Kerngesund & Beerenstark

Dr. med. Till-Yong Zienterra
Since 05/2026 6 Episoden

#4 Was Zucker, Partynächte und Diabetes verbindet - Interview mit Dr. med. Julia Király

Warum die Waage trügt - Prädiabetes verstehen und umkehren

24.06.2026 49 min Dr. med. Till-Yong Zienterra

Zusammenfassung & Show Notes

Du wirkst gesund – Keine Beschwerden, vlt sogar Normalgewicht. Und trotzdem kann sich im Hintergrund gerade etwas entwickeln, das jahrelang unbemerkt bleibt. In dieser Folge spreche ich mit Dr. med. Julia Király, Diabetologin und Ernährungsmedizinerin über Prädiabetes in jedem Alter: was es ist, woran man es erkennt und was es braucht, um es aufzuhalten.

Du wirkst gesund – Keine Beschwerden, vlt sogar Normalgewicht. Und trotzdem kann sich im Hintergrund gerade etwas entwickeln, das jahrelang unbemerkt bleibt. In dieser Folge spreche ich mit Dr. med. Julia Király, Endokrinologin und Diabetologin, über Prädiabetes in jedem Alter: was es ist, woran man es erkennt und was es braucht, um es aufzuhalten.
 
In dieser Folge:
  • Was ist Prädiabetes und was unterscheidet es von Typ-2-Diabetes?
  • Warum verläuft es so lange ohne Symptome, und welche Warnsignale Eltern trotzdem kennen sollten
  • Wie verbreitet ist Prädiabetes bei Kindern und Jugendlichen wirklich? Die Zahlen sind alarmierend.
  • Welche Rolle Ernährung, Bewegung und Schlaf konkret spielen
  • Ist Prädiabetes bei Kindern umkehrbar? Was die Forschung sagt.
  • Was Eltern heute tun können, ohne ihr Kind unter Druck zu setzen
 
Frage an die Community: Habt ihr das Thema Prädiabetes im Zusammenhang mit Kindern schon einmal auf dem Schirm gehabt? Oder ist das etwas, das ihr heute zum ersten Mal hört? Ich freu mich auf eure Antworten.
 
Zu Gast: Dr. med. Julia Király, Allgemeinmedizinerin, Diabetologin (DDG), Ernährungsmedizinerin, Lipidologin, Adiposiologin und Präventionsmedizinerin
 
Erwähnte Studien: 
 
NHANES-Studie zu Prädiabetes und Typ-2-Diabetes bei Jugendlichen (2026): Ergebnis: 30,8 % hatten Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes. https://doi.org/10.1371/journal.pgph.0005596
 
Prevention of type 2 diabetes through prediabetes remission without weight loss – PubMed
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41023486/

Transkript

Herzlich willkommen zu „Kerngesund und Beerenstark". dem Podcast für Ernährungsmedizin. der bei Ernährungsthemen auch Kinder. Jugend und Klima im Blick behält. Ich bin Dr. Till-Yong Zienterra. Kinderarzt. Ernährungsmediziner aus Leidenschaft und veganer Ernährungsberater. Ich möchte mit euch mein Wissen teilen und euch spannende. sympathische Expert*innen vorstellen. mit denen ich über relevante Ernährungsthemen spreche. um Klarheit reinzubringen. Wissenschaftlich fundiert. Das tun wir heute und das Thema ist Folge zwei zum Thema Zucker. Kleiner Einsteiger dazu: Du wirkst gesund. Keine Beschwerden. vielleicht hast du sogar Normalgewicht und trotzdem kann sich im Hintergrund gerade etwas entwickeln. das jahrelang unbemerkt bleibt. In dieser Folge spreche ich mit Dr. Julia Király. Diabetologin und Ernährungsmedizinerin. über Prädiabetes in jedem Alter. Was es ist. woran man es erkennt und was es braucht. um es aufzuhalten. Aber ja. hi Julia. Hi. ich freu mich über die Einladung. Vielen Dank. Schön. dass du dabei bist. Jetzt stell ich dich natürlich erst mal noch vor. Du bist auf der Schwäbischen Alb groß geworden. hast Medizin an der Uni Tübingen studiert. deine Promotion im Bereich Neurologie abgeschlossen. Du bist Fachärztin für Allgemeinmedizin. Lipidologin. Adiposiologin. Präventionsmedizinerin. Diabetologin DDG und Ernährungsmedizinerin. Das ist dann auch die Zusatzbezeichnung. wo wir uns in den Fallseminaren kennengelernt haben. Und du bist kurz vor dem Ende der Weiterbildung zur Fachärztin für Endokrinologie und Diabetologie. Du arbeitest aktuell in einer Praxis für eben genau Endokrinologie und Diabetologie. Ja hab ich eine Zusatzbezeichnung vergessen. Julia? Ich glaube. das passt so weit. Sehr cool. Hast du noch einen random Fact für uns? Ich glaub. was für mich wichtig ist. ist tatsächlich. sich gut entspannen zu können. Ich liebe es. in der Natur zu sein. egal in welcher Form. ob vor Ort oder auf Reisen. ob auf dem Wasser. unter dem Wasser. Das ist tatsächlich für mich ein schöner Lebensbestandteil. Das ist doch sehr schön. Ich will noch mal sagen. krass großen Respekt. was du für coole medizinische Expertise erlangt hast. Hut ab. Deswegen find ich's richtig toll. dass du hier dabei bist. zum Thema Diabetes was erzählen kannst. Und dann würde ich doch auch sagen. starten wir da direkt mal rein. Was sind denn genau die unterschiedlichen Diabetes-Typen? Liebend gerne. Also ich würde direkt so anfangen. dass es natürlich sehr viele Diabetes-Typen gibt. Ich würd mich sehr gerne auf zwei Typen begrenzen. Ich würde jetzt einmal ein Typ-eins-Diabetes und Typ-zwei-Diabetes mich drauf fokussieren. Sehr einfach erzählt. Typ-eins-Diabetes bezeichnet denjenigen Diabetes. bei dem die Zellen der Bauchspeicheldrüse. die das Insulin produzieren. die sogenannten Beta-Zellen. nicht mehr richtig funktionieren. autoimmun zerstört werden und dadurch irgendwann ein absoluter Insulinmangel entsteht. Das heißt. man muss unweigerlich Insulin von außen zuführen. weil das sonst ein lebensgefährlicher Zustand ist. Mhm. Dahingegen ist es beim Typ-2-Diabetes etwas anders. Der ist einerseits auch stark genetisch bedingt. tatsächlich anders als der Typ-1-Diabetes. deutlich ausgeprägter. Wichtige Faktoren. wie gesagt. ist das Erbgut und auch die Epigenetik. Kurz gesagt. die DNA ist ein Kochbuch und die Epigenetik bestimmt welche Rezepte tatsächlich gekocht werden oder auch welche Seiten mit einer Büroklammer zugehalten werden. Die sind zum Beispiel beeinflussbar durch die Ernährung oder Ernährung der Eltern oder auch gibt es da schon eine fetale Programmierung. Also während man schon als Kind im Bauch der Mutter noch ist. da gibt es auch relevante Einflüsse oder Umweltfaktoren. Mhm. Die sehr wichtig sind und man ist dadurch auch nicht der Genetik ausgeliefert. Wobei man auch sagen muss. es gibt nicht das eine Diabetes-Gen. Mittlerweile kennen wir bis zu. ja. schon über 150 Genvarianten. Und um das zu verdeutlichen: Wenn zum Beispiel ein Elternteil schon an Typ-2-Diabetes erkrankt ist. hat das Kind eine bis zu 50-prozentige Wahrscheinlichkeit. im Verlauf des Lebens auch 'n Diabetes zu entwickeln. was aber natürlich beeinflussbar ist. Ja. also das ist auf jeden Fall mehr. als ich gedacht hätte. Wie unterscheidet sich jetzt noch beim Typ-2-Diabetes der Prädiabetes? Also was ist der Unterschied zwischen 'nem Prädiabetes und Typ-2-Diabetes? Fangen wir mal mit den Gemeinsamkeiten an. Beide haben gemeinsam. dass sie erhöhte Blutzuckerwerte haben. aber natürlich in unterschiedlicher Ausprägung. Und ich würde auch eher sagen. dass es ein Kontinuum ist. Werden wir gleich weiter sehen. Es gibt drei Messparameter. die man kennen sollte. Es ist einmal der Nüchternblutzucker. wenn der zwischen 100 und 125 Milligramm pro Deziliter liegt oder der Langzeitzucker. der sogenannte HbA1c-Wert zwischen 5.7 bis 6.4 % liegt oder der Zuckerbelastungstest. da trinkt man 'ne Zuckerlösung mit 75 Gramm Zucker. Wenn der Zwei-Stunden-Wert im Blut dann bei 140 bis 199 Milligramm pro Deziliter liegt. spricht man von einem Prädiabetes. Wenn die Zuckerwerte darunter liegen. ist es ein Normalzustand. Wenn es darüber liegt. spricht man von einem manifesten Diabetes mellitus. Okay. das heißt. wann würdest du jetzt in der Praxis bei dir überhaupt den Nüchternblutzucker. den Langzeitblutzucker und wann würdest du denn den Zwei-Stunden-Test machen? Ich würd's tatsächlich erst mal davon abhängig machen. wer sitzt denn vor mir? Dann natürlich 'ne ausführliche Vorgeschichte des Patienten erheben oder Beschwerden. Natürlich. wenn man erstgradige Verwandte mit Typ-2-Diabetes hat. wenn man selber schon Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat. ein Bluthochdruck vorliegt. auffällige Blutfettwerte vorliegen. Bei jüngeren Frauen tatsächlich sollte man hellhörig werden. wenn sogenanntes polyzystisches Ovar-Syndrom vorliegt. das mittlerweile auch richtigerweise polyendokrines metabolisches Ovarial-Syndrom heißt. Das. was man sonst als PCOS schon mal gehört hat vielleicht. ne? Genau. genau. Oder bei Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes oder auch bei Frauen in der Menopause sollte man etwas genauer hinschauen durch den Östrogenmangel. Okay. spannend. Ja. was sind denn Risikofaktoren generell für Menschen. ein Typ-2-Diabetes oder die Vorstufe. den Prädiabetes zu bekommen? Natürlich angefangen am Lebensstil. körperliche Bewegung auch Übergewicht. was wir dann später so 'n bisschen differenzieren werden. Da ist natürlich auch für den Praxisalltagen 'n wichtiger Marker n-nicht nur der BMI. der so 'n bisschen das Gewicht und die Größe ins Verhältnis setzt. sondern auch wie ist denn die Fettverteilung? Bisher hat man so 'n bisschen den Taillenumfang ins Auge genommen. Besser ist tatsächlich die Waist-to-Height-Ratio. Da hat man besseres Auge auf. wie ist denn die Fettverteilung im Körperbereich? Wo lagert sich das alles an? Ja richtig spannend. Waist to Height einfach noch mal übersetzt würde ja bedeuten Taille zu Gesamtgröße. Ah ja. genau. Taille zu Gesamtgröße. Okay. wie würdest du das jetzt in der Praxis noch mal genau messen mit der Taille? Mhm. Optimal wäre das im nüchternen Zustand im Stehen. Das Maßband setzt man an unter dem untersten Rippenbogen und dem oberen Beckenkamm in der Mitte dazwischen. Meistens ist auf der Höhe vom Bauchnabel einfach entspannt ausatmen und dann kann man einmal messen und das gibt so 'n bisschen Aufschluss darüber. ob's vielleicht in Richtung ungünstiger Fettverteilung geht. Optimal wäre es. wenn der Taillenumfang weniger als die Hälfte der Körpergröße beträgt. Okay. Wie viele Menschen leiden denn am Diabetes mellitus Typ zwei. also dem Typ-2-Diabetes und wie viele an der Vorstufe dem Prädiabetes in Deutschland? Mhm. Das ist tatsächlich gar nicht selten. Wenn man sich das so vor Augen führt. ist es jeder Fünfte in Deutschland hat einen Prädiabetes. Man geht aber von 'ner höheren Dunkelziffer aus. da es meist in der. dieser Frühphase keine relevanten Symptome gibt. Insbesondere nimmt es aber auch mit dem Alter zu. Also wenn man über Personen spricht. die über 65 Jahre alt sind. geht man fast schon von jedem zweiten bis jedem dritten aus. der an einem Prädiabetes erkrankt ist. Männer sind tatsächlich etwas häufiger betroffen. Man sieht da eher auch den Zusammenhang. dass sie eher von diesem ungünstigen Bauchfett mehr anlagern. von dem viszeralen Bauchfett. Und 'n manifester Diabetes Typ zwei haben ähnlich viele Menschen. sind auch so 20. 25 % der Bevölkerung sind dann um die acht bis zehn Millionen Menschen auch mit 'ner Dunkelziffer hier. Es verdeutlicht aber. vor allem in den nächsten Jahren Neuerkrankungen möglichst zu vermeiden und bei dem Prädiabetes rechtzeitig entgegensteuern zu können. Voll. Ich hab auch in der Vorbereitung noch mal geschaut. wie sieht das bei den Jugendlichen aus? Und da hab ich 'ne aktuelle Erhebung der amerikanischen CDC. Center for Disease Control and Prevention gefunden von 2026. Dort wurde gesagt. dass in dem Jahr 2023 8.4 Millionen zwischen 12 und 17 Jahren 'nen Prädiabetes haben. was 32.7 % waren. Und das ist einfach jeder dritte Jugendliche. Das fand ich schon einfach heftig. Klar. sind Daten für Amerika. Man würde hoffen. dass es in Deutschland 'n bisschen besser ist. Tatsächlich konnt ich's fürs RKI jetzt nur bei Diabetes und nicht für die Vorstufe Prädiabetes nachschauen. Deswegen kann ich's da nicht ganz genau sagen. Kann ich noch mal nach recherchieren. Letztendlich zeigt's aber. das geht teilweise früh los oder wie siehst du das? Absolut. Umso tragischer ist es fast schon. dass es keine gute Prävention aktuell in Deutschland dazu gibt und da in Europa ist Deutschland da eher im unteren Bereich angesiedelt. obwohl es bei den Prädiabetes- und Diabeteserkrankungen relativ weit oben steht. Mhm. Ein großer Anreiz ist da. Ja. Und vielleicht noch ein Fact zu dieser Studie. weil wir gerade diese Waist-to-Height-Ratio hatten. In dieser Studie wird genau das unterstrichen. dass die Risikoerhöhung durch einen erhöhten Waist-to-Height-Ratio 24-mal aussagekräftiger war als so was wie. was auch 'ne Erhöhung dargestellt hat der tägliche Zuckerkonsum. Aber das ist schon. ja. also dass es ein krasser Risikoparameter ist und dass der so heftig ist. ist natürlich vielleicht noch mal 'n Punkt zu sagen: „Okay. ja. nehm ich jetzt auch häufiger auf.“ Ja. scheint einfach auch nach den Studien sehr. sehr relevant zu sein. Aber das ist ein absolut wichtiger Fact. weil das deutet einfach drauf hin oder schlägt in dieselbe Kerbe. Es geht nicht nur um den Zucker. den man zu sich nimmt. Es ist. es hat so viele Faktoren: Wie viel bewege ich mich? Was esse ich denn noch? Sind da viele Transfette dabei? Wie ist denn meine genetische Veranlagung? Wo lagere ich das Fett an? Kann ich das vielleicht umverteilen? Also es ist ein Faktor. der Zucker. aber es gibt noch ganz. ganz viele andere. Total. Vielleicht können wir ja jetzt noch mal sagen. warum ist es wichtig. den Prädiabetes früh zu entdecken? Weil's in dieser Frühphase schon auch bereits zu diesem Zeitpunkt Folgeschäden entstehen können an Gefäßen. Es gibt ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. zum Beispiel für Herzinfarkte. Schlaganfälle. Nieren- oder Nervenschäden. Und die gute Nachricht: Genau in dem Stadium ist die Stoffwechsellage noch am besten umkehrbar. Wenn man tatsächlich sagt: „Gut. ich hab 'n Prädiabetes. das ist jetzt halt da und man kontrolliert jetzt und schaut halt weiter. man verändert aber nichts“. dann besteht ein Lebenszeitrisiko. einen tatsächlichen. also manifesten Typ-2-Diabetes zu entwickeln von. ja. um die 70 % und pro Jahr gesehen sind es ungefähr. dass fünf bis 10 % der Betroffene dann Typ-2-Diabetes entwickeln können und insbesondere ist dann das Risiko erhöht. wenn entweder der Nüchternzucker oder der HbA1c entsprechend erhöht ist und bereits schon eine deutliche Insulinresistenz besteht. Ja. voll. Also krass hohe Werte. Zwei Sachen. vielleicht kannst du's noch mal ganz kurz sagen. HbA1c was ist das noch mal genau? Also das ist der sogenannte Langzeitzucker. Ich kann es so 'n bisschen vereinfacht erklären. Wenn man längere Zeit höhere Zuckerwerte hat. dann bildet sich an 'nem bestimmten Protein im Körper. dem sogenannten HbA0. so eine. ja. so'n Zuckerschwanz. Das ist dann glykiert. Das ist dann eben der HbA1c-Anteil am Gesamthämoglobin. dem Blutfarbstoff. Mh. wie gesagt. ganz einfach: Man hat hohe Zuckerwerte. es kommen Zuckerschwänzchen an das rote Blutkörperchen und diese roten Blutkörperchen mausen sich alle zwei bis drei Monate. Das heißt. es zeigt mir einfach die Stoffwechsellage der letzten zwei bis drei Monate an. Das heißt. der HbA1c ist nicht dann erhöht. wenn ich gestern einen Kuchen gegessen hab. sondern weil es die letzten zwei bis drei Monate eher im oberen Bereich war. die Blutzuckerwerte. Genau. Ja. das war die eine Frage und die zweite wäre. so wie ich's jetzt auch rausgehört hab: Würdest du sagen. der Prädiabetes ist umkehrbar? Also jetzt angenommen. ein Jugendlicher kommt in meine Praxis und die Eltern sind natürlich sehr besorgt. Ah. jetzt wurde hier der Prädiabetes diagnostiziert. Was können wir denn sagen? Mhm. Ja. tatsächlich. das ist der springende Punkt. dass man eben. wenn man so 'ne Stoffwechsellage hat im prädiabetischen Bereich. dass es eben der Zeitpunkt ist. was zu tun und zu handeln. damit man eben diesen Punkt umkehren kann. Also ja. die Antwort drauf: Es ist möglich. diesen Punkt umzukehren und das ist auch das Ziel in dem. in dem Zeitraum. Ja. voll. Und das ist ja auch 'ne hoffnungsvolle Antwort. Das ist ja immer schön. wenn man noch was tun kann. Was passiert da jetzt genau im Körper bei dieser Vorstufe. dem Prädiabetes? Was. was läuft da ab? Du hattest da so ein schönes Bild mitgegeben oder eine schöne Geschichte. Ja. der Haupttreiber beim Prädiabetes ist tatsächlich die Insulinresistenz. Wenn man natürlich diese Insulinresistenz immer weiterarbeiten lässt. dann kommt es auch irgendwann dazu dass der Körper sehr viel Insulin ausschüttet aus der Bauchspeicheldrüse und dann irgendwann die Zellen in der Bauchspeicheldrüse auch sagen: „Hui. jetzt haben wir sehr lange sehr viel produziert. wir können nicht mehr.“ Und dann nennt es sich eine Betazelldysfunktion. Also die Betazellen. die eigentlich das Insulin produzieren geben dann den Löffel ab und sagen. „So und jetzt nicht weiter.“ Vielleicht müssen wir das noch mal kurz erklären: Wann wird denn Insulin ausgeschüttet? Mhm. Also wir nehmen ja Makronährstoffe durch unsere Nahrung auf. Das sind einmal Kohlenhydrate. Proteine und Fette. Die größte Energie schließen wir aus Kohlenhydraten auf und da wird auch so das Gro an Insulin ausgeschüttet. wenn die Kohlenhydrate im Magen-Darm-Bereich zu kleinen Zuckerbausteinen abgebaut werden. der Glukose. Und da können wir gerne anfangen. bildlich zu sprechen. Ich vergleiche es sehr gerne immer mit 'nem Nachtclub. Unsere Körperzellen sind wie Millionen kleine Nachtclubs und damit in den Nachtclub eine Party steigen kann. müssen die Gäste. in dem Fall die Zuckermoleküle auch alle in den Club. also die Zelle reinkommen. Dazu muss man reingelassen werden. Damit Stimmung aufkommt braucht der Club die Energie. die Gäste. Die Gäste stehen nun Schlange vor der Tür. Der Türsteher nimmt nun den Generalschlüssel. das Insulin. das durch die Bauchspeicheldrüse produziert wird und öffnet die Tür. Also das ist einfach. Das Insulin dockt an. an den Rezeptor der Zelle an und es werden Kanäle eingebaut und der Zucker kann in die Zelle rein. Die Gäste können also rein. Draußen leert sich die Schlange und die Gäste können feiern gehen. Jeder ist glücklich. so weit. so gut. Ein perfektes System für die Zucker-Zuckerregulation. Der Beginn der Insulinresistenz ist die Dauerparty. Es wird seit Monaten bis Jahre ununterbrochen gefeiert. Das heißt. es gibt ständigen Nachschub über zuckerhaltiges Essen oder Getränke und wenig Bewegung. Das heißt. ununterbrochen sind Menschenmassen vor der Tür. Damit das Ganze schneller geht. hat der Körper natürlich einen tollen Mechanismus. Es werden immer mehr Schlüssel. das Insulin produziert. damit auch mehr Türen geöffnet werden können. dass das Ganze ein bisschen schneller über die Bühne geht. Die Konsequenz ist. dass die Zellen irgendwann brechend voll sind. Was macht der Türsteher? Er sagt: „Du kommst hier nicht mehr rein." Die Zelle schützt sich vor diesem oxidativen Stress. Also quasi Analogie Berghain in Berlin. Die Schlange ist immer groß. alle feiern die ganze Nacht durch und der Türsteher ist einfach die härteste Tür Berlins. Exakt. Er verbarrikadiert dann die Tür. weil natürlich der Andrang sehr groß ist. Und wenn man natürlich sehr häufig die Schlüssel benutzt werden auch die Türschlösser alt und verkleben. Das ist die Analogie dafür. Rezeptoren werden weniger an die Zelloberfläche präsentiert und die Signalwege werden blockiert. Was passiert denn da bei der Insulinresistenz genau? Die Schlüssel passen dann auch nicht mehr richtig oder die Signalübertragung hinter dem Schloss funktioniert nicht mehr richtig. Es entsteht Stau draußen. die Gäste sind unmutig. es bricht Chaos aus und die Gäste randalieren. Also das heißt. der hohe Zuckerspiegel verursacht dann auch Folgeerkrankungen. Zucker ist dort. wo er nicht so lange bleiben sollte. Okay. also die Zuckermoleküle sind draußen im im Blutstrom Und die kommen jetzt alle nicht in die Zellen rein und der Blutzuckerspiegel ist. ja. ist einfach zu hoch. also höher als normal. Mehr Menschen auf 'nem Haufen. mehr Zucker auf 'nem Haufen. Und das macht auch Probleme. die wir bemerken. oder? Genau. Also angefangen bei dem. dass die das Endothel. also die Innenauskleidung der Gefäße angegriffen wird und überall. wo Gefäße sind. können auch Folgeerkrankungen entstehen. Aber der Körper hat da natürlich 'n tollen Mechanismus. Wie gesagt. es kann zeitweise mehr Schlüssel produzieren. also mehr Insulin. Und dadurch kann es so 'n bisschen die etwas taub gewordenen Zellen dazu veranlassen. den Blutzucker für eine bestimmte Zeit noch in 'nem relativ okayen Bereich zu halten. Und das behebt das Problem aber leider nur zeitweise. weil die Zellen reagieren weniger auf das Insulin. Dafür braucht der Körper immer mehr Insulin und das ist eben die Überproduktion von Insulin. die Hyperinsulinämie. Das heißt das geht dann irgendwann Hand in Hand miteinander. Das heißt. man müsste eigentlich was Untern-unangenehmes tun. versuchen. die Party zu beenden. Entweder indem man Energie verbraucht. zum Beispiel durch Bewegung oder den Zustrom stoppt. weniger Zucker oder einfache Kohlenhydrate so zu sich zu nehmen und so 'n bisschen den Kreislauf zu unterbinden. Okay. ich find das mega das Bild. Jetzt haben wir quasi diese Schlüssel-Schlüsselhersteller und das sind die Beta-Zellen. richtig? Die das Insulin produzieren und die werden ganz schön gestresst. wenn denen jetzt gesagt wird: „Jetzt produzier mal hier 100 Schlüssel in einer Stunde". oder so nach dem Motto. Genau. Und wenn zum Beispiel das dann irgendwann dazu führt. dass diese Zellen untergehen. so zwischen 40 bis 60 % . ist jetzt auch nur 'ne Pi mal Daumen Angabe. dass dann irgendwann es auch zu 'nem Typ-2-Diabetes übertritt. Okay. verstanden. Das heißt. das. was alle kennen. ist ja der Verlauf. Es gibt jetzt Menschen. die haben ganz lange schon extremes Übergewicht und die Eltern haben auch vielleicht Diabetes und dann kriegt die Person irgendwann im Leben jetzt auch den Diabetes Typ zwei. Aber es gibt ja auch einen Zustand. der. der sich TOFI nennt. richtig? Kannst du das noch mal erklären? Ja. das ist ein Zustand bei dem man von außen gar nicht so wirklich erwartet. dass die Person 'ne Störung im Zuckerstoffwechsel hat. Also das TOFI. finde ich so ein bisschen unglücklich gewählt. die Zeichnung. Thin outside. fat inside. also dass man von außen her schlank aussieht. aber von innen eine ungünstige Verfettung oder Fettverteilung hat. Mhm. Das kann man durch unterschiedliche Mechanismen erklären. Es kommt natürlich auch drauf an. wie man sich ernährt. Man kann trotzdem sich noch so ernähren. dass es kalorisch passt. aber dass es eher 'ne ungesunde Ernährung ist. also zum Beispiel viele Transfette zu sich nimmt wenn vieles frittiert ist oder gehärtetes Fett man zu sich nimmt. das typische Fast Food. Convenience Food. hm. zu sich nimmt. Aber natürlich auch dann. wenn man schon 'ne genetische Veranlagung dafür hat. eher Bauchfett. das ungünstig ist aufzubauen. Also es gibt ja unterschiedliche Arten von Fettgewebe. Es gibt einmal dieses Unterhautfettgewebe. das ist eher das günstige Fett. das nicht stoffwechselaktiv ist. Mhm. Würde das bedeuten. das Fett. was sich so im ganzen Körper verteilt eher und das eine. was sich so um die Organe rum konzentriert? Kann man das so sagen. dieses viszerale Fett? Ja. also die grobe Unterscheidung. die ist ganz gut. So wie du's sagst. es kommt darauf an. wo das Fettgewebe gespeichert wird. Das Unterhautfettgewebe macht so circa achtzig Prozent des Körperfetts aus. Es schützt auch die restlichen Organe davor. mit Fett überschwemmt zu werden. Es ist eher mal optisch vielleicht ungeliebt. aber stoffwechseltechnisch der harmloseste Ort. Mhm. Es gibt aber dieses sogenannte Overflow-Konzept und es ist auch so ein bisschen genetisch gesteuert. wann es denn überfließt. Grad diese eher schlanken Personen können zum Beispiel auch 'ne geringe Kapazität haben bei ihrem Unterhautfettgewebe und dann wird es schnell woanders angebaut. Es gibt einmal das viszerale Fett und das ektope Fett. Das viszerale Fett. das wird vor allem in der freien Bauchhöhle angelegt. das sich um die inneren Organe befindet. Ja. das ist sozusagen auch hier wieder bildlich gesprochen. das Hauptlager Wenn das genetisch bedingt voll ist. wird es in 'n provisorisches Lager mitten in der Innenstadt gespeichert. Das hat wiederum im Vergleich zu dem Unterhautfettgewebe 'ne hohe Stoffwechselaktivität und das gibt auch viele Entzündungsstoffe ab. dass man's mal gehört hat. Zytokine und das Adiponectin. das eigentlich eher schützend ist. das ist eher jetzt weniger vorhanden. Mhm. Und es gibt auch mehr an freien Fettsäuren und die fließen direkt durch die Leber. Und weil dieses Lager 'ne direkte Einbahnstraße zur Leber hat. gehen auch diese ungünstige Stoffe direkt und rund um die Uhr durch die Leber. Und das macht die Zellen dort massiv insulinresistent und hat dann eben auch 'n paar andere negative Folgen. dass die Leber auch selber etwas mehr Zucker produziert und es verändert auch die Blutfette dementsprechend. dass sich eher mal Veränderungen im Bereich der Gefäße zeigen. Okay. das. das. was so die Arteriosklerose genannt wird. Ja. exakt. Und das heißt. in den Gefäßen lagert sich am Ende auch letztendlich Fett ungünstigerweise ab. wenn's zu viel da ist. Was man nicht vergessen kann oder sollte. ist auch das ektope Fettgewebe. Das ist noch mal eine andere Art. Also da wird das Fett nicht in den Fettzellen gespeichert. sondern ganz perfiderweise direkt in den Zellen von Organen. Also die ist eigentlich gar nicht dafür gedacht und das ist vollkommen fehlplatziert und das kann zum Beispiel in der Leber passieren. im Skelettmuskel. in der Bauchspeicheldrüse. Herzmuskel. Gefäße. Und das ist eigentlich weder das Hauptlager noch ein provisorisches Lager. sondern es ist so 'ne illegale Müllkippe. Da gehört's eigentlich nicht hin. Und diese Fettpakete blockieren den Einstrom vom Zucker. verändern die Rezeptoren. Zucker kann nicht rein. Wenn es sich zum Beispiel in der Bauchspeicheldrüse ablagert. dann kann es auch verhindern. dass diese Zellen Insulin produzieren können. Also die lokale. die örtliche Organfunktion wird dadurch auch kaputt gemacht. unmöglich gemacht und es kann auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern. Okay. also letztendlich kann man dann sagen. das ist der Kaugummi. der in die Schlösser des Nachtclubs zusätzlich noch geklebt wird. diese freien Fettsäuren und dieses überschüssige Fett und vielleicht sogar auch Transfettsäuren. die durch frittierte Nahrungsmittel entstehen. oder? Absolut. Absolut. Okay. gut. Nee. dann haben wir das doch jetzt ganz gut beleuchtet. Wie würdest du's sagen? Heißt das jetzt. ich kann nur von dem Prädiabetes zurückkommen in die Remission. also in den Zustand davor. in den Normalzustand. wenn ich es schaffe. auch wieder in den Normalgewichtsbereich zu kommen? Also schädlich ist es nicht. Es gab aber sehr lange Zeit das Paradigma. dass es eigentlich nur dadurch möglich ist. dass man ungefähr mit 'nem Gewichtsverlust von sieben bis zehn Prozent das als zentrales Ziel bezeichnet hat. Aber das ist tatsächlich nicht mehr so das alleinige Ziel. denn es gab eine und ich bin sehr stolz. dass ich das jetzt vortragen darf als Alumni der Uniklinik Tübingen. die maßgeblich an der Studie beteiligt waren. Und zwar gab's da 'ne Post-hoc-Analyse. Das war 'ne multizentrische Studie. die Prediabetes Lifestyle Intervention Studie. Die PLIS-Daten haben tatsächlich da 'n Paradigmenwechsel abgezeichnet. dass ganz lapidar gesagt. egal ob man auf der Waage das Gleiche wiegt. man kann auch alleine mit dem Erreichen von normalen Blutzuckerwerten eine Remission erreichen. Das ist ja schon mal wirklich was anderes. als man früher gelernt hat. Absolut. Das heißt. wir müssen den Fokus von der bloßen Zahl auf der Waage weghin zum Ziel. normalisier die Blutzuckerwerte. Das ist das entscheidende Kriterium für die Risikoreduktion. Diese Remission ohne Gewichtsverlust hat auch das Risiko. einen Diabetes in den folgenden zehn Jahren zu entwickeln. um einundsiebzig Prozent reduziert. Okay. das ist echt viel. ja. Das ist ein Schutz so ähnlich wie bei Menschen. die relevant an Gewicht abgenommen haben. Das heißt. wenn man normale Blutzuckerwerte auch noch 'ne Gewichtsreduktion erreicht. ist diese Risikoreduktion nur unwesentlich größer bei 73 %. Und natürlich ist die Frage. woran liegt das denn? Das war super interessant. Man hat in MRT-Analysen gesehen. dass warum manche Menschen trotz gleichbleibendem Gewicht metabolisch gesund worden sind. also stoffwechseltechnisch gesund wor. geworden sind und warum andere nicht. Man hat unterteilt einmal in Responder und Non-Responder. Responder waren die. die kein Prädiabetes mehr hatten. also 'ne Remission ohne Gewichtsverlust. Die haben das Fett vorwiegend in diesem Unterhautfettgewebe gespeichert. dem subkutanen Fettgewebe und die Non-Responder. die eben keine Remission er-erreicht haben. haben das Fett primär als viszerales Fettgewebe. was eben hochgradig stoffwechselaktiv ist. gelagert. Das heißt. wir brauchen 'n Fettshift vom. vom viszeralen Fett weg. Mhm. Okay. und das ist dann teilweise auch 'ne genetische Komponente. Ist auch mit dabei. Aber was viel wichtiger ist dass man eben sieht. dass man von dem BMI wegkommen sollte. Das heißt. nicht das normale Unterhautfettgewebe ist das Problem. sondern vielmehr das andere. also das viszerale Ektopfett. was die Körperzusammensetzung viel. viel wichtiger macht. Okay. die Frage ist dann ja. kann man das beeinflussen. welche Art von Fett man anbaut und welche man und. und wie man die schlechten Arten fokussiert spezifisch wegbekommt? Geht das? Ja. also das sind natürlich auch Lebensstiloptimierungen. die man da durchführen sollte. Es geht natürlich einmal um körperliche Bewegung. dann geht es auch um die kluge Auswahl von Mahlzeiten oder der Ernährung und auch so 'n bisschen um chronischen Stress zu vermeiden. Mhm. Das heißt. bei der körperlichen Bewegung könnte man drauf achten. ja. es ist schon gut. wenn man sich bewegt. aber 'n Ausdauertraining im Wohlfühltempo reicht meistens nicht aus. Sehr gut ist zum Beispiel hochintensives Intervalltraining. das HIIT. Über 10 bis 30 Minuten. zum Beispiel kurze Sequenzen mit 20 Sekunden mit All-Out-Training. bis man nicht mehr kann. Starke Belastungsphasen. gefolgt von kurzen Erholungsphasen. circa zehn Sekunden. Und durch diese hohe Intensität schüttet der Körper vermehrt Adrenalin aus oder Noradrenalin. welche genau auch auf das viszerale Fett reagieren können. Die haben bestimmte Rezeptoren. die genau auf diese Hormone reagieren und die Fettverbrennung im Bauchraum anwerfen. Ach spannend. okay. Das heißt. das. hm. was man vielleicht schon mal gehört hat. so dieses: „Ja. wenn du Fett abbauen willst. dann musst du halt ganz lange joggen. Ab so und so viel Minuten. 20. 30. setzt dann ja die Fettverbrennung ein. Also musst du halt. keine Ahnung. anderthalb Stunden joggen gehen und und dann kannst du die Fettverbrennung einsetzen.“ Aber das ist. ja. nach dem. was du sagst. ist das ja quasi widerlegt. Zumindest zeiteffektiver. Ja. ja voll. Das ist für uns alle. glaub ich. gut. Das heißt würdest du HIIT als einziges und als beste Intervention sehen? Mhm. Ich denke. da muss man auch tatsächlich so denken. es gibt verschiedene Wege. da Verbesserung herbeizuführen. Gibt nicht immer die ein-- den heiligen Gral. So progressives Krafttraining. also dass man neue Trainingsreize setzt auch mit höherer Belastung. also normales Krafttraining. wo man dann mit der Zeit das Gewicht steigert oder die Wiederholung steigert oder das Volumen erhöht. indem man 'nen neuen Satz dranhängt oder die Übung langsamer ausführt. zum Beispiel. Dadurch hat man mehr time under tension und ein kontrollierteres Ausführen. Die Muskelmasse verbessert die Insulinsensitivität der Zelle. Das heißt. sie reagiert viel besser auf das Insulin und je besser sie darauf reagieren. desto weniger muss auch die Bauchspeicheldrüse an Insulin ausschütten und niedriger Insulinspiegel ist wiederum die Grundvoraussetzung. dass der Körper überhaupt an die tiefen Fettdepots herankommt. Und was das Tolle ist. Muskelaktivität. Muskelkontraktionen steigern bestimmte Kanäle oder Anzahl der Kanäle an der Zelloberfläche. diese GLUT4-Transporter. damit der Zucker in die Zelle kommt und der Insulinspiegel sinkt und auch wieder diese Fettdepots abgebaut werden können. Ja. mega. Also das heißt. da ist der Sport wirklich sehr hilfreich an der Stelle. Mhm. Was würdest du sagen. was hat mehr Einfluss: Lebensstil oder Medikamente? Ich bin direkt auf der Seite von der Lebensstilveränderung. Es gibt auch Studien. Also zumindest beim Prädiabetes. Es gibt Studien. dass eine Lebensstilintervention 'n deutlich höheren Effekt verzeichnet in der Entwicklung eines manifesten Typ-2-Diabetes als Medikamente allein. Und vielleicht hilft dann die Kombination mit der Lebensstilintervention. Aber das sind immer die Grundsäulen. auf die man das aufbauen sollte. Übrigens beim Prädiabetes in Deutschland ist es aktuell noch Off-Label. also außerhalb der. der Zulassung. das bei Prädiabetes anzuwenden. Man kann das aber unter bestimmten Bedingungen natürlich machen als individuellen Therapieversuch. was nicht immer nicht sinnvoll ist. Okay. Und ja. kommen wir doch zu ja. meinem Lieblingsthema der Ernährung. Wie siehst du die Ernährung jetzt in dem Kontext der Risikoreduktion? Ist auch ein sehr. sehr großes Feld. Es gibt natürlich da auch Leitlinien zur Prävention von Typ-2-Diabetes. die auch relativ frisch aktualisiert wurden. Die Praxisempfehlung der DDG empfiehlt da zum Beispiel die Planetary Health Diet. die nicht nur auf pflanzenbasierte Ernährung fußt. sondern auch noch die Nachhaltigkeit im Blick hat. Also da kurz angerissen. natürlich sollte man ballaststoffreich sich ernähren. Hülsenfrüchte. Vollkorn. Also allein schon 110 Gramm gekochte Linsen können nach 'ner Mahlzeit die. den Zuckerpeak um 20 %. also um 'n Fünftel senken. Nüsse sind von Vorteil. proteinreiche Ernährung und ganz wichtig: Getränke nicht zuckergesüßt. Total. Lieber Wasser. ungesüßten Tee. Sehr gut. da setzen wir quasi grade bei der letzten Folge an oder wer sie noch nicht gehört hat. hört noch mal rein. Ja. das ist 'n superinteressantes Thema und wenn ihr das jetzt schon spannend fandet. dann bleibt dran. weil natürlich die Planetary Health Diet einer meiner Lieblingsthemenkomplexe dann ist. Das werd ich auch in den nächsten Monaten als noch mal einen Podcast-Block ganz genau beleuchten. Wenn du jetzt ernährungstechnisch sagen müsstest. was findest du konkret am relevantesten für die Ernährung bei einem Prädiabetes? Was würdest du dann konkret nennen? Dass sie alltagstauglich ist und regelhaft angewendet wird. Alles. was man empfiehlt und dann nach zehn Tagen fallen gelassen wird. hat keinen Sinn. Deswegen finde ich. muss man das sehr individuell gestalten. Für mich sind einzelne Faktoren. die jetzt nicht so ganz konkrete Vorschläge sind. aber die dann eben auch Freiheiten lassen in der Gestaltung der Ernährung. Ich finde es sehr wichtig. dass man Kohlenhydrate klug auswählt. Also man sollte eigentlich so einfache Kohlenhydrate wie Haushaltszucker oder Weißmehl. die redlich gesprochen fast sofort ins Blut gehen. einen steilen Blutzuckeranstieg mit sich bringen Komplexe Kohlenhydrate. die verdürfen erst mal Arbeit im Magen-Darm-Trakt. müssen aufgespalten werden. Der Blutzucker steigt langsamer. Das heißt anstatt Weißbrot. Weizenmehl. Nudeln. geschälten Reis. lieber Vollkornvarianten. Haferflocken. Quinoa. Linsen. Bohnen und so weiter. Statt von Snacks und wie Süßigkeiten. Fruchtjoghurt. Bananen. Trauben. Trockenobst. lieber Nüsse. Beeren oder Naturjoghurt und flüssigen Zucker vermeiden. Also niemand trinkt einen Apfel. deswegen esst den Apfel. von mir aus auch einen halben Apfel. tut noch irgendwas dazu. Da sind wir natürlich auch beim nächsten Punkt: Mahlzeiten klug aufbauen. Mhm. Nebenbei. das ist das Konzept der glykämischen Last. Es kommt nicht nur auf die Menge an. was man zu sich nimmt. sondern auch die Qualität der Kohlenhydrate. Mhm. Das war das Einfach versus komplexe Kohlenhydrate und es gibt dann die Lebensmittelmatrix. also Kombination mit reichlich Ballaststoffen. Proteinen. gesunde Fette wie Nüsse. Olivenöl. ungehärtete Pflanzenöle. Das verlangsamt nämlich auch den Aufschluss der Kohlenhydrate und auch die Magenentleerung. Also alles funktioniert ein bisschen langsamer. der Körper hat mehr Zeit. Es gibt nicht diese großen Zuckerpeaks- Mhm. -die man möglichst vermeiden sollte. Total. Und ich sage auch immer gerne dazu auf die Reihenfolge achten. Also man muss nicht direkt mit dem Dessert beginnen. sondern vielleicht mit einem Salat. wo die Ballaststoffe drin sind oder wenn man einen Teller vor sich hat. einfach mit den ballaststoffreichen Sachen beginnen und dann das andere dann eben später dazu essen und dass man vielleicht sogar noch als kleinen Lifehack fermentierbare Ballaststoffe zu sich nimmt. Das ist ja auch sehr bekannt in. in Asien mit Kimchi. Wir haben hier auch unsere europäischen Alternativen. da auch. auch sehr gerne darauf zurückgreifen. Da freuen sich die Zellen im Darm. die dann auch spezielle Sättigungshormone ausschütten. Kurz genannt wäre einmal das GLP1. was man vielleicht von den Abnehmspritzen kennt und das PYY und die einfach dazu führen. dass eben schneller 'ne Sättigung da ist. die Blutzuckerspitzen verhindert werden. auch die Magenentleerung langsamer ist und drosselt den Appetit. Perfekt. Okay. dann hast du jetzt noch mal hier den Expertinnen-Input gegeben für was ich schon in den ersten Folgen zu meinen schönen Hülsenfrüchten und dem Second-Meal-Effekt erzählt hab. Du hast jetzt da auch noch mal die entsprechenden Abläufe und Hormone genannt. Find ich sehr gut. Ja. da sind wir ja auch gleich beim Thema. Es war nämlich eine Frage aus der Community: Zucker wird ja zunehmend durch Süßstoffe ersetzt. Sind Zuckerersatzstoffe in Getränken und Süßigkeiten tatsächlich die gesündere Wahl oder tauschen wir damit nur ein Problem gegen ein anderes aus? Was sagst du? Sage ich ein eindeutiges Jain. Ich finde. dass diese Süßstoffe sicherlich eine gute Übergangslösung sind. wenn man tatsächlich daran gewöhnt ist. sehr viele Softdrinks zu trinken oder ausschließlich Softdrinks zu trinken. dass man so 'n Übergang schafft. dass zumindest in dieser Zeit weniger schnell resorbierbare Zucker zu sich genommen werden. Es gibt natürlich 'ne Kehrseite. weil dadurch dass diese Süßstoffe einfach 'ne tausendfach stärkere Süßkraft haben als normaler Haushaltszucker. ein Gewöhnungseffekt eintreten kann. Wenn man regelmäßig diese hochkonzentrierten Süßstoffe zu sich nimmt stumpfen sozusagen die Rezeptoren dafür im Gehirn ab und die Schwelle dafür. was man als süß wahrnimmt oder auch als friedigend süß empfunden wird. verschiebt sich massiv nach oben. Alle anderen Nahrungsmittel. die dann gute Ballaststoffe haben. schmecken dann plötzlich fade und sehr unattraktiv. Das heißt. man möchte sich natürlich auch irgendwann davon entwöhnen. Mhm. Und ist es tatsächlich so. dass diese Zero-Getränke eventuell sogar auch Hunger auslösen können? Ja. tatsächlich. Also das ist tatsächlich sehr perfide. Der Körper will natürlich nur seine Arbeit machen und merkt: „Ah. da kommt was Süßes. Ich. ich mach schon vorsorglich etwas." Das ist die sogenannte cephalische Phase der Insulinsekretion. Das heißt. man merkt was Süßes. der Körper reguliert dagegen. Die Enttäuschung ist natürlich in dem Zero-Getränk. im Magen kommt aber niemals Zucker an. Das ausgeschüttete Insulin findet keinen Zucker. den's in die Zellen transportieren kann. Das Resultat: Der Blutzuckerspiegel kann kurzfristig 'n bisschen absinken. Natürlich nicht in der Regel in 'nem gefährlichen Bereich. aber was das dem Gehirn signalisiert: „Ah. wir haben eigentlich 'n Energiemangel. Wir brauchen wieder etwas. um die Zuckerwerte in die Höhe schießen zu lassen." Dann kann auch mal akuter Heißhunger auftreten und dann nimmt man Kalorien mit. mit anderen Nahrungsmitteln. Das Gehirn trickst den Körper aus oder andersrum ungünstig. Und was ich noch fragen würde: Hat. haben diese Süßstoffe noch eine Auswirkung aufs Mikrobiom? Mhm. Die können tatsächlich das Mikrobiom verändern. Das nennt sich 'ne Dysbiose. Wenn die eigentlich guten Bakterien. diese ballaststofffermentierenden Bakterien durch Süßstoffe verdrängt werden. Also da werden verschiedene Mechanismen in Gang gebracht. da werden Enzyme blockiert oder dadurch fühlen sich andere Bakterien ein bisschen wohler. die auch eher schädlich sind. wie E. coli oder ähnliche. Dann werden eben die nützlichen Darmbakterien weniger. Das heißt. da gibt es auch 'n Teufelskreis. Die fördern auch gleichzeitig die Insulinresistenz. weil wir haben ja vorher ge-gelernt. dass sie sehr nützliche Darmhormone ausschütten und das machen sie ja jetzt nicht mehr. Wenn auch weniger von diesem GLP-1 ausgeschüttet wird. gibt es auch weniger Sättigungsgefühl. Mhm. Wie würdest du's sagen? Du hast jetzt die Wahl. entweder am Ende des Tages nach einem Essen. wo du schon dein Limit an Kalorien erreicht hast. ein Glas Apfelschorle zu trinken oder ein Glas Zero-Softgetränk. Gute Frage. Ich würde das trinken. was mir besser schmeckt. Ich würde die Apfelschorle nehmen. Das mach ich ja nicht jeden Tag und in meinem gesunden Körper wird es gut verstoffwechselt. Ich finde es tatsächlich immer schwierig. Dinge zu verbieten. Es kommt für mich immer auf die Menge an. was man noch dazu isst und was man vielleicht den Rest der Woche schon gegessen hat oder sich gegönnt hat oder was man direkt davor gegessen hat. Ich bin jetzt kein Fan von Zero-Ge-Getränken. weil es mir jetzt auch nicht unbedingt schmeckt. Auch nicht in der Vollversion. Dann würde ich lieber die Apfelschorle nehmen. Ja. geht mir ähnlich. Genau. Ja. ich glaub. wir haben echt viel schon besprochen. Ich fand's mega spannend. Gefühlt könnten wir noch fünf weitere Podcast-Folgen damit füllen. Ja. ich glaub auch wirklich. Eine Sache würde ich noch nachliefern oder. oder fragen. was du dazu sagst. Mir wurde im Nachgang einer der ersten Folgen gesagt: „Ah. ein Comfort Food statt Schokolade ist für mich eine getrocknete Mango.“ Fand ich gar nicht schlecht als Idee. Wie würdest du's diabetologisch ein einschätzen? Ja. Trockenobst hat ja auch sehr viel in sich. was auch nicht so optimal ist. Grad Fructose. wo man dann direkt an die Leberverfettung denkt. Jetzt würde ich sagen. ein Stück Mango-Trockenobst kann man sich schon mal gönnen. Nimmt man das jetzt täglich zu sich. nimmt man das täglich fünfmal zu sich. es gehört das immer zur Gewohnheit. Eigentlich hab ich jetzt keinen Hunger. aber ich möchte eigentlich nach dem Essen noch was Süßes essen. Verbieten tu ich's nicht aber man muss natürlich das Maß finden. Ich bin ja eigentlich immer noch Fan von so einer Handvoll Beeren. find ich. ’ne Süßigkeit für mich schon fast. weil ich die so lecker finde. Das wär so mein Go-to-Ding und ich weiß gar nicht. ob ich's schon erwähnt hat. aber ich für mich ist Rauchmandeln so ’n krasses Ding womit ich so diesen herzhaft Chipshunger so ’n bisschen stillen kann. Ich weiß nicht. hast du die schon mal gegessen? Was sind Rauchmandeln? Sind die geräuchert? Rauchmandeln. Ja. das sind tatsächlich. das sind tatsächlich so Mandeln mit quasi so Raucharoma. Weiß nicht. wie so. wenn man so dieses geräucherte Paprikapulver kennt zum Beispiel. Ja. also meine Vorfahren kommen aus Ungarn. Ach so. okay. Ja. tatsächlich. Das muss ich in meinem Regal haben. Ja. voll. Vielleicht ist das. würd ich sagen. der Speck für die Veganer. Ja. also das liebe ich auf jeden Fall sehr. Ich würd sagen. vielen. vielen Dank liebe Julia. für deinen ganzen spannenden Input. Ja. ich bin echt geflasht. wie viel man da noch zu lernen und wissen und reindiven kann zu dem Thema. Ja. vielen Dank. dass du das mit uns geteilt hast. dein Wissen. Sehr. sehr gerne und ich muss auch dazu am Schluss sagen. tatsächlich in der Zeit meiner ärztlichen Tätigkeit hab ich auch das meiste für mein eigenes Leben gelernt. Also war sehr wertvoll. Ja. kann ich bestätigen mit meinem ernährungsmedizinischen Weg jetzt am Ende. Irgendwo macht man's ja dann für die Gesellschaft. aber auch sein eigenes Leben verbessert sich irgendwie als Nebeneffekt des Ganzen. Was ist denn dein Go-to gesundes Essen? Ich würd direkt sagen. mein Frühstück. Ich mache mir ein Porridge. ich mach mir Chiasamen. Leinsamen. Flohsamen. manchmal Hanfsamen rein. Haferflocken. Ja. das kann ja Milch oder Milchalternative sein und sehr gerne stichfesten Joghurt. weil da auch Material für das Mikrobiom dabei ist und auch sehr gerne bisschen Nussmus. gerne Macadamia. da ist Omega3-. Omega6-Verhältnis ganz nett. Und wenn's mal bisschen aufgepeppt werden muss. Beeren. aber natürlich auch mal 'n halber Apfel. manchmal 'ne halbe Banane oder mal 'n Löffel Quark. Ja. mega. Das klingt gut. Also das-- gesünder geht's dann kaum. Insofern. ja. geb ich dir ein virtuelles High Five und sag vielen Dank. Ich hoffe. wir hören dich in einer späteren Folge mal wieder zu einem der vielen Themen deiner Zusatzbezeichnungen. Hab einen. einen ganz tollen Restabend. Lieben Dank und bis zum nächsten Mal. So. ich hoffe. es hat euch gefallen und ich hab noch eine letzte Frage an euch. Und zwar: Habt ihr das Thema Prädiabetes im Zusammenhang mit Jugendlichen schon mal auf dem Schirm gehabt oder ist das etwas. das ihr heute zum ersten Mal hört? Ich freue mich auf eure Antworten und auf euer Feedback. Bis zum nächsten Mal. euer Till-Yong Zienterra.