#4 Was Zucker, Partynächte und Diabetes verbindet - Interview mit Dr. med. Julia Király
Warum die Waage trügt - Prädiabetes verstehen und umkehren
24.06.2026 49 min Dr. med. Till-Yong Zienterra
Zusammenfassung & Show Notes
Du wirkst gesund – Keine Beschwerden, vlt sogar Normalgewicht. Und trotzdem kann sich im Hintergrund gerade etwas entwickeln, das jahrelang unbemerkt bleibt. In dieser Folge spreche ich mit Dr. med. Julia Király, Diabetologin und Ernährungsmedizinerin über Prädiabetes in jedem Alter: was es ist, woran man es erkennt und was es braucht, um es aufzuhalten.
Du wirkst gesund – Keine Beschwerden, vlt sogar Normalgewicht. Und trotzdem kann sich im Hintergrund gerade etwas entwickeln, das jahrelang unbemerkt bleibt. In dieser Folge spreche ich mit Dr. med. Julia Király, Endokrinologin und Diabetologin, über Prädiabetes in jedem Alter: was es ist, woran man es erkennt und was es braucht, um es aufzuhalten.
In dieser Folge:
- Was ist Prädiabetes und was unterscheidet es von Typ-2-Diabetes?
- Warum verläuft es so lange ohne Symptome, und welche Warnsignale Eltern trotzdem kennen sollten
- Wie verbreitet ist Prädiabetes bei Kindern und Jugendlichen wirklich? Die Zahlen sind alarmierend.
- Welche Rolle Ernährung, Bewegung und Schlaf konkret spielen
- Ist Prädiabetes bei Kindern umkehrbar? Was die Forschung sagt.
- Was Eltern heute tun können, ohne ihr Kind unter Druck zu setzen
Frage an die Community: Habt ihr das Thema Prädiabetes im Zusammenhang mit Kindern schon einmal auf dem Schirm gehabt? Oder ist das etwas, das ihr heute zum ersten Mal hört? Ich freu mich auf eure Antworten.
Zu Gast: Dr. med. Julia Király, Allgemeinmedizinerin, Diabetologin (DDG), Ernährungsmedizinerin, Lipidologin, Adiposiologin und Präventionsmedizinerin
Erwähnte Studien:
NHANES-Studie zu Prädiabetes und Typ-2-Diabetes bei Jugendlichen (2026): Ergebnis: 30,8 % hatten Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes. https://doi.org/10.1371/journal.pgph.0005596
Prevention of type 2 diabetes through prediabetes remission without weight loss – PubMed
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41023486/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41023486/
Transkript
Herzlich willkommen zu „Kerngesund
und Beerenstark". dem Podcast
für Ernährungsmedizin. der bei
Ernährungsthemen auch Kinder.
Jugend und Klima im Blick behält.
Ich bin Dr. Till-Yong Zienterra.
Kinderarzt. Ernährungsmediziner
aus Leidenschaft und
veganer Ernährungsberater.
Ich möchte mit euch mein Wissen teilen
und euch spannende. sympathische
Expert*innen vorstellen. mit denen
ich über relevante Ernährungsthemen
spreche. um Klarheit reinzubringen.
Wissenschaftlich fundiert.
Das tun wir heute und das Thema
ist Folge zwei zum Thema Zucker.
Kleiner Einsteiger dazu: Du wirkst gesund.
Keine Beschwerden. vielleicht hast du
sogar Normalgewicht und trotzdem kann sich
im Hintergrund gerade etwas entwickeln.
das jahrelang unbemerkt bleibt.
In dieser Folge spreche ich mit
Dr. Julia Király. Diabetologin
und Ernährungsmedizinerin. über
Prädiabetes in jedem Alter.
Was es ist. woran man es erkennt und
was es braucht. um es aufzuhalten.
Aber ja. hi Julia.
Hi. ich freu mich über die Einladung.
Vielen Dank.
Schön. dass du dabei bist.
Jetzt stell ich dich
natürlich erst mal noch vor.
Du bist auf der Schwäbischen Alb groß
geworden. hast Medizin an der Uni
Tübingen studiert. deine Promotion
im Bereich Neurologie abgeschlossen.
Du bist Fachärztin für Allgemeinmedizin.
Lipidologin. Adiposiologin.
Präventionsmedizinerin. Diabetologin
DDG und Ernährungsmedizinerin.
Das ist dann auch die
Zusatzbezeichnung. wo wir uns in den
Fallseminaren kennengelernt haben.
Und du bist kurz vor dem Ende der
Weiterbildung zur Fachärztin für
Endokrinologie und Diabetologie.
Du arbeitest aktuell in
einer Praxis für eben genau
Endokrinologie und Diabetologie.
Ja hab ich eine Zusatzbezeichnung
vergessen. Julia?
Ich glaube. das passt so weit.
Sehr cool.
Hast du noch einen random Fact für uns?
Ich glaub. was für mich wichtig
ist. ist tatsächlich. sich
gut entspannen zu können.
Ich liebe es. in der Natur zu
sein. egal in welcher Form. ob
vor Ort oder auf Reisen. ob auf
dem Wasser. unter dem Wasser.
Das ist tatsächlich für mich
ein schöner Lebensbestandteil.
Das ist doch sehr schön.
Ich will noch mal sagen. krass
großen Respekt. was du für coole
medizinische Expertise erlangt hast.
Hut ab.
Deswegen find ich's richtig toll.
dass du hier dabei bist. zum Thema
Diabetes was erzählen kannst.
Und dann würde ich doch auch sagen.
starten wir da direkt mal rein.
Was sind denn genau die
unterschiedlichen Diabetes-Typen?
Liebend gerne.
Also ich würde direkt so anfangen. dass es
natürlich sehr viele Diabetes-Typen gibt.
Ich würd mich sehr gerne
auf zwei Typen begrenzen.
Ich würde jetzt einmal ein
Typ-eins-Diabetes und Typ-zwei-Diabetes
mich drauf fokussieren.
Sehr einfach erzählt. Typ-eins-Diabetes
bezeichnet denjenigen Diabetes. bei
dem die Zellen der Bauchspeicheldrüse.
die das Insulin produzieren. die
sogenannten Beta-Zellen. nicht mehr
richtig funktionieren. autoimmun
zerstört werden und dadurch irgendwann
ein absoluter Insulinmangel entsteht.
Das heißt. man muss unweigerlich Insulin
von außen zuführen. weil das sonst
ein lebensgefährlicher Zustand ist.
Mhm.
Dahingegen ist es beim
Typ-2-Diabetes etwas anders.
Der ist einerseits auch stark genetisch
bedingt. tatsächlich anders als der
Typ-1-Diabetes. deutlich ausgeprägter.
Wichtige Faktoren. wie gesagt. ist
das Erbgut und auch die Epigenetik.
Kurz gesagt. die DNA ist ein Kochbuch
und die Epigenetik bestimmt welche
Rezepte tatsächlich gekocht werden
oder auch welche Seiten mit einer
Büroklammer zugehalten werden.
Die sind zum Beispiel beeinflussbar
durch die Ernährung oder Ernährung
der Eltern oder auch gibt es da
schon eine fetale Programmierung.
Also während man schon als Kind im Bauch
der Mutter noch ist. da gibt es auch
relevante Einflüsse oder Umweltfaktoren.
Mhm.
Die sehr wichtig sind und man ist dadurch
auch nicht der Genetik ausgeliefert.
Wobei man auch sagen muss. es
gibt nicht das eine Diabetes-Gen.
Mittlerweile kennen wir bis zu.
ja. schon über 150 Genvarianten.
Und um das zu verdeutlichen: Wenn
zum Beispiel ein Elternteil schon
an Typ-2-Diabetes erkrankt ist. hat
das Kind eine bis zu 50-prozentige
Wahrscheinlichkeit. im Verlauf des
Lebens auch 'n Diabetes zu entwickeln.
was aber natürlich beeinflussbar ist.
Ja. also das ist auf jeden Fall
mehr. als ich gedacht hätte.
Wie unterscheidet sich jetzt noch
beim Typ-2-Diabetes der Prädiabetes?
Also was ist der Unterschied zwischen
'nem Prädiabetes und Typ-2-Diabetes?
Fangen wir mal mit den Gemeinsamkeiten an.
Beide haben gemeinsam. dass sie erhöhte
Blutzuckerwerte haben. aber natürlich
in unterschiedlicher Ausprägung.
Und ich würde auch eher sagen.
dass es ein Kontinuum ist.
Werden wir gleich weiter sehen.
Es gibt drei Messparameter.
die man kennen sollte.
Es ist einmal der Nüchternblutzucker.
wenn der zwischen 100 und 125
Milligramm pro Deziliter liegt oder der
Langzeitzucker. der sogenannte HbA1c-Wert
zwischen 5.7 bis 6.4 % liegt oder der
Zuckerbelastungstest. da trinkt man
'ne Zuckerlösung mit 75 Gramm Zucker.
Wenn der Zwei-Stunden-Wert im Blut dann
bei 140 bis 199 Milligramm pro Deziliter
liegt. spricht man von einem Prädiabetes.
Wenn die Zuckerwerte darunter
liegen. ist es ein Normalzustand.
Wenn es darüber liegt. spricht man von
einem manifesten Diabetes mellitus.
Okay. das heißt. wann würdest
du jetzt in der Praxis bei dir
überhaupt den Nüchternblutzucker. den
Langzeitblutzucker und wann würdest
du denn den Zwei-Stunden-Test machen?
Ich würd's tatsächlich erst mal davon
abhängig machen. wer sitzt denn vor mir?
Dann natürlich 'ne ausführliche
Vorgeschichte des Patienten
erheben oder Beschwerden.
Natürlich. wenn man erstgradige Verwandte
mit Typ-2-Diabetes hat. wenn man selber
schon Herz-Kreislauf-Erkrankungen
hat. ein Bluthochdruck vorliegt.
auffällige Blutfettwerte vorliegen.
Bei jüngeren Frauen tatsächlich
sollte man hellhörig werden. wenn
sogenanntes polyzystisches Ovar-Syndrom
vorliegt. das mittlerweile auch
richtigerweise polyendokrines
metabolisches Ovarial-Syndrom heißt.
Das. was man sonst als PCOS schon
mal gehört hat vielleicht. ne?
Genau. genau.
Oder bei Frauen mit
Schwangerschaftsdiabetes oder
auch bei Frauen in der Menopause
sollte man etwas genauer hinschauen
durch den Östrogenmangel.
Okay. spannend.
Ja. was sind denn Risikofaktoren generell
für Menschen. ein Typ-2-Diabetes oder die
Vorstufe. den Prädiabetes zu bekommen?
Natürlich angefangen am Lebensstil.
körperliche Bewegung auch
Übergewicht. was wir dann später so
'n bisschen differenzieren werden.
Da ist natürlich auch für den
Praxisalltagen 'n wichtiger Marker
n-nicht nur der BMI. der so 'n
bisschen das Gewicht und die Größe
ins Verhältnis setzt. sondern auch
wie ist denn die Fettverteilung?
Bisher hat man so 'n bisschen den
Taillenumfang ins Auge genommen.
Besser ist tatsächlich
die Waist-to-Height-Ratio.
Da hat man besseres Auge auf. wie ist
denn die Fettverteilung im Körperbereich?
Wo lagert sich das alles an?
Ja richtig spannend.
Waist to Height einfach noch mal übersetzt
würde ja bedeuten Taille zu Gesamtgröße.
Ah ja. genau.
Taille zu Gesamtgröße.
Okay. wie würdest du das
jetzt in der Praxis noch mal
genau messen mit der Taille?
Mhm.
Optimal wäre das im
nüchternen Zustand im Stehen.
Das Maßband setzt man an unter dem
untersten Rippenbogen und dem oberen
Beckenkamm in der Mitte dazwischen.
Meistens ist auf der Höhe vom
Bauchnabel einfach entspannt ausatmen
und dann kann man einmal messen und
das gibt so 'n bisschen Aufschluss
darüber. ob's vielleicht in Richtung
ungünstiger Fettverteilung geht.
Optimal wäre es. wenn der
Taillenumfang weniger als die
Hälfte der Körpergröße beträgt.
Okay.
Wie viele Menschen leiden denn am
Diabetes mellitus Typ zwei. also dem
Typ-2-Diabetes und wie viele an der
Vorstufe dem Prädiabetes in Deutschland?
Mhm.
Das ist tatsächlich gar nicht selten.
Wenn man sich das so vor Augen
führt. ist es jeder Fünfte in
Deutschland hat einen Prädiabetes.
Man geht aber von 'ner höheren
Dunkelziffer aus. da es meist
in der. dieser Frühphase keine
relevanten Symptome gibt.
Insbesondere nimmt es aber
auch mit dem Alter zu.
Also wenn man über Personen spricht.
die über 65 Jahre alt sind. geht
man fast schon von jedem zweiten
bis jedem dritten aus. der an
einem Prädiabetes erkrankt ist.
Männer sind tatsächlich
etwas häufiger betroffen.
Man sieht da eher auch den
Zusammenhang. dass sie eher von
diesem ungünstigen Bauchfett mehr
anlagern. von dem viszeralen Bauchfett.
Und 'n manifester Diabetes Typ zwei
haben ähnlich viele Menschen. sind
auch so 20. 25 % der Bevölkerung sind
dann um die acht bis zehn Millionen
Menschen auch mit 'ner Dunkelziffer hier.
Es verdeutlicht aber. vor allem in den
nächsten Jahren Neuerkrankungen möglichst
zu vermeiden und bei dem Prädiabetes
rechtzeitig entgegensteuern zu können.
Voll.
Ich hab auch in der Vorbereitung
noch mal geschaut. wie sieht
das bei den Jugendlichen aus?
Und da hab ich 'ne aktuelle Erhebung der
amerikanischen CDC. Center for Disease
Control and Prevention gefunden von 2026.
Dort wurde gesagt. dass in dem Jahr 2023
8.4 Millionen zwischen 12 und 17 Jahren
'nen Prädiabetes haben. was 32.7 % waren.
Und das ist einfach
jeder dritte Jugendliche.
Das fand ich schon einfach heftig.
Klar. sind Daten für Amerika.
Man würde hoffen. dass es in
Deutschland 'n bisschen besser ist.
Tatsächlich konnt ich's fürs RKI
jetzt nur bei Diabetes und nicht für
die Vorstufe Prädiabetes nachschauen.
Deswegen kann ich's da
nicht ganz genau sagen.
Kann ich noch mal nach recherchieren.
Letztendlich zeigt's aber. das geht
teilweise früh los oder wie siehst du das?
Absolut.
Umso tragischer ist es fast schon. dass
es keine gute Prävention aktuell in
Deutschland dazu gibt und da in Europa
ist Deutschland da eher im unteren
Bereich angesiedelt. obwohl es bei den
Prädiabetes- und Diabeteserkrankungen
relativ weit oben steht.
Mhm.
Ein großer Anreiz ist da.
Ja.
Und vielleicht noch ein Fact zu
dieser Studie. weil wir gerade
diese Waist-to-Height-Ratio hatten.
In dieser Studie wird genau das
unterstrichen. dass die Risikoerhöhung
durch einen erhöhten Waist-to-Height-Ratio
24-mal aussagekräftiger war als so was
wie. was auch 'ne Erhöhung dargestellt
hat der tägliche Zuckerkonsum.
Aber das ist schon. ja. also dass es
ein krasser Risikoparameter ist und
dass der so heftig ist. ist natürlich
vielleicht noch mal 'n Punkt zu sagen:
„Okay. ja. nehm ich jetzt auch häufiger
auf.“ Ja. scheint einfach auch nach den
Studien sehr. sehr relevant zu sein.
Aber das ist ein absolut wichtiger
Fact. weil das deutet einfach drauf
hin oder schlägt in dieselbe Kerbe.
Es geht nicht nur um den
Zucker. den man zu sich nimmt.
Es ist. es hat so viele Faktoren:
Wie viel bewege ich mich?
Was esse ich denn noch?
Sind da viele Transfette dabei?
Wie ist denn meine genetische Veranlagung?
Wo lagere ich das Fett an?
Kann ich das vielleicht umverteilen?
Also es ist ein Faktor. der Zucker. aber
es gibt noch ganz. ganz viele andere.
Total.
Vielleicht können wir ja jetzt noch
mal sagen. warum ist es wichtig.
den Prädiabetes früh zu entdecken?
Weil's in dieser Frühphase schon
auch bereits zu diesem Zeitpunkt
Folgeschäden entstehen können an Gefäßen.
Es gibt ein erhöhtes Risiko für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen. zum
Beispiel für Herzinfarkte. Schlaganfälle.
Nieren- oder Nervenschäden.
Und die gute Nachricht: Genau in
dem Stadium ist die Stoffwechsellage
noch am besten umkehrbar.
Wenn man tatsächlich sagt: „Gut. ich hab
'n Prädiabetes. das ist jetzt halt da
und man kontrolliert jetzt und schaut
halt weiter. man verändert aber nichts“.
dann besteht ein Lebenszeitrisiko.
einen tatsächlichen. also manifesten
Typ-2-Diabetes zu entwickeln von. ja.
um die 70 % und pro Jahr gesehen sind
es ungefähr. dass fünf bis 10 % der
Betroffene dann Typ-2-Diabetes entwickeln
können und insbesondere ist dann
das Risiko erhöht. wenn entweder der
Nüchternzucker oder der HbA1c entsprechend
erhöht ist und bereits schon eine
deutliche Insulinresistenz besteht.
Ja. voll.
Also krass hohe Werte.
Zwei Sachen. vielleicht kannst
du's noch mal ganz kurz sagen.
HbA1c was ist das noch mal genau?
Also das ist der
sogenannte Langzeitzucker.
Ich kann es so 'n bisschen
vereinfacht erklären.
Wenn man längere Zeit höhere Zuckerwerte
hat. dann bildet sich an 'nem bestimmten
Protein im Körper. dem sogenannten
HbA0. so eine. ja. so'n Zuckerschwanz.
Das ist dann glykiert.
Das ist dann eben der HbA1c-Anteil am
Gesamthämoglobin. dem Blutfarbstoff.
Mh. wie gesagt. ganz einfach: Man hat hohe
Zuckerwerte. es kommen Zuckerschwänzchen
an das rote Blutkörperchen und
diese roten Blutkörperchen mausen
sich alle zwei bis drei Monate.
Das heißt. es zeigt mir einfach
die Stoffwechsellage der
letzten zwei bis drei Monate an.
Das heißt. der HbA1c ist nicht dann
erhöht. wenn ich gestern einen Kuchen
gegessen hab. sondern weil es die
letzten zwei bis drei Monate eher im
oberen Bereich war. die Blutzuckerwerte.
Genau.
Ja. das war die eine Frage und die
zweite wäre. so wie ich's jetzt auch
rausgehört hab: Würdest du sagen.
der Prädiabetes ist umkehrbar?
Also jetzt angenommen. ein Jugendlicher
kommt in meine Praxis und die
Eltern sind natürlich sehr besorgt.
Ah. jetzt wurde hier der
Prädiabetes diagnostiziert.
Was können wir denn sagen?
Mhm.
Ja. tatsächlich. das ist der springende
Punkt. dass man eben. wenn man so 'ne
Stoffwechsellage hat im prädiabetischen
Bereich. dass es eben der Zeitpunkt
ist. was zu tun und zu handeln. damit
man eben diesen Punkt umkehren kann.
Also ja. die Antwort drauf: Es ist
möglich. diesen Punkt umzukehren und das
ist auch das Ziel in dem. in dem Zeitraum.
Ja. voll.
Und das ist ja auch 'ne
hoffnungsvolle Antwort.
Das ist ja immer schön.
wenn man noch was tun kann.
Was passiert da jetzt genau im Körper
bei dieser Vorstufe. dem Prädiabetes?
Was. was läuft da ab?
Du hattest da so ein schönes Bild
mitgegeben oder eine schöne Geschichte.
Ja. der Haupttreiber beim Prädiabetes
ist tatsächlich die Insulinresistenz.
Wenn man natürlich diese Insulinresistenz
immer weiterarbeiten lässt. dann
kommt es auch irgendwann dazu dass der
Körper sehr viel Insulin ausschüttet
aus der Bauchspeicheldrüse und
dann irgendwann die Zellen in der
Bauchspeicheldrüse auch sagen: „Hui.
jetzt haben wir sehr lange sehr viel
produziert. wir können nicht mehr.“
Und dann nennt es sich
eine Betazelldysfunktion.
Also die Betazellen. die eigentlich
das Insulin produzieren geben dann
den Löffel ab und sagen. „So und
jetzt nicht weiter.“ Vielleicht müssen
wir das noch mal kurz erklären: Wann
wird denn Insulin ausgeschüttet?
Mhm.
Also wir nehmen ja Makronährstoffe
durch unsere Nahrung auf.
Das sind einmal Kohlenhydrate.
Proteine und Fette.
Die größte Energie schließen wir aus
Kohlenhydraten auf und da wird auch so
das Gro an Insulin ausgeschüttet. wenn
die Kohlenhydrate im Magen-Darm-Bereich
zu kleinen Zuckerbausteinen
abgebaut werden. der Glukose.
Und da können wir gerne
anfangen. bildlich zu sprechen.
Ich vergleiche es sehr gerne
immer mit 'nem Nachtclub.
Unsere Körperzellen sind wie Millionen
kleine Nachtclubs und damit in den
Nachtclub eine Party steigen kann.
müssen die Gäste. in dem Fall die
Zuckermoleküle auch alle in den
Club. also die Zelle reinkommen.
Dazu muss man reingelassen werden.
Damit Stimmung aufkommt braucht
der Club die Energie. die Gäste.
Die Gäste stehen nun Schlange vor der Tür.
Der Türsteher nimmt nun den
Generalschlüssel. das Insulin.
das durch die Bauchspeicheldrüse
produziert wird und öffnet die Tür.
Also das ist einfach.
Das Insulin dockt an. an den Rezeptor der
Zelle an und es werden Kanäle eingebaut
und der Zucker kann in die Zelle rein.
Die Gäste können also rein.
Draußen leert sich die Schlange
und die Gäste können feiern gehen.
Jeder ist glücklich. so weit. so gut.
Ein perfektes System für
die Zucker-Zuckerregulation.
Der Beginn der Insulinresistenz
ist die Dauerparty.
Es wird seit Monaten bis
Jahre ununterbrochen gefeiert.
Das heißt. es gibt ständigen
Nachschub über zuckerhaltiges Essen
oder Getränke und wenig Bewegung.
Das heißt. ununterbrochen sind
Menschenmassen vor der Tür.
Damit das Ganze schneller geht. hat der
Körper natürlich einen tollen Mechanismus.
Es werden immer mehr Schlüssel. das
Insulin produziert. damit auch mehr Türen
geöffnet werden können. dass das Ganze ein
bisschen schneller über die Bühne geht.
Die Konsequenz ist. dass die Zellen
irgendwann brechend voll sind.
Was macht der Türsteher?
Er sagt: „Du kommst hier nicht
mehr rein." Die Zelle schützt
sich vor diesem oxidativen Stress.
Also quasi Analogie Berghain in Berlin.
Die Schlange ist immer groß. alle feiern
die ganze Nacht durch und der Türsteher
ist einfach die härteste Tür Berlins.
Exakt.
Er verbarrikadiert dann die Tür. weil
natürlich der Andrang sehr groß ist.
Und wenn man natürlich sehr häufig
die Schlüssel benutzt werden auch
die Türschlösser alt und verkleben.
Das ist die Analogie dafür.
Rezeptoren werden weniger an die
Zelloberfläche präsentiert und
die Signalwege werden blockiert.
Was passiert denn da bei
der Insulinresistenz genau?
Die Schlüssel passen dann auch
nicht mehr richtig oder die
Signalübertragung hinter dem Schloss
funktioniert nicht mehr richtig.
Es entsteht Stau draußen. die
Gäste sind unmutig. es bricht Chaos
aus und die Gäste randalieren.
Also das heißt. der hohe Zuckerspiegel
verursacht dann auch Folgeerkrankungen.
Zucker ist dort. wo er nicht
so lange bleiben sollte.
Okay. also die Zuckermoleküle sind
draußen im im Blutstrom Und die kommen
jetzt alle nicht in die Zellen rein
und der Blutzuckerspiegel ist. ja. ist
einfach zu hoch. also höher als normal.
Mehr Menschen auf 'nem Haufen.
mehr Zucker auf 'nem Haufen.
Und das macht auch Probleme.
die wir bemerken. oder?
Genau.
Also angefangen bei dem. dass die das
Endothel. also die Innenauskleidung
der Gefäße angegriffen wird und
überall. wo Gefäße sind. können
auch Folgeerkrankungen entstehen.
Aber der Körper hat da
natürlich 'n tollen Mechanismus.
Wie gesagt. es kann zeitweise mehr
Schlüssel produzieren. also mehr Insulin.
Und dadurch kann es so 'n bisschen
die etwas taub gewordenen Zellen
dazu veranlassen. den Blutzucker
für eine bestimmte Zeit noch in 'nem
relativ okayen Bereich zu halten.
Und das behebt das Problem aber
leider nur zeitweise. weil die Zellen
reagieren weniger auf das Insulin.
Dafür braucht der Körper
immer mehr Insulin und das ist
eben die Überproduktion von
Insulin. die Hyperinsulinämie.
Das heißt das geht dann irgendwann
Hand in Hand miteinander.
Das heißt. man müsste eigentlich
was Untern-unangenehmes tun.
versuchen. die Party zu beenden.
Entweder indem man Energie verbraucht. zum
Beispiel durch Bewegung oder den Zustrom
stoppt. weniger Zucker oder einfache
Kohlenhydrate so zu sich zu nehmen und so
'n bisschen den Kreislauf zu unterbinden.
Okay. ich find das mega das Bild.
Jetzt haben wir quasi diese
Schlüssel-Schlüsselhersteller und
das sind die Beta-Zellen. richtig?
Die das Insulin produzieren und die
werden ganz schön gestresst. wenn
denen jetzt gesagt wird: „Jetzt
produzier mal hier 100 Schlüssel in
einer Stunde". oder so nach dem Motto.
Genau.
Und wenn zum Beispiel das dann
irgendwann dazu führt. dass diese
Zellen untergehen. so zwischen 40 bis
60 % . ist jetzt auch nur 'ne Pi mal
Daumen Angabe. dass dann irgendwann es
auch zu 'nem Typ-2-Diabetes übertritt.
Okay. verstanden.
Das heißt. das. was alle
kennen. ist ja der Verlauf.
Es gibt jetzt Menschen. die haben ganz
lange schon extremes Übergewicht und die
Eltern haben auch vielleicht Diabetes
und dann kriegt die Person irgendwann im
Leben jetzt auch den Diabetes Typ zwei.
Aber es gibt ja auch einen Zustand.
der. der sich TOFI nennt. richtig?
Kannst du das noch mal erklären?
Ja. das ist ein Zustand bei dem
man von außen gar nicht so wirklich
erwartet. dass die Person 'ne
Störung im Zuckerstoffwechsel hat.
Also das TOFI. finde ich so ein bisschen
unglücklich gewählt. die Zeichnung.
Thin outside. fat inside. also dass
man von außen her schlank aussieht.
aber von innen eine ungünstige
Verfettung oder Fettverteilung hat.
Mhm.
Das kann man durch unterschiedliche
Mechanismen erklären.
Es kommt natürlich auch drauf
an. wie man sich ernährt.
Man kann trotzdem sich noch so ernähren.
dass es kalorisch passt. aber dass es
eher 'ne ungesunde Ernährung ist. also zum
Beispiel viele Transfette zu sich nimmt
wenn vieles frittiert ist oder gehärtetes
Fett man zu sich nimmt. das typische Fast
Food. Convenience Food. hm. zu sich nimmt.
Aber natürlich auch dann. wenn man schon
'ne genetische Veranlagung dafür hat. eher
Bauchfett. das ungünstig ist aufzubauen.
Also es gibt ja unterschiedliche
Arten von Fettgewebe.
Es gibt einmal dieses Unterhautfettgewebe.
das ist eher das günstige Fett.
das nicht stoffwechselaktiv ist.
Mhm.
Würde das bedeuten. das Fett. was
sich so im ganzen Körper verteilt
eher und das eine. was sich so
um die Organe rum konzentriert?
Kann man das so sagen.
dieses viszerale Fett?
Ja. also die grobe
Unterscheidung. die ist ganz gut.
So wie du's sagst. es kommt darauf an.
wo das Fettgewebe gespeichert wird.
Das Unterhautfettgewebe macht so circa
achtzig Prozent des Körperfetts aus.
Es schützt auch die restlichen Organe
davor. mit Fett überschwemmt zu werden.
Es ist eher mal optisch vielleicht
ungeliebt. aber stoffwechseltechnisch
der harmloseste Ort.
Mhm.
Es gibt aber dieses sogenannte
Overflow-Konzept und es ist
auch so ein bisschen genetisch
gesteuert. wann es denn überfließt.
Grad diese eher schlanken Personen können
zum Beispiel auch 'ne geringe Kapazität
haben bei ihrem Unterhautfettgewebe und
dann wird es schnell woanders angebaut.
Es gibt einmal das viszerale
Fett und das ektope Fett.
Das viszerale Fett. das wird vor allem
in der freien Bauchhöhle angelegt. das
sich um die inneren Organe befindet.
Ja. das ist sozusagen auch hier wieder
bildlich gesprochen. das Hauptlager
Wenn das genetisch bedingt voll ist.
wird es in 'n provisorisches Lager
mitten in der Innenstadt gespeichert.
Das hat wiederum im Vergleich zu
dem Unterhautfettgewebe 'ne hohe
Stoffwechselaktivität und das gibt auch
viele Entzündungsstoffe ab. dass man's mal
gehört hat. Zytokine und das Adiponectin.
das eigentlich eher schützend ist.
das ist eher jetzt weniger vorhanden.
Mhm.
Und es gibt auch mehr an freien Fettsäuren
und die fließen direkt durch die Leber.
Und weil dieses Lager 'ne direkte
Einbahnstraße zur Leber hat. gehen
auch diese ungünstige Stoffe direkt
und rund um die Uhr durch die Leber.
Und das macht die Zellen dort massiv
insulinresistent und hat dann eben
auch 'n paar andere negative Folgen.
dass die Leber auch selber etwas mehr
Zucker produziert und es verändert
auch die Blutfette dementsprechend.
dass sich eher mal Veränderungen
im Bereich der Gefäße zeigen.
Okay. das. das. was so die
Arteriosklerose genannt wird.
Ja. exakt.
Und das heißt. in den Gefäßen
lagert sich am Ende auch
letztendlich Fett ungünstigerweise
ab. wenn's zu viel da ist.
Was man nicht vergessen kann oder
sollte. ist auch das ektope Fettgewebe.
Das ist noch mal eine andere Art.
Also da wird das Fett nicht
in den Fettzellen gespeichert.
sondern ganz perfiderweise
direkt in den Zellen von Organen.
Also die ist eigentlich gar
nicht dafür gedacht und das ist
vollkommen fehlplatziert und das
kann zum Beispiel in der Leber
passieren. im Skelettmuskel. in der
Bauchspeicheldrüse. Herzmuskel. Gefäße.
Und das ist eigentlich weder das
Hauptlager noch ein provisorisches Lager.
sondern es ist so 'ne illegale Müllkippe.
Da gehört's eigentlich nicht hin.
Und diese Fettpakete blockieren den
Einstrom vom Zucker. verändern die
Rezeptoren. Zucker kann nicht rein.
Wenn es sich zum Beispiel in der
Bauchspeicheldrüse ablagert. dann
kann es auch verhindern. dass diese
Zellen Insulin produzieren können.
Also die lokale. die örtliche
Organfunktion wird dadurch auch kaputt
gemacht. unmöglich gemacht und es kann
auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern.
Okay. also letztendlich kann man dann
sagen. das ist der Kaugummi. der in die
Schlösser des Nachtclubs zusätzlich noch
geklebt wird. diese freien Fettsäuren und
dieses überschüssige Fett und vielleicht
sogar auch Transfettsäuren. die durch
frittierte Nahrungsmittel entstehen. oder?
Absolut.
Absolut.
Okay. gut.
Nee. dann haben wir das doch
jetzt ganz gut beleuchtet.
Wie würdest du's sagen?
Heißt das jetzt. ich kann nur von
dem Prädiabetes zurückkommen in
die Remission. also in den Zustand
davor. in den Normalzustand. wenn
ich es schaffe. auch wieder in den
Normalgewichtsbereich zu kommen?
Also schädlich ist es nicht.
Es gab aber sehr lange Zeit das
Paradigma. dass es eigentlich
nur dadurch möglich ist. dass man
ungefähr mit 'nem Gewichtsverlust
von sieben bis zehn Prozent das
als zentrales Ziel bezeichnet hat.
Aber das ist tatsächlich nicht mehr so
das alleinige Ziel. denn es gab eine
und ich bin sehr stolz. dass ich das
jetzt vortragen darf als Alumni der
Uniklinik Tübingen. die maßgeblich
an der Studie beteiligt waren.
Und zwar gab's da 'ne Post-hoc-Analyse.
Das war 'ne multizentrische Studie. die
Prediabetes Lifestyle Intervention Studie.
Die PLIS-Daten haben tatsächlich da 'n
Paradigmenwechsel abgezeichnet. dass
ganz lapidar gesagt. egal ob man auf der
Waage das Gleiche wiegt. man kann auch
alleine mit dem Erreichen von normalen
Blutzuckerwerten eine Remission erreichen.
Das ist ja schon mal wirklich was
anderes. als man früher gelernt hat.
Absolut.
Das heißt. wir müssen den Fokus von der
bloßen Zahl auf der Waage weghin zum
Ziel. normalisier die Blutzuckerwerte.
Das ist das entscheidende
Kriterium für die Risikoreduktion.
Diese Remission ohne Gewichtsverlust
hat auch das Risiko. einen Diabetes in
den folgenden zehn Jahren zu entwickeln.
um einundsiebzig Prozent reduziert.
Okay. das ist echt viel. ja.
Das ist ein Schutz so ähnlich
wie bei Menschen. die relevant
an Gewicht abgenommen haben.
Das heißt. wenn man normale
Blutzuckerwerte auch noch 'ne
Gewichtsreduktion erreicht. ist diese
Risikoreduktion nur unwesentlich
größer bei 73 %. Und natürlich ist
die Frage. woran liegt das denn?
Das war super interessant.
Man hat in MRT-Analysen gesehen.
dass warum manche Menschen
trotz gleichbleibendem Gewicht
metabolisch gesund worden sind. also
stoffwechseltechnisch gesund wor.
geworden sind und warum andere nicht.
Man hat unterteilt einmal in
Responder und Non-Responder.
Responder waren die. die kein
Prädiabetes mehr hatten. also 'ne
Remission ohne Gewichtsverlust.
Die haben das Fett vorwiegend in
diesem Unterhautfettgewebe gespeichert.
dem subkutanen Fettgewebe und
die Non-Responder. die eben keine
Remission er-erreicht haben. haben
das Fett primär als viszerales
Fettgewebe. was eben hochgradig
stoffwechselaktiv ist. gelagert.
Das heißt. wir brauchen 'n Fettshift
vom. vom viszeralen Fett weg.
Mhm.
Okay. und das ist dann teilweise
auch 'ne genetische Komponente.
Ist auch mit dabei.
Aber was viel wichtiger ist
dass man eben sieht. dass man
von dem BMI wegkommen sollte.
Das heißt. nicht das normale
Unterhautfettgewebe ist das Problem.
sondern vielmehr das andere.
also das viszerale Ektopfett.
was die Körperzusammensetzung
viel. viel wichtiger macht.
Okay. die Frage ist dann ja. kann
man das beeinflussen. welche Art von
Fett man anbaut und welche man und.
und wie man die schlechten Arten
fokussiert spezifisch wegbekommt?
Geht das?
Ja. also das sind natürlich
auch Lebensstiloptimierungen.
die man da durchführen sollte.
Es geht natürlich einmal um körperliche
Bewegung. dann geht es auch um die
kluge Auswahl von Mahlzeiten oder
der Ernährung und auch so 'n bisschen
um chronischen Stress zu vermeiden.
Mhm.
Das heißt. bei der körperlichen
Bewegung könnte man drauf achten.
ja. es ist schon gut. wenn man sich
bewegt. aber 'n Ausdauertraining im
Wohlfühltempo reicht meistens nicht aus.
Sehr gut ist zum Beispiel hochintensives
Intervalltraining. das HIIT.
Über 10 bis 30 Minuten. zum Beispiel
kurze Sequenzen mit 20 Sekunden mit
All-Out-Training. bis man nicht mehr kann.
Starke Belastungsphasen. gefolgt
von kurzen Erholungsphasen.
circa zehn Sekunden.
Und durch diese hohe Intensität schüttet
der Körper vermehrt Adrenalin aus oder
Noradrenalin. welche genau auch auf
das viszerale Fett reagieren können.
Die haben bestimmte Rezeptoren. die
genau auf diese Hormone reagieren und die
Fettverbrennung im Bauchraum anwerfen.
Ach spannend. okay.
Das heißt. das. hm. was man vielleicht
schon mal gehört hat. so dieses:
„Ja. wenn du Fett abbauen willst.
dann musst du halt ganz lange joggen.
Ab so und so viel Minuten. 20. 30.
setzt dann ja die Fettverbrennung ein.
Also musst du halt. keine Ahnung.
anderthalb Stunden joggen gehen
und und dann kannst du die
Fettverbrennung einsetzen.“
Aber das ist. ja. nach dem. was du
sagst. ist das ja quasi widerlegt.
Zumindest zeiteffektiver.
Ja. ja voll.
Das ist für uns alle. glaub ich. gut.
Das heißt würdest du HIIT als einziges
und als beste Intervention sehen?
Mhm.
Ich denke. da muss man auch tatsächlich
so denken. es gibt verschiedene
Wege. da Verbesserung herbeizuführen.
Gibt nicht immer die
ein-- den heiligen Gral.
So progressives Krafttraining. also
dass man neue Trainingsreize setzt auch
mit höherer Belastung. also normales
Krafttraining. wo man dann mit der Zeit
das Gewicht steigert oder die Wiederholung
steigert oder das Volumen erhöht. indem
man 'nen neuen Satz dranhängt oder die
Übung langsamer ausführt. zum Beispiel.
Dadurch hat man mehr time under tension
und ein kontrollierteres Ausführen.
Die Muskelmasse verbessert die
Insulinsensitivität der Zelle.
Das heißt. sie reagiert viel besser
auf das Insulin und je besser sie
darauf reagieren. desto weniger muss
auch die Bauchspeicheldrüse an Insulin
ausschütten und niedriger Insulinspiegel
ist wiederum die Grundvoraussetzung.
dass der Körper überhaupt an die
tiefen Fettdepots herankommt.
Und was das Tolle ist. Muskelaktivität.
Muskelkontraktionen steigern bestimmte
Kanäle oder Anzahl der Kanäle an der
Zelloberfläche. diese GLUT4-Transporter.
damit der Zucker in die Zelle kommt und
der Insulinspiegel sinkt und auch wieder
diese Fettdepots abgebaut werden können.
Ja. mega.
Also das heißt. da ist der Sport
wirklich sehr hilfreich an der Stelle.
Mhm.
Was würdest du sagen. was hat mehr
Einfluss: Lebensstil oder Medikamente?
Ich bin direkt auf der Seite
von der Lebensstilveränderung.
Es gibt auch Studien.
Also zumindest beim Prädiabetes.
Es gibt Studien. dass eine
Lebensstilintervention 'n deutlich
höheren Effekt verzeichnet in
der Entwicklung eines manifesten
Typ-2-Diabetes als Medikamente allein.
Und vielleicht hilft dann die Kombination
mit der Lebensstilintervention.
Aber das sind immer die Grundsäulen.
auf die man das aufbauen sollte.
Übrigens beim Prädiabetes in Deutschland
ist es aktuell noch Off-Label.
also außerhalb der. der Zulassung.
das bei Prädiabetes anzuwenden.
Man kann das aber unter bestimmten
Bedingungen natürlich machen als
individuellen Therapieversuch. was
nicht immer nicht sinnvoll ist.
Okay.
Und ja. kommen wir doch zu ja.
meinem Lieblingsthema der Ernährung.
Wie siehst du die Ernährung jetzt
in dem Kontext der Risikoreduktion?
Ist auch ein sehr. sehr großes Feld.
Es gibt natürlich da auch Leitlinien
zur Prävention von Typ-2-Diabetes. die
auch relativ frisch aktualisiert wurden.
Die Praxisempfehlung der DDG empfiehlt
da zum Beispiel die Planetary Health
Diet. die nicht nur auf pflanzenbasierte
Ernährung fußt. sondern auch noch
die Nachhaltigkeit im Blick hat.
Also da kurz angerissen. natürlich
sollte man ballaststoffreich sich
ernähren. Hülsenfrüchte. Vollkorn.
Also allein schon 110 Gramm
gekochte Linsen können nach 'ner
Mahlzeit die. den Zuckerpeak um
20 %. also um 'n Fünftel senken.
Nüsse sind von Vorteil. proteinreiche
Ernährung und ganz wichtig:
Getränke nicht zuckergesüßt.
Total.
Lieber Wasser. ungesüßten Tee.
Sehr gut. da setzen wir quasi grade bei
der letzten Folge an oder wer sie noch
nicht gehört hat. hört noch mal rein.
Ja. das ist 'n superinteressantes Thema
und wenn ihr das jetzt schon spannend
fandet. dann bleibt dran. weil natürlich
die Planetary Health Diet einer meiner
Lieblingsthemenkomplexe dann ist.
Das werd ich auch in den nächsten
Monaten als noch mal einen
Podcast-Block ganz genau beleuchten.
Wenn du jetzt ernährungstechnisch
sagen müsstest. was findest du
konkret am relevantesten für die
Ernährung bei einem Prädiabetes?
Was würdest du dann konkret nennen?
Dass sie alltagstauglich ist
und regelhaft angewendet wird.
Alles. was man empfiehlt und
dann nach zehn Tagen fallen
gelassen wird. hat keinen Sinn.
Deswegen finde ich. muss man
das sehr individuell gestalten.
Für mich sind einzelne Faktoren. die
jetzt nicht so ganz konkrete Vorschläge
sind. aber die dann eben auch Freiheiten
lassen in der Gestaltung der Ernährung.
Ich finde es sehr wichtig. dass
man Kohlenhydrate klug auswählt.
Also man sollte eigentlich so einfache
Kohlenhydrate wie Haushaltszucker oder
Weißmehl. die redlich gesprochen fast
sofort ins Blut gehen. einen steilen
Blutzuckeranstieg mit sich bringen
Komplexe Kohlenhydrate. die verdürfen
erst mal Arbeit im Magen-Darm-Trakt.
müssen aufgespalten werden.
Der Blutzucker steigt langsamer.
Das heißt anstatt Weißbrot. Weizenmehl.
Nudeln. geschälten Reis. lieber
Vollkornvarianten. Haferflocken.
Quinoa. Linsen. Bohnen und so weiter.
Statt von Snacks und wie
Süßigkeiten. Fruchtjoghurt. Bananen.
Trauben. Trockenobst. lieber
Nüsse. Beeren oder Naturjoghurt
und flüssigen Zucker vermeiden.
Also niemand trinkt einen Apfel. deswegen
esst den Apfel. von mir aus auch einen
halben Apfel. tut noch irgendwas dazu.
Da sind wir natürlich auch beim nächsten
Punkt: Mahlzeiten klug aufbauen.
Mhm.
Nebenbei. das ist das Konzept
der glykämischen Last.
Es kommt nicht nur auf die Menge
an. was man zu sich nimmt. sondern
auch die Qualität der Kohlenhydrate.
Mhm.
Das war das Einfach versus komplexe
Kohlenhydrate und es gibt dann die
Lebensmittelmatrix. also Kombination
mit reichlich Ballaststoffen.
Proteinen. gesunde Fette wie Nüsse.
Olivenöl. ungehärtete Pflanzenöle.
Das verlangsamt nämlich auch
den Aufschluss der Kohlenhydrate
und auch die Magenentleerung.
Also alles funktioniert ein bisschen
langsamer. der Körper hat mehr Zeit.
Es gibt nicht diese
großen Zuckerpeaks- Mhm.
-die man möglichst vermeiden sollte.
Total.
Und ich sage auch immer gerne
dazu auf die Reihenfolge achten.
Also man muss nicht direkt mit dem
Dessert beginnen. sondern vielleicht
mit einem Salat. wo die Ballaststoffe
drin sind oder wenn man einen
Teller vor sich hat. einfach mit den
ballaststoffreichen Sachen beginnen und
dann das andere dann eben später dazu
essen und dass man vielleicht sogar
noch als kleinen Lifehack fermentierbare
Ballaststoffe zu sich nimmt.
Das ist ja auch sehr bekannt
in. in Asien mit Kimchi.
Wir haben hier auch unsere
europäischen Alternativen. da auch.
auch sehr gerne darauf zurückgreifen.
Da freuen sich die Zellen im
Darm. die dann auch spezielle
Sättigungshormone ausschütten.
Kurz genannt wäre einmal das GLP1. was
man vielleicht von den Abnehmspritzen
kennt und das PYY und die einfach dazu
führen. dass eben schneller 'ne Sättigung
da ist. die Blutzuckerspitzen verhindert
werden. auch die Magenentleerung
langsamer ist und drosselt den Appetit.
Perfekt.
Okay. dann hast du jetzt noch mal
hier den Expertinnen-Input gegeben
für was ich schon in den ersten Folgen
zu meinen schönen Hülsenfrüchten und
dem Second-Meal-Effekt erzählt hab.
Du hast jetzt da auch noch
mal die entsprechenden
Abläufe und Hormone genannt.
Find ich sehr gut.
Ja. da sind wir ja auch gleich beim Thema.
Es war nämlich eine Frage aus
der Community: Zucker wird ja
zunehmend durch Süßstoffe ersetzt.
Sind Zuckerersatzstoffe in Getränken
und Süßigkeiten tatsächlich die
gesündere Wahl oder tauschen wir damit
nur ein Problem gegen ein anderes aus?
Was sagst du?
Sage ich ein eindeutiges Jain.
Ich finde. dass diese Süßstoffe sicherlich
eine gute Übergangslösung sind. wenn man
tatsächlich daran gewöhnt ist. sehr viele
Softdrinks zu trinken oder ausschließlich
Softdrinks zu trinken. dass man so 'n
Übergang schafft. dass zumindest in
dieser Zeit weniger schnell resorbierbare
Zucker zu sich genommen werden.
Es gibt natürlich 'ne Kehrseite. weil
dadurch dass diese Süßstoffe einfach
'ne tausendfach stärkere Süßkraft
haben als normaler Haushaltszucker.
ein Gewöhnungseffekt eintreten kann.
Wenn man regelmäßig diese
hochkonzentrierten Süßstoffe zu sich
nimmt stumpfen sozusagen die Rezeptoren
dafür im Gehirn ab und die Schwelle
dafür. was man als süß wahrnimmt oder
auch als friedigend süß empfunden
wird. verschiebt sich massiv nach oben.
Alle anderen Nahrungsmittel. die dann
gute Ballaststoffe haben. schmecken dann
plötzlich fade und sehr unattraktiv.
Das heißt. man möchte sich natürlich
auch irgendwann davon entwöhnen.
Mhm.
Und ist es tatsächlich so. dass
diese Zero-Getränke eventuell
sogar auch Hunger auslösen können?
Ja. tatsächlich.
Also das ist tatsächlich sehr perfide.
Der Körper will natürlich nur seine
Arbeit machen und merkt: „Ah. da
kommt was Süßes. Ich. ich mach schon
vorsorglich etwas." Das ist die sogenannte
cephalische Phase der Insulinsekretion.
Das heißt. man merkt was Süßes.
der Körper reguliert dagegen.
Die Enttäuschung ist natürlich
in dem Zero-Getränk. im Magen
kommt aber niemals Zucker an.
Das ausgeschüttete Insulin
findet keinen Zucker. den's in
die Zellen transportieren kann.
Das Resultat: Der Blutzuckerspiegel
kann kurzfristig 'n bisschen absinken.
Natürlich nicht in der Regel in 'nem
gefährlichen Bereich. aber was das
dem Gehirn signalisiert: „Ah. wir
haben eigentlich 'n Energiemangel. Wir
brauchen wieder etwas. um die Zuckerwerte
in die Höhe schießen zu lassen."
Dann kann auch mal akuter Heißhunger
auftreten und dann nimmt man Kalorien
mit. mit anderen Nahrungsmitteln.
Das Gehirn trickst den Körper
aus oder andersrum ungünstig.
Und was ich noch fragen würde:
Hat. haben diese Süßstoffe noch
eine Auswirkung aufs Mikrobiom?
Mhm.
Die können tatsächlich
das Mikrobiom verändern.
Das nennt sich 'ne Dysbiose.
Wenn die eigentlich guten Bakterien. diese
ballaststofffermentierenden Bakterien
durch Süßstoffe verdrängt werden.
Also da werden verschiedene Mechanismen
in Gang gebracht. da werden Enzyme
blockiert oder dadurch fühlen sich
andere Bakterien ein bisschen wohler.
die auch eher schädlich sind. wie E.
coli oder ähnliche.
Dann werden eben die nützlichen
Darmbakterien weniger.
Das heißt. da gibt es
auch 'n Teufelskreis.
Die fördern auch gleichzeitig die
Insulinresistenz. weil wir haben
ja vorher ge-gelernt. dass sie sehr
nützliche Darmhormone ausschütten und
das machen sie ja jetzt nicht mehr.
Wenn auch weniger von diesem
GLP-1 ausgeschüttet wird. gibt
es auch weniger Sättigungsgefühl.
Mhm.
Wie würdest du's sagen?
Du hast jetzt die Wahl. entweder am
Ende des Tages nach einem Essen. wo du
schon dein Limit an Kalorien erreicht
hast. ein Glas Apfelschorle zu trinken
oder ein Glas Zero-Softgetränk.
Gute Frage.
Ich würde das trinken.
was mir besser schmeckt.
Ich würde die Apfelschorle nehmen.
Das mach ich ja nicht jeden Tag
und in meinem gesunden Körper
wird es gut verstoffwechselt.
Ich finde es tatsächlich immer
schwierig. Dinge zu verbieten.
Es kommt für mich immer auf die Menge
an. was man noch dazu isst und was man
vielleicht den Rest der Woche schon
gegessen hat oder sich gegönnt hat
oder was man direkt davor gegessen hat.
Ich bin jetzt kein Fan von
Zero-Ge-Getränken. weil es mir
jetzt auch nicht unbedingt schmeckt.
Auch nicht in der Vollversion.
Dann würde ich lieber
die Apfelschorle nehmen.
Ja. geht mir ähnlich.
Genau.
Ja. ich glaub. wir haben
echt viel schon besprochen.
Ich fand's mega spannend.
Gefühlt könnten wir noch fünf
weitere Podcast-Folgen damit füllen.
Ja. ich glaub auch wirklich.
Eine Sache würde ich noch nachliefern
oder. oder fragen. was du dazu sagst.
Mir wurde im Nachgang einer der
ersten Folgen gesagt: „Ah. ein
Comfort Food statt Schokolade ist
für mich eine getrocknete Mango.“
Fand ich gar nicht schlecht als Idee.
Wie würdest du's
diabetologisch ein einschätzen?
Ja. Trockenobst hat ja auch sehr viel
in sich. was auch nicht so optimal ist.
Grad Fructose. wo man dann direkt
an die Leberverfettung denkt.
Jetzt würde ich sagen. ein
Stück Mango-Trockenobst kann
man sich schon mal gönnen.
Nimmt man das jetzt täglich zu sich.
nimmt man das täglich fünfmal zu sich.
es gehört das immer zur Gewohnheit.
Eigentlich hab ich jetzt keinen
Hunger. aber ich möchte eigentlich
nach dem Essen noch was Süßes essen.
Verbieten tu ich's nicht aber man
muss natürlich das Maß finden.
Ich bin ja eigentlich immer noch Fan
von so einer Handvoll Beeren. find
ich. ’ne Süßigkeit für mich schon
fast. weil ich die so lecker finde.
Das wär so mein Go-to-Ding und ich weiß
gar nicht. ob ich's schon erwähnt hat.
aber ich für mich ist Rauchmandeln so ’n
krasses Ding womit ich so diesen herzhaft
Chipshunger so ’n bisschen stillen kann.
Ich weiß nicht. hast du
die schon mal gegessen?
Was sind Rauchmandeln?
Sind die geräuchert?
Rauchmandeln.
Ja. das sind tatsächlich. das
sind tatsächlich so Mandeln
mit quasi so Raucharoma.
Weiß nicht. wie so. wenn
man so dieses geräucherte
Paprikapulver kennt zum Beispiel.
Ja. also meine Vorfahren
kommen aus Ungarn.
Ach so. okay.
Ja. tatsächlich.
Das muss ich in meinem Regal haben.
Ja. voll.
Vielleicht ist das. würd ich
sagen. der Speck für die Veganer.
Ja. also das liebe ich
auf jeden Fall sehr.
Ich würd sagen. vielen. vielen Dank liebe
Julia. für deinen ganzen spannenden Input.
Ja. ich bin echt geflasht. wie viel
man da noch zu lernen und wissen
und reindiven kann zu dem Thema.
Ja. vielen Dank. dass du das mit
uns geteilt hast. dein Wissen.
Sehr. sehr gerne und ich muss auch dazu
am Schluss sagen. tatsächlich in der Zeit
meiner ärztlichen Tätigkeit hab ich auch
das meiste für mein eigenes Leben gelernt.
Also war sehr wertvoll.
Ja. kann ich bestätigen mit meinem
ernährungsmedizinischen Weg jetzt am Ende.
Irgendwo macht man's ja dann für
die Gesellschaft. aber auch sein
eigenes Leben verbessert sich
irgendwie als Nebeneffekt des Ganzen.
Was ist denn dein Go-to gesundes Essen?
Ich würd direkt sagen. mein Frühstück.
Ich mache mir ein Porridge. ich mach
mir Chiasamen. Leinsamen. Flohsamen.
manchmal Hanfsamen rein. Haferflocken.
Ja. das kann ja Milch oder
Milchalternative sein und sehr gerne
stichfesten Joghurt. weil da auch
Material für das Mikrobiom dabei
ist und auch sehr gerne bisschen
Nussmus. gerne Macadamia. da ist
Omega3-. Omega6-Verhältnis ganz nett.
Und wenn's mal bisschen aufgepeppt
werden muss. Beeren. aber natürlich
auch mal 'n halber Apfel. manchmal 'ne
halbe Banane oder mal 'n Löffel Quark.
Ja. mega.
Das klingt gut.
Also das-- gesünder geht's dann kaum.
Insofern. ja. geb ich dir ein virtuelles
High Five und sag vielen Dank.
Ich hoffe. wir hören dich in einer
späteren Folge mal wieder zu einem der
vielen Themen deiner Zusatzbezeichnungen.
Hab einen. einen ganz tollen Restabend.
Lieben Dank und bis zum nächsten Mal.
So. ich hoffe. es hat euch gefallen und
ich hab noch eine letzte Frage an euch.
Und zwar: Habt ihr das Thema Prädiabetes
im Zusammenhang mit Jugendlichen schon
mal auf dem Schirm gehabt oder ist das
etwas. das ihr heute zum ersten Mal hört?
Ich freue mich auf eure
Antworten und auf euer Feedback.
Bis zum nächsten Mal.
euer Till-Yong Zienterra.