiel mit Adipositas
jetzt in dem Fall.
Mhm.
In der Regel sind die sechs Wochen da, manche auch vier Wochen.
Und eben ab zwölf Jahren kommen die Jugendlichen unbegleitet, also ohne Eltern, und sind
dann in einer, ja, einer Art kleinen Wohngruppe bei uns untergebracht.
Alle zusammen in einem Haus.
Die Wanderfalken, genau.
Mit einem kleinen Spaziergang bis zur Klinik rüber durch einen schönen Wald.
Da haben wir auch viel Bewegung im Alltag.
Genau.
Ja, sechs Wochen in der Regel sind die da.
Genau.
Ähm, ja und wie oft siehst du die nochmal in der Woche, so im Durchschnitt?
Das ist sehr individuell, je nach Bedarf.
Also wir sehen erstmal alle Kinder und Jugendlichen mit Adipositas in der Psychologie zu
einem Erstgespräch.
Und lernen uns da einfach mal kennen und schauen, was sind so Themen, die vielleicht mit
der Erkrankung einhergehen oder Belastungen im Alltag und so weiter.
bei den meisten
läuft es dann schon tatsächlich weiter und dann sehen wir uns im Schnitt einmal bis
zweimal die Woche.
Genau, zu einem 30-minütigen Gespräch.
Ja, erzähl mal, was macht dir Spaß an deiner alltäglichen Arbeit?
Ja, liebe einfach die Arbeit mit Menschen, weil es einfach nie langweilig wird.
ja, jede Person ja auch anders ist, jeder Fall ist unterschiedlich.
Und ja, ich finde es einfach auch total schön, so Fortschritte und Erfolge begleiten zu
dürfen, wenn mir ein Kind oder ein Jugendlicher am Ende der Rehe zum Beispiel sagt ...
Ich fühle mich jetzt einfach selbstbewusster und ich bin stolz darauf, was ich geschafft
habe.
Da geht mir dann auch irgendwie das Herz auf und es freut mich, wenn sich da einfach was
bewegt in dieser Zeit.
Total, ja.
Und wenn du jetzt mal reingehst in deine, ja, Gespräche mit den Jugendlichen und wir zum
Thema jetzt kommen, was siehst du in deiner therapeutischen Arbeit?
Was steckt hinter emotionalem Essen aus deiner Erfahrung?
Also ich sehe, dass es eben sehr häufig eine Strategie ist, zum Umgang mit unangenehmen
Gefühlen oder Emotionen, wie zum Beispiel Frust oder Traurigkeit.
Dass Essen einfach auch dann zur Regulation oder Beruhigung eingesetzt wird.
Was natürlich auch auf biologischer Ebene sehr nachvollziehbar ist.
Es wird unser Belohnungssystem aktiviert.
Wir fühlen uns besser durch Essen.
Genau.
Was ich aber auch sehe, ist, dass das vielen Kindern und Jugendlichen gar nicht bewusst
ist.
Also häufig ist es so, dass wir das erst mal so ein bisschen rausarbeiten müssen, dass das
ein Thema ist oder dass die Eltern das mir dann eher erzählen von den begleiteten Kindern.
Das ist mir aufgefallen, ja.
Ich hatte ja in letzten Folge was erzählt zu den Prozentzahlen und da waren es ja so um
die 60 Prozent, die in der Studie erwähnt wurden oder zwei Drittel.
Was würdest du aus deiner Erfahrung sagen?
Welchen Prozentzals würdest du jetzt schätzen bei den Kindern, Jugendlichen mit
Adipositas, bei denen emotionales Essen auch eine Rolle spielt?
würde das sogar noch höher einschätzen tatsächlich.
Schon eher bei ja 75, 80 Prozent.
Weil wenn man eben ein bisschen genauer nachfragt, kennen das fast alle, ja.
Also es gibt schon Jugendliche, die sagen, nee, also ich esse nie aus irgendwie, aus einem
Gefühl raus oder nach einer Emotion.
Aber genau, wenn man so nachfragt, ist es schon, können sich viele damit identifizieren.
ohne dass es jetzt vielleicht bei allen wirklich täglich oder mehrmals wöchentlich
vorkommt.
Aber die meisten kennen das, würde ich sagen.
Was würdest du sagen, welche Rolle spielen Kindheitserfahrungen bei dem Thema?
ist es so, wer als Kind mit Süßigkeiten getröstet wurde, trägt das Muster bis ins
Erwachsenenleben?
Ja, also solche Muster tragen wir definitiv weiter.
Das würde ich ganz klar bestätigen.
Einerseits ist es so, das Essverhalten der Eltern beeinflusst ja auch maßgeblich das der
Kinder.
Das soziale Lernen ist einfach sehr, wichtig.
Oder unser wichtigstes Lernen ist das soziale Lernen.
Die Eltern haben eine Vorbildfunktion und ja, wie in der Familie gegessen wird, wie wir
das so...
Lernen, das nehmen wir auf jeden Fall bis ins Erwachsenenalter mit.
Ganz spannend bei dem Thema ist auch so, was Geruch betrifft, das finde ich ganz
interessant.
Unser Geruchssinn wird im Gehirn anders verarbeitet als die anderen Sinne.
Und zwar hat das also auch anatomisch im Gehirn, hat der Geruchssinn Nähe zu Emotionen und
zu Erinnerungen, also zu unserem limbischen System.
und zum Hippokampus.
Das heißt, wenn wir etwas riechen, wird das ganz schnell stark mit Emotionen verbunden
oder mit Erinnerungen.
Und das kann sehr stark im Erwachsenenalter wieder getriggert werden, so der Geruch von
zum Beispiel dem Essen, das die Großmutter immer gekocht hat, ja.
Wenn das, wenn ich das wieder rieche, dann wird das ganz stark emotional geprüft, also mit
Geruch.
was ja ein wichtiger Faktor ist auch beim Essen.
Ja, gibt es starke emotionale Verknüpfungen, die wir auch bis ins Erwachsenenalter
mittragen.
Ja, Also, ja, weiß ja nicht, jetzt ist ja grad Frühling und wenn ich hier manchmal durchs
Vlies laufe und diese bestimmten Frühlingsgerüche von den, ja, auch einfach so Büschen und
ich weiß gar nicht, wie die dann teilweise heißen, na gut, Flieder ist klar und so, aber
dann kommen manchmal echt so Bilder aus der Kindheit hoch, ne, wo man irgendwie
wahrscheinlich so das erste Mal so richtig schön
über so eine Frühlingswiese oder durchs, das erste Mal durchs Vlies, ich bin ja hier auch
aufgewachsen, gelaufen ist und so.
Also das, Ja, voll.
Ja, und mit S ist es dasselbe, gell?
Also, wenn wir da was verknüpfen mit, ja, auch positiven Familienerfahrungen zum Beispiel,
das bleibt sehr stark einfach bis später auch bestehen.
Natürlich auch im positiven Sinn, aber auch negative Angewohnheiten, also in beide
Richtungen sozusagen.
Ja, total.
Vielleicht auch, warum so viele Leute so gerne grillen.
Grillen macht man ja immer im Sommer und alle haben gute Laune, oder?
Ja, genau.
Das heißt unbeginnt, ja.
Genau.
Okay.
Gut, ja, spannend.
Jetzt kommen wir doch mal zu ein paar spannenden Fragen Richtung Gehirn, weitergehend.
Und zum Thema Sucht dann auch so bisschen.
Ab wann wird aus ich esse manchmal aus Frust ein echtes Problem und woran merke ich das?
Ja, das ist eine sehr gute und wichtige Frage, finde ich.
Also, ein Problem wird es dann, wenn emotionales Essen täglich auftritt oder mehrmals
wöchentlich.
Da würde ich ein bisschen dann hinschauen.
Dann, es körperliche Konsequenzen gibt, wie zum Beispiel eine starke Gewichtszunahme und
wenn es auch psychische Aspekte damit einhergehen, wie zum Beispiel eine Belastung.
oder Scham- und Schuldgefühle nach dem Essen oder auch ein Gefühl von Kontrollverlust.
Das sind Punkte, wo ich empfehlen würde, auch vielleicht professionelle Hilfe mal zu
erwegen, wenn man es einfach auch selber nicht mehr so im Griff hat sozusagen oder
wirklich eine Belastung und Leidensdruck sich daraus ergibt.
Hmm.
Ja, Hilfe würde man finden beim Hausarzt, bei der Hausärztin, bei Psychologinnen oder auch
bei einer Ernährungsberatung.
werden so die ersten Anlaufstellen.
Also wenn man die Aspekte selber merkt, ja, wäre es gut auch vielleicht frühzeitig da mal
noch mal die Notbremse zu ziehen.
Ja, total.
Ja, dann geht es quasi auch direkt über.
Gibt es eine Schnittmenge von emotionalem Essverhalten und Suchtverhalten?
Wie kann man, wenn man auch das berücksichtigt, reagieren?
Ja.
Also, die Schnittmenge, wenn danach gefragt wird, ist, ich, der Neurotransmitter Dopamin,
der ja bei Sucht eine große Rolle spielt, aber eben auch beim Essen ausgeschüttet wird.
Gerade wenn wir fettige, hochkalorische Speisen essen, wird viel Dopamin ausgeschüttet.
Dadurch ...
Ja, das ist ja unser Belohnungs-, also wie ein Belohnungshormon sozusagen und ...
Wir fühlen uns wohl und dasselbe passiert bei Sucht.
Der Effekt jetzt beim Essen hält ja nicht so lange eigentlich an, deswegen würde ich
sagen, da muss man jetzt nicht per se drauf reagieren, aber es ist natürlich gut, wenn man
sich das bewusst macht, ja?
Dass man sich eben durch Essen schnell und einfach besser fühlen kann.
Genau.
Aber Achtung, dann ist angesagt, das vielleicht nur noch die einzige Strategie ist, die
ich habe, mich besser zu fühlen.
und sich da eben auch eine Art Sucht entwickelt, genau.
Es ist nur immer schwierig beim Thema Essen, ja, weil wir müssen ja auch essen im
Vergleich zu einer anderen Sucht.
Kann man nicht einfach sagen, ich lass jetzt das Suchtmittel weg sozusagen, sondern man
muss halt so seinen Weg damit finden, ja.
Ja, kann man das denn sagen?
Gibt es da auch von der
Suchtdefinition jetzt, sag ich mal, oder so.
Ob's da vielleicht Überschneidungen gibt jetzt mit einem ganz, ganz stark ausgeprägten
emotionalen Essverhalten.
Also ich stell mir's jetzt grad so vor, es ist halt jetzt täglich vor und ich hab jetzt
einen schlechten Tag gehabt und dann komm ich von der Arbeit und ...
schaff's noch nicht mal mehr nach Hause gefühlt, sondern vielleicht fahr ich noch mal
rechts ran, hol mir Schokolade ausm Supermarkt, ess die ...
unterwegs, weil ich irgendwie denke, so man, das geht jetzt nicht, so.
Und zu Hause, ich nicht, da weiß ich nicht, ob es das noch gibt.
Also kann man da auch so sagen, da gibt's definitionsmäßig so ein paar der
Suchtbegrifflichkeiten auch beim emotionalen ersten
Also ich bin jetzt keine Suchtexpertin.
Aber was ich schon weiß, genau, es geht auch den Begriff zum Beispiel craving.
Das ist eben dieser starke Druck, das was du gerade beschreibst.
Ja, so ich halte es gar nicht mehr aus.
Ich fahre schon mal rechts ran und hole mir die Schokolade.
Also wenn dieses Verlangen dieser Druck sehr, stark ist, das ist ein Aspekt der Definition
oder auch wenn die Menge halt immer mehr gesteigert werden muss.
Und was würdest du da sagen?
Also wenn man da jetzt reingeht, sagt, wie entsteht das jetzt im Gehirn, dass dann mehr
Zucker beim nächsten Mal notwendig ist und man dann nicht widerstehen kann mit einem
Stückchen, zwei oder einem Streifen?
Im Gehirn ist es so, das wissen wir, dass eben wenn das Dopamin ausgeschüttet wird in
großen Mengen, dass der Körper dann irgendwann diese Andockstellen im Gehirn verringert
und zurückbaut sozusagen als Art Schutzmechanismus und wir dann sozusagen mehr von
derselben Substanz brauchen, den gleichen Effekt hervorzurufen, also dieses wohlige
Bedohnungssystem.
Genau, das also liegt an den Rezeptoren von diesem Neurotransmitter, die reduziert werden.
Okay.
Und wenn man jetzt anfängt emotional zu essen und dann nicht mehr aufhören kann, also wie
so ist bis einem schlecht ist, was passiert da an der Stelle?
Kann man das sagen?
Ja, dazu fällt mir ein, dass es viel mit unserem intuitiven Essverhalten zu tun hat, das
einfach auch genetisch geprägt ist.
Also, wenn man sich da so mit der Evolutionsforschung ein bisschen auseinandersetzt,
wissen wir schon, dass unser Essverhalten sehr stark genetisch veranlagt ist, weil es ja
auch unser Überleben geht sozusagen.
Natürlich ist Essen wichtig, damit wir überleben.
Und da gibt es auch die sogenannte Fresshypothese, finde ich immer so einen komischen
Begriff, aber ja.
Ja, die besagt so ein bisschen, dass Menschen versuchen, so viel wie möglich zu essen von
einer gewissen, von einem gewissen Essen, das sehr schmackhaft oder kalorienreich ist.
Ja, weil ja, für das Gehirn oder für unseren Körper, wenn man jetzt zurückdenkt an die
Steinzeit, ist ja nicht klar, ob es morgen auch wieder was gibt.
Ja, so funktioniert unser Gehirn tatsächlich immer noch.
Das weiß nicht, dass hier nebenan vielleicht der volle Kühlschrank ist, ja.
Dafür ist es noch gar nicht so lange so.
Wir müssen auch gar nicht bis in die Steinzeit zurückgehen, sondern, sag ich mal, ja,
Nachkriegszeit in Deutschland, da war das ja auch noch nicht so.
Da war das ja auch noch so, dass wir vielleicht nicht immer was zu essen hatten oder nicht
sehr viel.
Von dem her ist es eine gute Tendenz, die unsere Gene da mitbringen.
Beispielsweise erzähle ich auch immer gerne in einem Vortrag, ja, wenn die Leute in der
Steinzeit einen Baum gefunden haben mit reifen Feigen dran, dann war klar, davon isst man
jetzt mal so viel, wie rein geht, ja.
Da lässt man jetzt, nimmt man sich nicht nur eine Feige und lässt den Rest dann für die
Vögel oder lässt es vergammeln, sondern erst mal so viel wie geht, weil so ein reifer
Feigenbaum ist natürlich eine Sensation und gibt es auch nicht jeden Tag, ja.
Dieses Verhalten, dieses intuitive Verhalten haben wir vermutlich immer noch in uns, was
auch erklärt, warum es so schwierig ist, prinzipiell, ja, weniger zu essen, wenn wir die
Menge vor uns haben.
Ja, wir haben die Tafel Schokolade vor uns und dazu sagen, jetzt esse ich hier nur ein
kleines Stück davon und den Rest, ja, lass ich da mal.
Das ist so bisschen kontraintuitiv sozusagen.
Also das ist auch sozusagen nachträglich.
dass da so die Impulse des, ja, sag ich mal, evolutionsbiologischen Überlebensmechanismus
und bloß jetzt Zucker reinhauen und alles, geht, damit man die Phasen von weniger Nahrung
übersteht, dass das dann aktiviert wird sozusagen.
Genau.
Nur heutzutage ist es halt eben so, also, dass ja, unsere Gene nicht mehr so gut mit der
Umwelt zusammenpassen, in der wir leben.
Man spricht von so einem sogenannten Mismatch.
Also, es passt nicht mehr zusammen, wie die Gene sind und wie aber unsere Umwelt sich
drastisch ja anders entwickelt hat die letzten Jahrzehnte, muss man sagen, ist ja noch gar
nicht so lange, dass wir so ein Überangebot haben und so viele hochkalorische
zuckerhaltige Lebensmittel.
Klar, die Gene freuen sich und sagen rein damit, aber an irgendeinem Ende ist es dann halt
zu viel.
Ja, total.
Und ich erinnere mich, du hattest im Vorgespräch so eine ganz spannende Sache erwähnt zu
so einem Mausexperiment.
Kannst du das vielleicht noch mal kurz sagen?
Zucker?
Das fand ich irgendwie krass.
Genau, ja.
Da gab es eben Experimente mit Ratten oder Mäusen, weiß ich jetzt gar nicht mehr, die, ja,
zur Auswahl bekommen haben, ob sie Kokain nehmen möchten oder Zuckerwasser.
Und viele der Ratten haben sogar eben das Zuckerwasser bevorzugt vor dem Kokain, woraus so
geschlossen wurde.
Es ist
genauso abhängig oder abhängiger als die Drogen Kokain.
Das ist schon crazy.
Also, ich meine, klar, muss man dazu sagen, natürlich ja, tier-experimentelle Studie ist
jetzt nicht eins zu eins übertragbar und jetzt nicht die stärkste Evidenz, aber trotzdem
werden wir das mal verlinken und kann man nochmal reingucken.
Das ist natürlich echt einfach auch, zumindest zeigt es ja eine Tendenz, was das angeht.
Also es gibt einen Suchtfaktor, das kann man so definitiv so festhalten, glaube ich.
Okay, und jetzt kommen wir von der Physiologie zur Praxis bestenfalls.
Und da war eine Frage, welche Quick Fixes gibt es, damit man direkt den Impuls des
emotionalen Essens umlenken kann?
Ja, Quickfixes wünschen wir uns natürlich alle.
Das ist ja gerade in der Psychologie oder bei Gewohnheiten ein bisschen schwierig, aber
vielleicht können wir das jetzt im Verlauf auch noch ein bisschen beantworten.
Ich würde sagen, also Wahrnehmung ist schon mal der erste Schritt.
Wenn ich das wahrnehme, dass ich diesen Impuls habe, emotional zu essen, dann ist ja schon
ganz viel passiert, ja.
Dann bin ich ja schon im bewussten Denken und kann mich bewusst dafür entscheiden, was
anderes zu tun, ja?
Ich kann sagen, ich lenke mich ab oder, ja, kauen Kaugummi.
Wir hatten es vorher davon.
Genau.
Was jetzt so mittel- und langfristig auf jeden Fall sehr hilfreich wäre, wäre so die
Selbstwahrnehmung und so die Achtsamkeit für den Körper zu trainieren.
einfach so bisschen zu wissen, was ist denn da so los bei mir, ja?
Wie fühlt sich Hunger an?
Wie fühlt sich Sättigung an?
Ist es jetzt Appetit oder ist es Hunger?
Also braucht mein Körper wirklich Nährstoffe?
Hab ich zum Beispiel auch Signale wie Magenknurren oder, weiß ich nicht, Kopfschmerzen?
Es ist bei jedem was anderes auch.
Oder ist es jetzt eher, weil ich gerade eben einen Auslöser hatte?
Zum Beispiel Stress oder
Ja, Frust, Wut, was auch immer, habe ich gestritten mit der besten Freundin und dann habe
ich das Bedürfnis, erstmal was zu essen, mich zu regulieren.
Also, wenn man da so ein bisschen, ja, hinkommt, die Verbindung da zum Körper, zu schulen,
das finde ich sehr, wichtig und ist auch langfristigen Schutzfaktor vor Übergewicht.
Ja, dass man nicht sozusagen so kopflos ist, weil es gerade was gibt.
Oder weil es eben halt gerade emotional getriggert ist, dass man eben schon bewusst
wahrnimmt, was ist da los.
Und das ist tatsächlich so was, das sehe ich oft bei den Jugendlichen.
Gerade bei denen, die vielleicht auch stärker übergewichtig sind.
Wenn ich da diese Fragen stelle, die sagen mir dann, ich weiß gar nicht, wie sich Hunger
anfühlt, Sättigung verspüre ich auch gar nicht.
Ich esse halt, wenn es was gibt oder wenn was da ist oder wenn es mir schlecht geht oder
nebenbei und so weiter.
Ja.
Ja, also von außen sozusagen bestimmt, von äußeren Faktoren.
Und davon wollen wir ein bisschen weg.
Deswegen trainieren wir das auch bei uns in der Klinik.
Das ist also mir ein wichtiges Anliegen.
Diese Selbstwahrnehmung ist jetzt kein Quick-Fix, aber ja, kann man auch schnell, wohin
kommen, sagen wir mal.
also ich sag mal genau, mir fällt dazu irgendwie ein, im besten Fall ist es ja so, dass
der Impuls kommt.
Ich bin jetzt vor der Schokolade oder wie auch immer und dann denk ich mir, jetzt brauch
ich den Quick-Fix.
Und vielleicht ist ja dann sogar schon überhaupt diese Überlegung, wie du sagst, zu haben,
schon mal der erste Schritt und dass man dann sagt, okay, jetzt mal tief durchatmen.
Und wirklich darüber ...
Ja, vielleicht jetzt sich noch mal daran zu erinnern, was wir jetzt gerade besprochen
haben, daran zu denken, okay, was hab ich denn jetzt eigentlich für eine Emotion?
Also was verspür ich jetzt gerade?
Okay, ist es Wut oder ist es Langeweile oder ist es Gewohnheit oder also weil ich jetzt
hier keine Ahnung, vor der Netflix-Serie sitze oder was ist es jetzt genau, warum wollte
ich das jetzt gerade essen?
Und das vielleicht sich einfach erst mal überhaupt zu beantworten, oder?
Im ersten Schritt.
Und da ist ja vielleicht schon mal so ein kleiner Prozess dann in Gang gekommen.
Definitiv.
ich sage immer, wenn man an dem Punkt schon ist, dann ist man schon ziemlich weit.
Das Verändern ist dann nicht mehr so schwierig, tatsächlich.
Weil, wenn die Erkenntnis da ist, es ist nur eben überhaupt schwierig, schwieriger, das
Jahr wahrzunehmen im ersten Moment.
Ja, total.
Okay, dann gehen wir da nochmal weiter rein.
Eine Frage war oft esse ich nicht aus Hunger, sondern aus Gewohnheit und dann auch, wenn
ich eigentlich schon satt bin, zum Beispiel, wenn nach dem herzhaften Essen noch ein
Dessert gegessen wird, denn im Dessertmagen ist immer Platz.
Also, das, was wir alle kennen, das Eis geht immer.
Welche Tipps gibt es, diesen Gewohnheiten rauszukommen?
Und primär zu essen, Hunger zu stillen und nicht, weil es 12 Uhr ist und man dann eben
Mittag isst und ja, dann daran anschließend, wie kann man lernen, wieder ein besseres
Gefühl für Hunger und Sättigung zu bekommen.
Ja, das ist eine tolle Frage.
Genau, war die eigentlich von einer Jugendlichen oder von einem Kind?
Ne, die war tatsächlich von einer Erwachsenen.
Vielleicht hat sie aber auch die Frage von ihrem Kind weitergegeben, das weiß ich nicht.
Das könnte sie jetzt auf jeden Fall dann selbst beantworten oder als Ausrede nehmen.
Ja, dazu fällt mir ein, erstmal der beste Zeitpunkt, Süßigkeiten zu essen, ist ja schon
tatsächlich nach einer Hauptmahlzeit.
Das heißt so, das mit dem Dessert-Magen, ja, das sagt man auch gern so, das ist ja per se
auch gar nicht ganz falsch, oder würdest du mich da, würdest du da was anderes sagen, Til
Jong?
Das ist ja an sich schon mal der beste Zeitpunkt zumindest.
Voll, Oder?
Nee, total.
Ich dachte jetzt, meinst, ob es DND-Serien machen kann.
Ja, nee.
Ich meine den Zeitpunkt.
Nee, der Zeitpunkt ist optimal, ja.
Genau.
Ja, also wenn man was Süßes essen möchte, dann gerne direkt nach dem Essen, nach einem,
nach einer ja auch proteinreichen, gesunden Mahlzeit.
Da macht es am wenigsten aus für den Blutzucker, sagen wir mal so.
Und auch, ja, wenn man sagt, klar, zwölf esse ich immer was.
Natürlich hat der Körper auch so einen Rhythmus, wo dann einfach Hunger auch zu gewissen
Zeiten produziert wird.
Manchmal merkt man es ja auch so bei der Zeitumstellung, kennen viele, da ist irgendwie
dann eine Stunde früher und
Man hat dann aber noch gar keinen Hunger, sondern eben erst zur gewohnten Zeit.
Der Körper hat ja auch so seine Rhythmen, seine Tage, so nackte Rhythmen.
Von dem her ist es auch gar nicht per se so eine Seltenheit oder irgendwie schlimm.
Ja, ganz kurz, da muss ich ganz kurz einhaken, weil das ist so lustig.
Grüße gehen raus an Matthias Müller, alle, ihn kennen.
Es war schon ein bisschen lustig, wenn wir in der Klinik in Brandenburg damals auf die Uhr
geguckt hatten.
Und es war einfach Punkt zwölf und unser Oberarzt ist aufgeschrieben.
Mittagessen und das war irgendwie so lustig und so gut, weil irgendwie einerseits ist das
ja auch in der Klinik was Gutes, wenn alle dann irgendwann mal Pause machen und wirklich
sich die Pause nehmen.
War auch nicht in allen Kliniken so, in denen ich gearbeitet habe.
Aber ja, irgendwie, da ist ein sehr gutes Beispiel für dieses 12 Uhr hat man dann auch
Hunger und genau, geht dann auch Mittagessen.
Das glaube ich auch, das ist auch einfach total eine
Ja, eine Gewohnheit und der Körper stellt sich so bisschen drauf ein, wie du sagst.
Das würde ich schon sagen, das kommt da, spielt da mit eine Rolle und ist ja auch… also
jetzt für das ist es ja erstmal gar nicht so schlimm, dass man jetzt da… aber gut, wenn
man jetzt zwölf Uhr immer eine Schokolade erstmal reinballert, ist was anderes, aber das
Mittagessen, genau.
Das wollte ich noch.
Voll, total, total.
Aber natürlich ist es eine gute Frage, wenn ich jetzt halt einfach auch Gewohnheiten habe,
wo ich merke, die sind nicht so günstig.
Ja, zum Beispiel die Jugendlichen sagen mir dann oft, Mensch, ich laufe von der Schule
heim und da komme ich beim Dönerladen vorbei und dann rieche ich das.
Natürlich sind wir nochmal beim Geruch, rieche ich das Essen und da kaufe ich mir aus
Gewohnheit einfach immer einen Döner.
Ob ich jetzt Hunger habe oder nicht oder egal welche Uhrzeit, das ist ja zum Beispiel
natürlich eine ungünstige Angewohnheit.
Da ist auch wieder, wie wir vorher gesagt haben, der erste Schritt ist es mal überhaupt zu
erkennen.
Das ist eine Gewohnheit und die ist vielleicht nicht so günstig.
Und dann halt versuchen, die zu ändern, durch eine andere Gewohnheit zu ersetzen.
Oder zum Beispiel auch mal die Wege zu ändern.
Wenn ich weiß, immer wenn ich da vorbeilaufe, werde ich so getriggert.
Kann man ja durchaus mal überlegen, Mensch, dann gehe ich vielleicht hintenrum, ja, oder
woanders.
Ja, aber da gehört natürlich auch viel Selbstdisziplin dann dazu.
Das stimmt.
Und jetzt zudem, okay, es ist jetzt so, dass man das Essen gegessen hat, Mittag oder
Abend, und dann aus Gewohnheit kommt jetzt das Dessert.
Und eigentlich will man aus dieser Gewohnheit raus.
Hättest du da eine Idee, wie man das schafft, langfristig, mittelfristig?
Hmm...
oder kurzfristig.
Ja, eine Empfehlung wäre vielleicht, vielleicht gar nicht süßes daheim zu haben und
einzukaufen oder mal weniger.
Ja, wenn ich es nicht da habe, also das berichten mir auch viele Patienten und
Patientinnen, wenn ich weiß, ich habe im Schrank hier noch meine Lieblingsschokolade oder
was auch immer, halt die Chips oder was man gerne mag, dann ist klar, dass da auch wieder
dieses Craving entsteht.
Da würde ich wirklich, also ganz banal sagen, dann kaufe ich es nicht ein.
Weil der Weg zum Supermarkt...
Wahrscheinlich nicht hungrig einkaufen zu gehen,
Genau.
Und bitte mit Einkaufsliste, das wäre auch so ein Tipp.
Ja, weniger davon einkaufen.
Der Gang zum Supermarkt ist dann schon wirklich auch aufwendig.
Das macht man dann nur, wenn es wirklich ganz dringend ist.
klar, wenn ich es vor der Nase habe, im Extremfall jetzt wirklich, ja, Schlüsselplätzchen
vor mir auf dem Tisch, da sind wir wieder bei der Fresshypothese, da kann ich natürlich
nicht gut widerstehen.
Aber wenn ich es nicht da habe, ja.
Genau.
Ja.
Ja, wenn man das auch ein paar Tage nicht macht, dann entwöhnt man sich da sehr schnell.
Das stimmt.
Und vielleicht, wenn man dann sagt, äh, softer Übergang, äh, jetzt denk ich grad so an die
Erdbeerzeit, wenn man dann eben sagt, okay, jetzt ist grad Erdbeerzeit, da gibt's als
Nachtisch einfach dann immer Erdbeeren, schmeckt ja auch lecker.
Und vielleicht, ähm, ist ja auch süß.
Und vielleicht kann das ja so ein bisschen das, äh, das erleichtern, zu sagen, ich hab
trotzdem jetzt einen Nachtisch.
Und auf Dauer ist es dann vielleicht auch irgendwie lecker.
Ja, gute Idee.
Okay, ja, jetzt sind wir ja schon im Thema Gewohnheitsänderung.
Würdest du noch was zu ergänzen zu Strategien, es gibt, um nachhaltig gesunde Gewohnheiten
zu etablieren?
Also, eine Strategie wäre, ein Esstagebuch zu führen.
Das empfehle ich ganz gerne, dass man wirklich sich aufschreibt.
Ja, was habe ich denn den Tag über so gegessen?
Weil das vergisst man auch ganz schnell wieder, wenn man sich ehrlich ist und dann snackt
man mal hier und mal da.
Also, das wirklich mal konsequent aufzuschreiben, sich auch nicht selber dabei anzulügen,
sondern schon mal ganz ehrlich, zu sehen, was esse ich denn so.
das Bewusstsein zu schaffen.
Und dann würde ich auf jeden Fall empfehlen, irgendwie versuchen, einen festen
Essensrhythmus zu etablieren, wo ich sage, also ich habe meine drei Hauptmahlzeiten,
vielleicht brauche ich mal noch eine Zwischenmahlzeit.
Also bei mir ist es 10 Uhr vormittags, da ist auch eine Mischung aus Gewohnheit und aber
auch Hunger, habe ich mir so antrainiert, aber
Genau, dann habe ich meine festen Essenszeiten und esse vielleicht nicht drum herum dann
so viel.
Das fände ich auch sehr gut.
Vielleicht ein bisschen die Mahlzeiten vorplanen von der Woche, entsprechend einkaufen
gehen, das wäre natürlich das Ideale.
Und eben mit Einkaufsliste, wir hatten es gerade schon davon, dass man nicht aus dem
Impuls raus dann zu viel ist.
Genau, ja, das wären so meine praktischen Tipps.
Okay.
Gut.
Für den Supermarkt noch mit der Liste einkaufen, hättest du da sonst noch was?
Da kam die Frage, welche Methoden kann man im Supermarkt anwenden, wenn man sozusagen der
Verführung ausgesetzt ist, angesichts zu angesichts mit der Schokolade?
Ja, das ist eine gute Frage.
Man muss sich halt klar sein, dass das natürlich auch so platziert wird alles, ja, die
ungesunden Sachen, dass wir die sehen oder die, die, ja, die ganzen Süßigkeiten, die noch
an der Kasse rumstehen, wenn man warten muss, ja, damit man da noch gut den Blick drauf
kriegt und das auch noch viel mitnimmt.
Wenn man sich dessen schon mal bewusst ist, wie das alles platziert ist, da sind ja auch
viele Psychologen und Psychologinnen am Werk, die das ja genauso ausrichten, dass wir da
so was kaufen.
Das ist, ich, schon mal gut.
Bösen von der Nahrungsmittelindustrie.
Ja.
Ja.
Ja, die Liste finde ich schon wichtig.
Ich weiß nicht, hast du noch andere Ideen?
Ja, ich würde auch sagen, klar, wenn man das jetzt da vor sich hat, manchmal kann man ja
auch die Gänge auslassen, einfach sagen, okay, alles klar.
Also zum Beispiel versuche ich das manchmal, wenn ich mit Einkaufen gehe, dann geht es
einfach an den Gängen zackig vorbei, so dass man gar nicht erst lange vorstehen bleibt
manchmal, weil dann kommt man ja vom einem zum anderen, sieben Sachen werden fünf nochmal
noch mal rein und rausgenommen.
Da versuch ich dann immer kurz mal abzulenken und schnell zur Kasse irgendwie.
Ja, genau.
Also ich glaub, ja, es ist vielleicht gut, was du sagst, dass man sich bewusst ist, ihr
wollt mich hier gerade reinlegen.
Ich lass mich nicht reinlegen.
Und wenn man irgendwas speziell kaufen will, sein Lieblingsschokolade, und das bewusst
macht, dann ist es ja auch okay.
wenn man jetzt sagt, einmal die Woche wollte ich mir jetzt Schokolade kaufen, das ist
diesmal dran, zack, steht auf der Liste.
Und dann ist es auch nicht mit schlechtem Gewissen,
Ja, unbedingt.
Genuss ist ja auch trotz allem wichtig.
Ja, gut, dann würde ich noch eine Frage an die Community weitergeben und zwar antwortet
mir Gern oder uns.
Gibt es gesunde Lebensmittel, die etwas ähnliches hervorrufen wie Schokolade und die in
diesen Momenten helfen?
Also wenn euch irgendwas, ja, gute Gefühle gibt, wo ihr sagt, oh ja, das hat, da freue ich
mich immer drauf, dass es nicht die Schokolade ist, sind nicht die üblichen Sachen so,
keine Ahnung.
oder Gummibärchen.
Genau, dann meldet's uns doch gern mal zurück.
Genau, ja, dann war noch eine Frage an mich.
Inwiefern spielt die Ernährungsweise überhaupt eine Rolle bei emotionalem Essen?
Würde ich schon sagen, ist ein Punkt, der was ausmacht, wenn ich sozusagen in so einem
Modus drin bin, dass ich viel vollwertig, also heißt Vollkorngetreide, möglichst viel
unverarbeitet esse.
möglichst wenig Industriezucker, Salz zugesetzt.
Es ist so ein bisschen, dass dann ja auch eine Gewöhnung eintritt.
Das kennt man beim Salz.
Wenn ich immer mehr salze, dann muss ich auch gefühlt immer mehr salzen bei den nächsten
Mahlzeiten.
Und wenn ich das dann mal konsequent eine Zeit lang ein bisschen reduziere, dann ist es am
Anfang komisch und irgendwann ist es wieder normal.
Und wenn man dann irgendwo essen geht, denkt man so, boah, ist das salzig.
Und so ein bisschen so funktioniert das letztendlich mit allen Geschmäckern im Körper.
Also wenn man da einfach es schafft, mehr die natürlichen Geschmäcker wieder
reinzukriegen, ist das eine.
Und das andere sind tatsächlich die Ballaststoffe.
Also wenn die Ballaststoffe im Körper arbeiten, dann werden die ja von unserem
Darm-Mikrobiom verdaut, was ich letztes Mal auch angesprochen hatte, mit diesem
Second-Meal-Effekt.
Unsere Darmbakterien essen das nochmal.
was wir sozusagen als Ballaststoff im Essen haben und was zum Beispiel dann aus den
Hülsenfrüchten Nüssen oder Gemüsen kommt.
Und wenn das dann verdaut wird, dann generiert das auch ein bisschen Energie und dann
macht uns das auch satt.
Zum Beispiel auch nachts, wenn wir schlafen noch und dann wachen wir am nächsten Morgen
auf und haben gar nicht so viel krassen Hunger.
Und wenn ich das jetzt vergleiche mit so einem
Ja, weiß ja nicht, ich hatte Nachtdienst, bin übermüdet und nachts hab ich dann die ganze
Zeit, weiß ja nicht, vielleicht lag da irgendwas rum, Süßes gegessen, Kaffee mit Milch
getrunken und dann komm ich nach Hause und hab so einen heftigsten Hunger.
Genau, also würde ich schon sagen, dass man da mit vier Ballaststoffen möglichst viel
Unverarbeiteten entgegenwirken kann.
Würdest du das so bestätigen oder hast du da andere Erfahrungen aus deiner?
Ne, doch, definitiv.
Das würde ich so unterschreiben.
Auch auf der Ebene sozusagen ist eine vollwertige Kost nachhaltig sinnvoll.
Ja, einfach auch so diese Heißhungerattacken zu vermeiden.
Okay, ja Mensch, da sind wir am Ende angekommen fast.
Äh, gibt es noch etwas, was du ergänzen möchtest?
Ja, tatsächlich ein Punkt ist mir noch so aufgefallen durch die Fragen auch aus der
Community.
Es ging ja oder geht sehr viel den Wunsch nach gesunder Ernährung, Zuckerreduktion.
Ja, und das finde ich toll auf jeden Fall.
Das ist ein guter Trend.
Ich wollte aber noch kurz anbringen, es gibt ja auch eine relativ neue Essstörung, die
nennt sich Orthorexie.
Ja, da geht es so eine Art zwanghafte Beschäftigung mit
der Qualität des Essens, den Nährstoffen, dem gesunden Wert der Lebensmittel, dass man
eben nur noch gesund essen möchte, Ungesundes vermeiden.
Also das kann sozusagen auch dann in die Richtung umschlagen, dass man wirklich eine
Essstörung hat.
Das heißt, das möchte ich irgendwie nochmal betonen.
Voll.
Ja, bleibt locker beim Thema Essen.
Genuss ist auch super wichtig, wir hatten es vorher schon.
Und macht Essen nicht zum Hauptfokus des Tages, ja.
Das sind alles super Fragen gewesen, fand ich ganz, ganz toll.
Aber eben, das Ende des Spektrums kann dann auch so aussehen, einfach dass, ja, dass ihr
es mal gehört habt.
Das ist mir noch wichtig zu teilen.
Total, voll gut.
Ja, guter Punkt.
Okay, dann kommen wir zur Abschlusskategorie.
Ja, also als Tirolerin sind das natürlich Knödel.
Sehr Genauer gesagt, Semmelknödel mit Pilzsoße ist so was, ich würde nicht unbedingt
sagen, dass es so gesund ist, aber es ist auch nochmal zum Thema Kindheitserfahrungen so
ein Soulfood aus meiner Kindheit.
Wir waren mit meiner Oma dann tatsächlich immer im Wald, haben die Pilze selbst gesammelt
und dann hat meine Oma diese tolle Soße gezaubert.
Richtig gut.
auf jeden Fall so ein Soulfood von mir und ansonsten liebe ich einfach Salat und Salate in
jeder Variation tatsächlich, ja.
Sehr schön, nee, das klingt auch, das klingt auch extrem lecker.
Ja, cool, Fabienne, vielen herzlichen Dank, dass du dabei warst, das fand ich mega
spannend.
Ich konnte auch wieder einige Dinge mitnehmen, die ich nochmal nachschlagen werde für mich
und nochmal reingehen.
Fand ich cool, dass du da warst, also ganz, ganz lieben Dank.
Ja, danke dir auch, Jungs, für den tollen Podcast.
Bin schon gespannt, wie es weitergeht und welche Themen noch folgen.
Ja, ich auch, ich auch.
Ja, cool.
Und grüß ganz lieb alle aus dem Santa, die mich noch kennen.
Und wir werden es auf jeden Fall in die Show Notes verlinken.
Genau, dass Eltern sogar auch wissen können, wo könnte ich Kinder und Jugendliche
hinschicken oder Ärzte, Ärztinnen, die, ja, zur Santa ins Allgäu, ins gute Jugendliche zum
Beispiel mit Adipositas schicken.
möchten à la Altersklassen.
Also kleine begleitet und große unbegleitet.
Ja, und dann… Ja, dann sage ich ganz herzlichen Dank.
Das war's für die Folge.
Ich freue mich und wünsche dir noch einen ganz schönen Tag.
Danke auch von meiner Seite.
Grüße nach Berlin!
Tschüss!
So, die erste Interviewfolge ist zu Ende und im Kasten.
Ich hoffe, es hat euch genauso viel Spaß gemacht wie mir, Fabienne zuzuhören, und ihr habt
eure Fragen auch wiedergefunden.
Wir haben uns auf jeden Fall größte Mühe gegeben.
Aufgrund der Zeit sind jetzt nicht ganz alle reingekommen, aber sehr, viele.
Insofern, ja, freue ich mich auf genauso viel Beteiligung beim nächsten Mal.
und wünsche euch jetzt eine schöne Woche und gebt mir Feedback, ihr es fandet.
Bis dahin, ich freue mich.
Euer Till-Yong Zienterra