#3 Zucker und Kinderernährung: Was wirklich in Limo, Saft und Cerealien steckt
Cola oder Saft, was hat mehr Zucker? und ist Fruchtzucker gesund?
12.06.2026 29 min Dr. med. Till-Yong Zienterra
Zusammenfassung & Show Notes
Ein Glas naturtrüber Apfelsaft, klingt nach einem gutem Getränk zum Frühstück für Kinder oder? Enthält allerdings 22g Zucker. Aber ist ja "nur" Fruchtzucker - also ok oder?
In dieser Folge spreche ich über eines der hartnäckigsten Ernährungsmissverständnisse, das mir in meiner Praxis begegnet: Eltern, die ihren Kindern bewusst „gesunde" Getränke und Frühstücksprodukte geben und dabei täglich unbewusst den Grundstein für Blutzuckerschwankungen, Heißhunger und langfristige Stoffwechselprobleme legen.
In dieser Folge spreche ich über eines der hartnäckigsten Ernährungsmissverständnisse, das mir in meiner Praxis begegnet: Eltern, die ihren Kindern bewusst „gesunde" Getränke und Frühstücksprodukte geben und dabei täglich unbewusst den Grundstein für Blutzuckerschwankungen, Heißhunger und langfristige Stoffwechselprobleme legen.
Kerngesund & Beerenstark – Folge 3 „Zucker & Kinder: Was wirklich in Limo, Saft und Frühstücksflocken steckt"
In dieser Folge:
- Wieviel Zucker steckt wirklich in Fruchtsaft, Limo und Frühstücksflocken? Die Zahlen sind ernüchternd.
- Warum 100 % Fruchtsaft eben nicht dasselbe ist wie eine Portion Obst
- Was der regelmäßige Konsum zuckerhaltiger Getränke im Kindesalter mit dem Insulinspiegel macht
- Warum das Frühstück oft der kritischste Mahlzeitzeitpunkt des Tages ist
- Welche einfachen Alternativen funktionieren, ohne Verbote und ohne Diskussionen am Küchentisch
- Was du als Elternteil heute konkret ändern kannst
Erwähnte Studien:
Foodwatch-Marktstudie zu Kindergetränken (2024): https://www.foodwatch.org/de/marktstudie-fast-alle-getraenke-fuer-kinder-ueberzuckert
Project Viva Kohortenstudie zu Fruchtsaft und Insulinresistenz bei Jungen (2024): Harnois-Leblanc S et al. Circulation, Abstract MP30, 2024.https://doi.org/10.1161/circ.149.suppl_1.MP30
BVKJ (Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte) plädiert mit anderen führenden Gesundheitsorganisationen für weniger Zucker in der Ernährung (2019): https://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/bvkj-plaediert-mit-anderen-fuehrenden-gesundheitsorganisationen-fuer-weniger-zucker-in-der-ernaehrung/
BVKJ (Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte) plädiert mit anderen führenden Gesundheitsorganisationen für weniger Zucker in der Ernährung (2019): https://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/bvkj-plaediert-mit-anderen-fuehrenden-gesundheitsorganisationen-fuer-weniger-zucker-in-der-ernaehrung/
Frage an die Community: Welche Getränke-Alternativen akzeptieren deine Kinder wirklich? Was klappt bei euch im Alltag tatsächlich?
Ich freu mich auf euer Feedback!
Euer Till-Yong Zienterra
Nächste Folge: Interview mit Diabetologin Dr. med Julia Király zum Thema Prädiabetes. Das stille Warnsignal. Eure Fragen sind herzlich willkommen!
Website: https://ernaehrungsmedizin-zienterra.de/
Website: https://ernaehrungsmedizin-zienterra.de/
Transkript
Herzlich willkommen zu Kerngesund und Beerenstark, dem Podcast
für Ernährungsmedizin, der bei Ernährungsthemen auch Kinder, Jugend
und Klima im Blick behält.
Ich bin Dr. Till-Yong Zienterra, Kinderarzt, Ernährungsmediziner aus
Leidenschaft und veganer Ernährungsberater.
Ich möchte mit euch mein Wissen teilen und
euch spannende, sympathische ExpertInnen vorstellen, mit denen ich
über relevante Ernährungsthemen spreche, um Klarheit reinzubringen,
wissenschaftlich fundiert.
So, wir kommen zum zweiten Monat.
Das Thema dieses Monats ist Zucker.
Ich fange an mit dem Zucker in Bezug
auf Kinderernährung.
Was steckt wirklich drin in Limo, Saft und
Frühstücksflocken?
Zum Einstieg ein paar Zahlen.
Wie viel Zucker enthält ein Glas Apfelsaft?
Und wie viel eine Cola?
Und was enthält mehr?
Ja, wenn ich schon so frage, dann wahrscheinlich
das Glas Apfelsaft.
Aber tatsächlich, wie viel ist da jetzt enthalten?
11 Gramm Zucker mal 2, 22 Gramm.
Und bei Cola ähnlich, aber nicht ganz so
viel.
10,6 geben die an und dementsprechend 21
,2 Gramm.
Genau, also enthält tatsächlich der Saft oft sogar
ein bisschen mehr Zucker als die Cola.
Es ist so, dass in der Praxis jetzt
oft tatsächlich auf den Ernährungsprotokollen schon der Orangensaft
am Wochenende einfach zum Frühstück dabei ist und
der ist quasi ein wiederkehrender Faktor.
Gut, wenn es jetzt, sage ich mal, nur
aufs Wochenende begrenzt ist, aber tatsächlich einfach ja
trotzdem eine ganz schöne Menge an Zucker, die
man da in einem Rutsch quasi dem Körper
zusätzlich gibt.
Und es ist ja so, dass diese 25
Gramm Zucker, die man dann da jetzt ungefähr
zu sich nimmt, oder machen wir es konkret,
sind es sozusagen bei 250 Gramm, wären 27
,5.
Also ja, diese 27,5 Gramm Zucker, die
wir da innerhalb von ein paar Sekunden wegschlürfen
meistens.
Wie viel Zuckerwürfel wären das jetzt eigentlich?
Also 3 Gramm enthält so einen Zuckerwürfel, diese
weißen kleinen Würfel-Zuckerteile.
Ich weiß nicht, kennt ihr die?
Macht man vielleicht in seinem Tee oder besser
auch nicht letztendlich.
Ja, einfach so als Standardmaß.
Und die Teile mal aufgetürmt, das ist natürlich
schon eine Menge.
Wenn man da jetzt neun solcher Würfel einfach
hintereinander weglutscht oder kaut, da braucht man eine
Weile.
Und das würde auch, glaube ich, niemand so
gerne machen.
Also weiß ich jetzt nicht, könnt ihr ja
mal sagen.
Das schafft man nicht so richtig gut und
es schmeckt auch irgendwie nicht so richtig gut
und der Körper ist das auch einfach nicht
richtig gewohnt, sowas.
Also sowas gibt es auch natürlich in der
Natur eher nicht.
Man isst den Apfel so oder die Orange.
Ich will damit sagen, diese Säfte, die sind
einfach, naja, letztendlich dann doch einfach dieses industrielle
Produkt.
Und klar, es ist besser, wenn ich den
frisch gepresst trinke und dann auch Fruchtfleisch da
drin habe, auf jeden Fall.
Und es ist schon auch besser als Cola,
na klar.
Aber es ist eben nicht weniger Zucker und
es ist an der Stelle auch der Fruchtzucker.
Man würde ja sagen, ja, es ist ja
Fruchtzucker.
Man kann nicht so ganz einfach sagen, dass
Fruchtzucker jetzt gesundheitsförderlicher ist als Haushaltszucker.
Insgesamt das Getränk enthält natürlich auch noch Vitamine
und eben diese eventuellen naturtrüben Anteile.
Aber der Fruchtzucker an sich ist gar nicht
mal so gesund.
Wenn wir jetzt zum Beispiel mal an dieses
Glas denken, was wir trinken und wir sind
jetzt sogar vielleicht übergewichtig und wir trinken dieses
Glas Saft aus, dann geht das quasi fast
direkt über in die Fettproduktion.
Das heißt, die Triglyceride steigen an nach Fruktosekonsum.
Und zwar relativ rasch.
Die werden jetzt nicht über Insulin und so
weiter verstoffwechselt, sondern quasi in der Leber metabolisiert.
Und ja, die Fett-Triglyceride-Produktion wird dann
damit angeregt.
Es ist halt am Ende des Tages so,
dass aller nicht verstoffwechselter Zucker im Sinne von
ich habe nicht genug Sport gemacht, um den
jetzt dann auch zu verwenden, wird in Fett
umgewandelt.
Und dass das einfach ein Depot ist, was
letztendlich in diesen schlechten Cholesterinwerten sich dann auch
niederspiegeln würde in den reinen Triglyceriden und in
den LDL-Partikeln.
Genau.
Und jetzt gehen wir da nochmal rein.
Was ist jetzt der Unterschied?
Warum ist ein Apfel besser als der Apfelsaft?
Eben diese Fasern.
Die Ballaststoffe, die da in dem Apfel sind,
sozusagen, oder auch in der Orange, die führen
dazu, dass der Blutzuckerspiegel nicht so stark ansteigt.
Nicht so stark und nicht so schnell ansteigt.
Das muss erst verdaut werden.
Und außerdem, ich weiß nicht, man kann ja
mal so vier Äpfel essen, um jetzt diese
Fruchtzuckermenge rauszuziehen aus so einem großen Glas Apfelsaft.
Das dauert eine Weile.
Mehr als ein Apfel, na gut, hat man
vielleicht irgendwann schon mal gegessen, aber selten.
Dann wird das Ganze erst auch verdaut und
da müssen die Fasern aufgeschlossen werden.
Die bleiben auch teilweise einfach länger im Darm,
bevor der Blutzuckerspiegel überhaupt ansteigt.
Das heißt, letztendlich ist es eine komplett andere
Nummer, esse ich diesen Apfel oder trinke ich
den Apfelsaft.
Und es sind leere Kalorien letztendlich.
Also ich habe ja kein Sättigungsgefühl dadurch, dass
ich jetzt einen Saft getrunken habe, sondern im
Gegenteil vielleicht sogar noch nach einer halben Stunde
später.
Diese Getränke sind einfach viel zu schnell im
System und machen keine Sättigung.
Die kommen einfach oben drauf.
Jetzt dann zu den Kindern.
Es ist einfach natürlich eine Sache, wenn ich
durch diesen Supermarkt gehe und da ist auf
jedem zweiten Getränk dann irgendein Tier oder tolle
Farben.
Das wirkt natürlich auf die Kinder und die
wollen das dann haben, ausprobieren.
Nehmen wir als Jugendliche, da sind es eben
nicht die Kinder, weiß ich nicht, Tiere, sondern
irgendwelche nicen Muster und Formen.
Ja, oder einfach ein starkes Design, was schwarz
cool ist.
Ich weiß nicht.
Letztendlich soll es ansprechen und spricht an.
Und jetzt hat Foodwatch sich das mal angeguckt
als Organisation, die da eben einen Blick auf
die Industrie haben und haben einfach mal alle
Getränke genommen, die im Supermarkt auffindbar waren oder
in den größten Supermärkten und in irgendeiner Weise
an Kinder gerichtet waren durch ihr Äußeres.
Und das waren dann letztendlich 146 Getränke.
Und von diesen 146 hatten, achso, die Studie
ist von oder Marktstudie ist von 2024, von
diesen 146 Getränken hatten, nee, 136 Getränke, sorry,
117 waren überzuckert, enthielten also mehr als fünf
Gramm Zucker pro 100 Milliliter.
Und 57 Prozent der Kindergetränke in Anführungszeichen waren
mit über acht Gramm pro 100 Milliliter sogar
stark überzuckert.
Also wenn man jetzt auch die Grenzen nimmt,
die zum Beispiel so Zuckersteuern gewählt wurden, zum
Beispiel in den UK, also Großbritannien, das heißt,
wie war es im Durchschnitt?
7,8 Gramm Zucker auf 100 Milliliter.
Also ja, auf so ein 250 Milliliter Glas
knappe 20 Gramm Zucker, also über sechs dieser
Zuckerwürfel, 6,5 Zuckerwürfel.
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, BVKJ,
empfiehlt für Kinder und Jugendliche eine maximale Zuckeraufnahme
von 25 Gramm Zucker am Tag.
Und wenn wir jetzt ein durchschnittliches von diesen
Zuckergetränken da nehmen, diesen Kindergetränken, hat ein Kind
dann schon 20 Gramm Zucker zu sich genommen
und fast alles seiner maximalen Tagesmenge an empfohlenem
Zucker zu sich genommen.
Und da ist jetzt noch nicht das Eis
eingerechnet, da ist noch nicht das Frühstück eingerechnet,
der Kakao, der vielleicht mal getrunken wird oder
auch letztendlich einfach ein Essen, wo auch vielleicht
ein bisschen Zucker in irgendeiner Soße drin ist.
Das ist natürlich ein ernüchternder Wert.
Es wird auch getrunken.
Also ich bin neulich mal einfach über einen
Schulhof gelaufen von einer Oberschule, hier in der
Region und da lagen überall diese komischen Trinkpäckchen
rum.
Ich dachte, weiß ja nicht, das ist jetzt
nicht mehr so.
Innen gab es ja früher schon diese komischen
Päckchen, ich weiß nicht, mit Orangensaft oder dann
eben auch diese merkwürdigen Caprison, die gibt es
ja sogar immer noch, aber es waren nicht
Caprison, sondern irgendwelche Durstlöscher.
Ich finde den Namen auch richtig gut, weil
die Teile löschen sicherlich nicht den Durst und
ich habe mal geguckt, wie viel Zucker ist
denn da drin?
Und es sind einfach 11 Gramm Zucker in
diesem einen Durstlöscher gewesen pro 100 Milliliter.
Also einfach nochmal höher als diese Kinderdurchschnittsgetränke und
in so einem Teil, da sind halt 500
Milliliter drin.
Das heißt, wie viel trinkt man da?
Also das sind dann 55 Gramm Zucker.
Also mehr als das Doppelte der maximalen empfohlenen
Zufuhr an Zucker ist dann da drin.
Und ja, dann ist das auch irgendwie so
eine merkwürdige Verpackung mit so einem Strohhalm und
es ist einfach schlecht in allen Belangen.
Ich weiß es nicht.
Also ich werde jetzt hier nicht eine Sache
bashen, aber das Teil ist einfach schlecht.
So genau.
Ja, eine Cola ist jetzt nicht besser.
Da sind dann irgendwie 10,6, also 53
Gramm Zucker ist jetzt auch nicht viel weniger
drin.
Klar, das wird auch noch getrunken.
Es ist einfach eine Menge an Zucker und
die Studie belegt das auch nochmal.
Ist ja klar, worauf das abzielt.
Und deswegen auch nochmal die ganz klare oder
mein ganz klares Bekenntnis zu so einer Zuckersteuer.
Das ist einfach sinnvoll.
Wir wollen diese Zuckermengen nicht in den Getränken
für Kinder haben.
Punkt.
Und das kann ja auch in niemandem das
Interesse sein, außer der Industrie.
Wir sehen bei Kinderärzten, bei diesen Untersuchungen, das
ist, man hat da oft auch mal ein
Kind dabei, wo die Zähne einfach voller Karies
sind und das ist einfach dann traurig, weil
dieses Kind wird Folgen davon tragen und das
wird im, ja da hat auch mal ein
Zahnarzt auf einem Vortrag mal was erzählt.
Ja, naja, das ist ja so wie die
Visitenkarte irgendwie in deinem Berufsleben, wenn du da
einfach eine kariöse Zähne einfach hast.
Das ist doch, das ist doch richtig traurig.
Also da, was da den Kindern angetan wird,
das ist jetzt natürlich, liegt das auch bei
den Eltern.
Aber ich sage immer, man kann jetzt nicht
alles einfach individualisieren und sagen, naja, gut, sind
halt einfach überall nur die Eltern schuld.
Ja, klar, sind die mit schuld, aber es
sollte einfach solche Getränke nicht für Kinder geben.
In dem Sinne, klar, die darf es geben,
aber es ist ja schon mal schön, wenn
die vielleicht weniger Zucker enthalten.
Das ist ja dann die Freiheit der Menschen,
das immer noch zu kaufen, aber eben mit
so einer Steuer, dass ab einem bestimmten Zuckeranteil
eben über fünf gibt, wird eine Steuer fällig
und über acht dann eine höhere.
Ja, man sieht das in Großbritannien, das hat
etwas bewirkt.
Die Karies Fälle gehen laut Studien zurück und
auch die Fälle an Übergewicht bei insbesondere bei
jungen Mädchen, gehen zurück.
Ich finde, das zeigt, dass es hat Wirkung.
Andererseits konnte man auch sehen, ja gut, Coca
Cola hat einfach ihre Cola die Rezeptur behalten.
Ja gut, können sie ja machen.
So, das ist ja auch ihr gutes Recht.
Insofern, ja, zahlen die dann einfach ein bisschen
drauf und das ist ja auch vollkommen okay.
Also ich glaube, die machen jetzt immer noch
Gewinn.
Was sind die genauen Zahlen?
Also nach Einführung enthielten die Süßgetränke im Zeitraum
circa 44 Prozent weniger Zucker nach Einführung.
Der Zuckerkonsum ist dann auch gesunken, also circa
35 Prozent in den Haushalten und in den
niedrig, ja finanziell schwachen Haushalten sogar höher.
Insofern genau das, was wir erreichen wollen.
Aber genau, mal gucken, also ob das jetzt
und wie das jetzt in Deutschland eingeführt wird.
Gut, gehen wir weiter.
Was sind aber auch die Folgen dann gesundheitlich
für die Jugendlichen, die vielleicht schon als Kinder
diese Getränke getrunken haben?
Da sieht man, dass es vor allem bei
Jungs war das jetzt nach der Studie in
Circulation publiziert.
Man konnte sehen, dass die Insulinresistenz, also die
erkläre ich dann vielleicht gleich mal, das Ansprechen
des Körpers auf diese erhöhten Zuckermengen mit der
Insulinausschüttung, die verschlechtert sich, wenn ich über einen
langen Zeitraum gesehen einfach immer sehr hohe Zuckermengen
zu mir nehme.
Diese Zuckerpeaks im Körper ziehen eine hohe Insulinausschüttung
nach sich und diese Insulinausschüttung muss durch die
Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse erfolgen, die dann
auf Fruchttouren arbeiten muss und oder müssen diese
Zellen.
Und wie bei einem, wenn ich jetzt einen
Motor Fruchttouren laufen lasse auf eine lange Zeit,
irgendwann fährt der runter oder man selbst, wenn
man ganz lange eben Fruchttouren arbeitet, irgendwann wird
man einfach müde und diese Zellen erschöpfen auch.
Und auf Dauer passiert es dann, dass diese
Zellen in ihrer Funktion nachlassen, also das ist
das eine.
Was sogar früher noch passiert ist, dass die
andockenden Rezeptoren runter regulieren.
Also die Zellen sagen, hier wollen alle Zuckermoleküle
rein, jetzt kommt hier die ganze Zeit Insulin
und das ist einfach alles zu viel, wir
machen dicht.
Genau, das wird die Experten im nächsten Interview
auch noch mal ganz schön erklären mit einem
anschaulichen Beispiel dazu.
Ja genau, aber diese Insulinresistenz, die dann entsteht,
die ist der Vorbote für ein Diabetes.
Das kann sich dann, wenn man dann an
der Stelle genauso weitermacht, daraus entwickeln oder ist
auch eine, ja letztendlich Vorstufe.
Und diese Vorstufe konnte in Jugendlichen häufiger gesehen
werden, wenn sie im Kindesalter eine erhöhte Menge
an gesüßten Getränken zu sich genommen haben in
dieser Studie.
Und den gleichen Effekt sah man nicht, wenn
ganze Früchte zu sich genommen wurden.
Keine Assoziation von ganzen Früchten zu einer späteren
Insulinresistenz oder sogar auch diesem Langzeitblutzuckerwert, ich weiß
nicht, ob ihr es schon mal gehört habt,
HbA1c, den kann man auch im Blut checken
lassen.
Und je nach Wert sagt er einem, hat
man eine Insulinresistenz schon, also eine gestörte Glucoseverarbeitung
oder einen Diabetes oder ist das alles noch
im Normalbereich.
Das dazu, das heißt es gibt Untersuchungen dazu,
das hat auch eine Auswirkung auf das spätere
Leben, jetzt einfach zurückzuführen auf diese Getränke.
Wenn wir jetzt mal ein ganz spezielles Getränk
uns angucken, da möchte ich einfach nur noch
mal reingehen, weil es einfach so heftig ist,
diese Energydrinks.
Es ist ja noch nicht geregelt, dass die
mit Altersbeschränkungen gekauft werden.
Und das ist mir ein bisschen, wie soll
man sagen, schon ein bisschen beängstigend oder könnt
ihr ja mal überlegen, was ihr dazu sagen
wollt.
Also wenn man jetzt so einen Drink nimmt
oder einen dieser Drinks, Energydrinks, die am meisten
Zucker enthalten, dann enthalten die 15 Gramm Zucker
auf 100 Milliliter.
Das heißt, wenn man jetzt da von so
einer 500 Milliliter Dose trinkt, dann nimmt man
einfach 75 Gramm Zucker zu sich.
Das ist wie so ein Glukosebelastungstest, entweder jetzt
zum Beispiel in der Testung auf Diabetes macht
und 75 Gramm Zucker ist das dann sogar
noch kombiniert mit Koffein.
Und diese Koffeinmenge, die überschreitet mit ein so
einer Dose schon die Tageshöchstmenge, die empfohlene für
Koffein, weil die enthalten eben auch die maximal
erlaubte Höchstmenge oft von 32 Milligramm Koffein auf
100 Milliliter.
Das heißt, man nimmt da über 150, also
160 Milligramm Koffein zu sich.
Und für einen Teenager ist das auf jeden
Fall schon die, überschreitet das schon die erlaubte
Höchstmenge.
Ja, was kann das machen?
Nervosität, man schläft schlechter, man kann da auch
mal Herzrasen von haben oder Bluthochdruck bekommen.
Also das zu den Energydrinks, die nochmal so
eine eigene Kategorie sind.
Ja, muss ich jetzt mal so den Edeka
hier irgendwie, den lokalen loben.
Die haben einfach mal so gesagt, so ja,
ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber bei uns ist
das ab 16.
Und finde ich auch irgendwo fair.
Jetzt stellt man sich vor, man holt mal
sich zwei Dosen von so Teilen und trinkt
die hintereinander oder so.
Also es ist schon ordentlich gefährlich, sollte reguliert
werden, meines Erachtens.
Ja, was kann man jetzt tun als Elternteil?
Wie kommt man da an die Kinder vielleicht
ran?
Wie kann man da was ändern im Trinkverhalten?
Ich sag mal so, es ist kein einfaches
Thema.
Natürlich ist es diese Zucker-Sucht in Anführungszeichen,
die da einfach eine Rolle spielt.
Da irgendwie seinem Kind das, wenn das schon,
das dringend abzugewöhnen ist, ist viel schwieriger, als
es von vornherein nicht zu trinken.
Das heißt, ja, ist irgendwie auch logisch.
Aber ja, wenn man von Anfang an es
schafft, in die Trinkflasche Wasser mitzugeben und es
gibt nichts anderes, dann ist das vielleicht schwierig.
Ich weiß es nicht, wenn andere da irgendwie
das anders machen.
Aber das sollte eigentlich Gang und Gebe sein
in der Kita.
Also in der Kita, wo wir sind, ist
das Standard.
Aber genau, ich weiß jetzt nicht, wie es
woanders ist.
Ich denke, ähnlich.
Klar, wenn man irgendwann mal damit angefangen hat
und das Kind trinkt jetzt Säfte, weil die
gibt es halt, und dann weiß das Kind,
ja, das schmeckt gut, dann ist es natürlich
ein Punkt.
Man kann immer sagen, ja, es gibt Schorlen.
Ich bin da aber echt einfach kein Fan
davon, muss ich sagen.
Ich würde sagen, es gibt das einfach nicht
mehr.
Man kauft das nicht mehr.
Es ist nicht vorhanden im Kühlschrank.
Das Kind sieht es nicht.
Da gibt es vielleicht dann am Anfang Diskussionen
und dann wird da, keine Ahnung, ein Aufstand
gemacht und nicht getrunken, so nach dem Motto.
Es wird das Wasser trinken, wenn das Produkt
kein Wasser trinkt.
Okay, was sind dann andere Punkte?
Man kann auch ungesüßten Tee anbieten.
Vielleicht ist das für manchen ein gangbarer Weg,
dann einfach zu sagen, ja, es gibt jetzt
Früchtetee.
Das wäre eine Option.
Oder, was ich eine schöne Variante fände, man
macht sich da halt ein bisschen Zitronensaft rein.
Also entweder von einer halben Zitrone, wo man
ein bisschen was rauspresst und das macht man
halt mehrmals am Tag immer in kleinen Mengen
dann in sein Wasser rein.
So was wie Minze, was man dazu tun
kann.
Ja, ich hatte das jetzt bei einem Kind
von mir oder einer Jugendlichen.
Die kann so Wasser einfach nicht trinken und
hatte sich das irgendwann mal angewöhnt, dass immer
Geschmack drin ist.
Aber die pflückt sich dann so Minze aus
dem Garten und ja, hat einfach immer so
Wasser mit Minze und ein bisschen Zitrone dann
als Getränk für sich entdeckt und trinkt das
dann den Tag über.
Und das ist meines Erachtens dann eine gute
Variante.
Sollte man jetzt Saft trinken, ist Saft schlecht?
Meines Erachtens ist es so, Saft ist ein
Getränk für einen Anlass, bei einem Geburtstag, meinetwegen
im Restaurant.
Ich würde zwar da auch immer sagen, es
gibt da einen Apfelschorle.
Also wenn ich meiner Tochter sage so, ja,
dann kannst du dir irgendwie eine Apfelschorle aussuchen,
dann ist sie so, ja, Apfelschorle.
Das ist dann schon was Besonderes.
Deswegen würde ich sagen, ja, so eine Schorle
schmeckt ja auch irgendwie mir persönlich sogar auch
leckerer, erfrischender als so ein Saft.
Das wäre so mein Rat und vielleicht kann
man das einfach versuchen.
Und ja, es ist wie bei allem.
Eine Gewohnheitsänderung ist immer erst mal hart und
dann nach ein paar Wochen klappt es dann.
Ja, zum Thema Verbot.
Ich bin immer dafür.
Keine Verbote, es bringt nichts auf Dauer.
Wenn man die Sachen verbietet, dann werden die
Kinder, wenn sie älter sind, die noch dringender
haben wollen und dann kaufen die sich die
beim nächsten Mal, wenn sie irgendwie Taschengeld haben
und da im Laden oder jemand anderes kauft
es für sie oder man hat so einen
krassen Hieper aufgebaut über die Zeit, dass dann
irgendwann diese Sachen total vergöttert werden.
Und nee, ich würde empfehlen, einfach nicht da
zu haben.
Ist nicht verboten, aber es ist einfach nicht
da, so.
Dann kommt man gar nicht erst in die
Versuchung.
Heißt natürlich auch, man ist Vorbild, Selbstvorbild und
trinkt das jetzt auch nicht dann heimlich oder
weiß ja nicht, das Kind findet die Packung
im Müll, ist dann schlecht.
Insofern wäre das die Empfehlung.
Ja, und wenn man den mal da hat,
weil gerade Geburtstag war, dann trinkt man den
leer, so.
Dann ist er leer und dann sagt man
Ja, aber noch vom Geburtstag.
So, dann können wir jetzt ja, das ist
doch schön, können wir jetzt alle nochmal so
Schorlen trinken und dann ist das leer und
dann ist das leer.
So, Geburtstag ist vorbei, versteht auch ein Kind.
So, ja, heute hat jemand Geburtstag.
So, damit würde ich sagen, haben wir das
Thema Getränke, Zuckergetränke erfüllt.
Ja, was ich jetzt noch nicht hatte, war
so Frühstücks Cerealien.
Kann ich ja nochmal kurz ansprechen.
Genau.
Schaut auf die Verpackung und.
Nehmt keine, die.
Letztendlich einen Anteil von Zucker.
Ja, über 20 Gramm ist einfach viel.
Bestenfalls haben die, schafft ihr es, beim Frühstück
sowas wie Haferblocken, Haferflocken zu etablieren, wo man
Früchte rein tut.
Erdbeerzeit ist gerade, dann kann man Erdbeeren da
rein schnibbeln oder im Winter dann der Apfel.
Pfirsich kann man ja auch mal im Sommer
dann machen oder die Birne oder die Pflaumen
im Herbst.
Gibt's ja genug zum Wechseln.
Bestenfalls sowas wie Nüsse oder Nussmus.
Das dann mit, je nachdem, einem Haferdrink.
Finde ich, passt immer zu Haferflocken gut.
Wenn es ein bisschen mehr Protein sein soll,
dann Sojadrink oder eben Joghurt.
Fände ich sogar noch am besten, wenn man
jetzt schon sozusagen Kuhmilchhaltige Produkte rein tut, dann
wäre der stichfeste Joghurt das gesündeste, der dann
sogar noch fermentiert ist und das Mikrobiom dann
auch noch stärkt.
Es gibt Kinder, die mögen einfach gar keine
Haferflocken und diese Porridge oder eben Hafermüslis.
Kann es dann manchmal klappen, dass man sowas
wie so einen Cerealienersatz, der aber dann größtenteils
Vollkorn ist, nimmt.
Also was fällt mir da ein?
Es gibt so ein paar Marken, die darauf
ausgelegt sind, möglichst viel Vollkorn und möglichst wenig
anderes Zeug drin zu haben.
Und die gibt es sogar in so Cerealien
aufgemachten Packungen.
Muss man sich jetzt mal umgucken.
Ich kann hier keine Markenwerbung und möchte das
auch nicht machen.
Es gibt es aber, die letztendlich sogar auch
auf Kinder und Jugendliche abzielen, im ähnlichen Regal
stehen, aber mindestens 75 Prozent Vollkornanteil haben im
Produkt.
Das würde ich dann noch als eine ganz
gute Alternative sehen.
Wir haben unsere Kindheit auch alle überlegt mit,
ihr wisst schon, welche Marken ich meine.
Ja gut, damit würde ich das Ganze hier
mal abschließen und sagen vielen Dank fürs Zuhören.
Die zweite Folge des Monats wird ein Interview
mit einer ganz spannenden, wie ich finde, Expertin.
Die ist nämlich Diabetologin und das ist nur
eine von sechs Bezeichnungen, die ich dann nennen
werde.
Insofern seid gespannt und gebt mir gerne Feedback
für die Folge.
Natürlich freue ich mich auch immer, wenn ihr
Fragen habt für die Expertin Julia im nächsten
Gespräch.
Das heißt, schickt die gerne oder schreibt sie
als Kommentare, schreibt mir E-Mails, wie ihr
wollt.
Sonst noch eine Frage an die Community.
Welche Getränkealternativen akzeptieren deine Kinder wirklich?
Was klappt bei euch im Alltag?
Genau, ich freue mich auf euer Feedback und
sage bis ganz bald.
Wir hören uns.
Euer Till-Yong Zienterra